ArchivDeutsches Ärzteblatt37/2013Börsebius: Seriöser Anstrich, brüchige Fassade

GELDANLAGE

Börsebius: Seriöser Anstrich, brüchige Fassade

Dtsch Arztebl 2013; 110(37): A-1699 / B-1503 / C-1479

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Wir alle bekommen auf Tages- und Festgelder keine vernünftigen Zinsen, leider. Mit Renditen irgendwo um die Einprozentmarke oder knapp darüber ist der Ertrag für den Sparer so mickrig, dass durch die Inflationsrate sogar eine schleichende Enteignung stattfindet. Selbst langlaufende Anleihen machen auch nicht wirklich Freude, zu schäbig sind auch dort die Erträge.

Da ist es auch kein Wunder, dass sich der clevere Zinsfuchs auf die Jagd nach Alternativen begibt. Die gibt es natürlich auch zuhauf. Das Problem ist halt nur, komme ich vom Regen des mickrigen Zinses in die Traufe unsicherer bis riskanter Produkte? Klar gibt es wunderschöne Hochglanzprospekte bei Unternehmensbeteiligungen oder Containermodellen, die einem das Blaue vom Himmel versprechen, aber das ist doch vielen Investoren mittlerweile ziemlich suspekt. In der Regel ist diese Einschätzung auch angemessen.

Nun gibt es ein Marktsegment, das allein schon vom Namen her Seriosität versprüht: „Mittelstandsanleihen“. Es handelt sich hierbei um ein vergleichsweise wenig reguliertes Börsensegment, in dem sich mittelständische Unternehmen frisches Kapital besorgen. Die Emissionsvolumina liegen in der Regel im zweistelligen Millionenbereich, und die gebotenen Zinsen sind mit einer Spanne von fünf bis zehn Prozent – je nach Rating des Unternehmens – ziemlich achtbar.

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Die Leimrute der wohlklingenden Bezeichnung nebst fetten Renditen führt denn auch zu einer ziemlichen Nachfrage nach diesen Mittelstandsbonds. Mitte dieses Jahres betrug das platzierte Volumen satte 3,7 Milliarden Euro, das ist echt eine Menge Holz und verführt zum Nachmachen.

Doch die eierlegende Wollmilchsau, die den Spagat zwischen hoher Rendite bei ebenso hoher Sicherheit zu lösen vermag, gibt es – natürlich – auch bei diesem Produkt nicht. Allein sechs Emittenten sind bislang pleitegegangen und nicht mehr in der Lage, die Bonds zu bedienen. Und ich glaube, da werden noch einige mehr folgen – vor allem, weil sich viele Unternehmen, die bereits Bonds emittiert haben, zum oder kurz vor dem Laufzeitende (mit neuen Bonds) refinanzieren müssen, da sie nicht genügend Kapital haben, die Anleihe fristgerecht zurückzu- zahlen. Der klassische Teufelskreis.

So, wie es aussieht, steckt meiner Meinung nach hinter dem seriösen Namen der Mittelstandsanleihe jede Menge brüchige Fassade. Wann und wie viel davon abbröckelt oder gar einbricht, muss sich noch zeigen. Wird sich noch zeigen. Gefahr ist also durchaus im Verzug.

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