ArchivDeutsches Ärzteblatt37/2013Notfallmedizin: Nicht in jeder Praxis kompetent versorgt
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Sehr geehrter Herr Kollege Urbainczyk, mit Erschrecken habe ich im DÄ von Ihren Erfahrungen mit dem Rettungsdienst Ihres Kreises gelesen. Ich schreibe Ihnen als niedergelassener Arzt mit 20-jähriger Tätigkeit in eigener Praxis und 30 Jahren Erfahrung im Rettungs- und Notarztdienst . . .

Nicht in jeder Praxis wird leider der Patient so kompetent vom niedergelassenen Kollegen versorgt und die erforderliche Dokumentation vorbereitet wie bei Ihnen! Der Zustand des Patienten sowie die Vorbehandlung durch den Praxisarzt sind weder der RTW- noch NEF-Besatzung bekannt. Die Anfahrt erfolgt auf dienstlicher Anordnung und mittels Alarm-Depeche durch die jeweilige Leitstelle auf der Grundlage der Informationen des Disponenten und der Alarm- und Ausrückeordnung in aller Regel mit Sondersignal (das wissen Sie!). Die hereinstürmenden (Rettungs-)Sanitäter sind heutzutage im Allgemeinen Rettungsassistenten. Eine despektierliche Herabwürdigung dieses anerkannten und wertvollen Berufes diffamiert einen Prozess, der seit 40 Jahren harter Arbeit von Notfallmedizinern und Rettungsdienstpersonal erarbeitet und fortentwickelt wurde. Und Sie wissen, dass in RTW und NEF jeweils zwei Personen sitzen, gegebenenfalls ein Dritter zur Ausbildung (!) zu Lernzwecken mitfährt. Ebenso wie unsere MFAs kommen auch Rettungsassistenten nicht ausgebildet zur Welt. Die Anzahl der Helfer ist also durchaus legitim und zuweilen wünschenswert, denn Sie kennen sicherlich Situationen, in der jede Hand benötigt wird. Welche Situation die Kollegen dort antreffen, ist ihnen in den allermeisten Fällen nicht bekannt! Sie erwarten auch nicht allen Ernstes, dass der Rettungsdienst für seine Fahrzeuge vorher einen angemessenen Parkplatz sucht . . .

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Wenn dann eine Examinierung des Niedergelassenen erfolgt, so könnte man das Ganze auch Übergabe oder Anamneseerhebung nennen, denn der notärztliche Kollege kennt im Gegensatz zu Ihnen den Patienten noch nicht, muss aber die medizinische Betreuung genauso kompetent fortführen, wie Sie sie eingeleitet haben. Das geht nur mit Information, und die erhält man durch Kommunikation. Über die Art der Fragestellung und den Ton kann ich mich hier nicht äußern, denn ich war nicht dabei.

Im Einzelfall kann es immer zu Differenzen und Ärgernissen kommen, das ist selbstredend, dies jedoch vor einer gesamten Leserschaft für Rettungs-/Notarzteinsätze generell darzustellen, finde ich schade, nicht wirklich objektiv und leider ungeeignet, die unterschiedlichen Arbeitsbereiche zueinander zu führen. Die derzeitige Notfallmedizin, ob als NAW oder im Rendezvous-System, ist weltweit angesehen und für manche Patienten ein Segen. Auch wenn Patienten und Angehörige (und Ärzte!) gerne nur einen Arzt in Zivil sehen würden, der vier Hände hat und alles allein macht, sind wir in den letzten 40 Jahren gerade hiervon abgerückt – und das ist gut so! Auch Sie wissen, dass die personelle Besetzung von Rettungsmitteln und das Tragen von Einsatzkleidung verpflichtend sind und man sich eben nicht je nach Patient vorher umziehen kann . . .

Dr. med. Frank Mewes, Leitender Notarzt
Märkischer Kreis, 58507 Lüdenscheid

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