ArchivDeutsches Ärzteblatt37/2013Richtlinien zur Organtransplantation gem. § 16 Abs. 1 S. 1 Nrn. 2 u. 5 TPG

BEKANNTGABEN DER HERAUSGEBER: Bundes­ärzte­kammer

Richtlinien zur Organtransplantation gem. § 16 Abs. 1 S. 1 Nrn. 2 u. 5 TPG

Dtsch Arztebl 2013; 110(37): A-1700 / B-1504 / C-1480

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Bekanntmachungen

Der Vorstand der Bundes­ärzte­kammer hat in seiner Sitzung vom 21.–22. 03. 2013 auf Empfehlung der Ständigen Kommission Organtransplantation beschlossen,

die Richtlinien zur Organtransplantation gem. § 16 Abs. 1 S. 1 Nrn. 2 und 5 TPG in der Fassung vom 23. 01. 2010 (Dtsch Arztebl 2010; 107[3]: A 111), zuletzt geändert am 08. 02. 2013 (Dtsch Arztebl 2013; 110[6]: A 241–2), zu ändern.

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Mit dieser Änderung werden die Regelungen des beschleunigten Vermittlungsverfahrens konkretisiert. Der gesamte Wortlaut der jeweils geltenden Richtlinien ist abrufbar unter: www.bundesaerztekammer.de/organtransplantation.

Vorbehalt

Die Bekanntmachung erfolgt gemäß § 16 Abs. 3 S. 1 TPG unter dem Vorbehalt der Genehmigung durch das Bundesministerium für Gesundheit (BMG).

A. Der Allgemeine Teil der Richtlinien für die Wartelistenführung und die Organvermittlung zur Organtransplantation gem. § 16 Abs. 1 S. 1 Nrn. 2 und 5 TPG wird wie folgt gefasst:

„ [. . .] II. Allgemeine Grundsätze für die Vermittlung postmortal gespendeter Organe

3.2. Kriterien für die Einschränkung der Vermittlungsfähigkeit

Die Vermittlungsfähigkeit von Organen kann unter anderem durch schwerwiegende Erkrankungen in der Vorgeschichte des Spenders oder durch Komplikationen im Verlauf seiner tödlichen Erkrankung oder Schädigung oder durch Komplikationen vor oder bei der Organentnahme eingeschränkt sein, insbesondere durch

– maligne Tumoren in der Anamnese

– Drogenabhängigkeit

– Virushepatitis (jeweils alternativ HBS Ag+, anti-HBC+ oder anti-HCV+)

– Sepsis mit positiver Blutkultur

– Meningitis.

In den besonderen Regelungen dieser Richtlinie können weitere, organspezifische Kriterien für die Einschränkung der Vermittelbarkeit genannt sein.

Im Einzelfall muss die Einschränkung der Vermittelbarkeit von den an der Organentnahme, -verteilung oder -übertragung beteiligten Ärzten beurteilt werden.

Auch Domino-Transplantate sind eingeschränkt vermittelbar. Domino-Transplantate sind Organe, die einem Empfänger im Rahmen der Transplantation eines Spenderorgans entnommen werden und anderen Patienten übertragen werden können.

3.3. Besondere Vermittlungsverfahren

3.3.1. Modifiziertes Vermittlungsverfahren

Organe sollen unter den in Abschnitt 3.2. beschriebenen Voraussetzungen nur solchen Transplantationszentren für Patienten angeboten werden, für die sie nach dem Zentrums- und dem Patientenprofil in Betracht kommen. Im Übrigen erfolgt die Vermittlung nach den allgemeinen Regeln für das jeweilige Organ.

3.3.2. Beschleunigtes Vermittlungsverfahren

Die Vermittlungsstelle entscheidet über die Einleitung des beschleunigten Vermittlungsverfahrens auf der Grundlage aller vorhandenen Informationen. Dieses Verfahren wird insbesondere durchgeführt, wenn

– durch eine Kreislaufinstabilität des Spenders oder

– aus logistischen oder organisatorischen Gründen oder

– aus spender- oder aus organbedingten Gründen

ein Organverlust droht.

Dabei ist das folgende abgestufte Vorgehen zu beachten:

1. Um die Ischämiezeit möglichst kurz zu halten, wird ein Organ im beschleunigten Vermittlungsverfahren allen Zentren einer Region der Koordinierungsstelle, in der sich das Organ zum Zeitpunkt des Angebotes befindet, sowie anderen nahegelegenen Zentren angeboten. Die Zentren wählen aus ihrer Warteliste bis zu zwei geeignete Empfänger aus und melden diese an die Vermittlungsstelle. Die Vermittlungsstelle vermittelt dann das Organ innerhalb der Gruppe der so gemeldeten Patienten entsprechend der Reihenfolge, wie sie sich aus den im besonderen Teil der Richtlinie beschriebenen Verteilungsregeln ergibt. Für jedes Organangebot gilt eine Erklärungsfrist von maximal 30 Minuten. Wenn sie überschritten wird, gilt das Angebot als abgelehnt.

2. Gelingt eine Vermittlung nach diesem Verfahren nicht, kann die Vermittlungsstelle das Organ auch weiteren Zentren anbieten. Die Zentren teilen gegebenenfalls der Vermittlungsstelle den gegenwärtig am besten geeigneten Empfänger mit. Wenn Patienten aus mehr als einem Zentrum in Betracht kommen, wird das Organ dem Patienten zugeteilt, für den die Akzeptanzerklärung des zuständigen Zentrums als erste bei der Vermittlungsstelle eingegangen ist.

Die Zentren müssen die Gründe für ihre Auswahlentscheidung dokumentieren.

3. Gelingt eine Vermittlung des Organs innerhalb des Zuständigkeitsbereichs der Vermittlungsstelle nicht, kann diese das Organ auch anderen Organaustauschorganisationen anbieten, um den Verlust des Organs möglichst zu vermeiden.

3.4. Evaluation

Neben der Dokumentation der Auswahlentscheidung sollen die Ergebnisse der Transplantation aller eingeschränkt vermittelbaren Organe von der Vermittlungsstelle fortlaufend dokumentiert und regelmäßig auf der Grundlage eines Berichts der Vermittlungsstelle evaluiert werden, soweit der besondere Teil dieser Richtlinie nichts anderes bestimmt. Die Vermittlungsstelle berichtet der Prüfungskommission regelmäßig über die Allokationsentscheidungen und Allokationen im beschleunigten Vermittlungsverfahren.

Die Transplantationszentren sind verpflichtet, der Vermittlungsstelle die für die Evaluation benötigten Daten zu übermitteln.

[…] .“

B. Die Richtlinienänderungen treten am 09. 12. 2013 in Kraft.

Korrespondenzanschrift:

Bundes­ärzte­kammer, Geschäftsstelle Transplantationsmedizin

Herbert-Lewin-Platz 1, 10623 Berlin

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