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Wir möchten uns bei den Autoren der Leserbriefe sehr herzlich für ihre Anmerkungen und Ergänzungen bedanken. Prozesse in der Medizin kritisch zu hinterfragen, führt häufig zu einer reflexhaften Abwehr und dem offenen Vorwurf, dass die ärztliche Freiheit auf dem Altar der Öko­nomi­sierung geopfert werde. Der Kollege Hahn betont in seinem Kommentar – unserer Meinung nach sehr zu Recht – dass „ein pünktlicher OP-Beginn eine Frage des Respekts gegenüber allen Mitarbeitern“ ist und er verweist auf die bedeutende Rolle, die hierbei die Leitenden Ärzte als Vorbilder haben. Dies entspricht genau der Intention unserer Arbeit. Die von ihm aufgeworfene Frage, ob eine Häufung von verzögertem morgendlichem Beginn auch mit längeren Wechselzeiten assoziiert ist, ist nach der aktuellen Datenlage nicht eindeutig zu beantworten. Die Prozesse während der Wechselzeiten sind noch deutlich komplizierter als beim morgendlichen Beginn. Es gibt allerdings Hinweise aus der Literatur, dass Verzögerungen innerhalb der Wechselzeit und beim morgendlichen OP-Beginn sehr oft auf die gleichen Gründe zurückzuführen sind (1, 2).

Der Kollege Braun verweist auf das Problem der Festlegung der Sollzeiten. Die beteiligten Mitarbeiter in jeder Klinik müssen letztlich einen Konsens finden, welche Prozesszeitpunkte und -dauern für sie wünschenswert und realistisch sind und ihre Prozessplanung und Arbeitszeiten darauf anpassen. Jede Organisation sollte sich an diesen eigenen Vorgaben selbst messen, da sonst die ganze Prozessplanung nutzlos wird. Und nochmals ist zu betonen, dass nicht eingesparte Minuten das letztendliche Ziel darstellen, denn der ökonomische Effekt ist vermutlich eher gering. Das Ziel sollte es sein, die Zufriedenheit der Mitarbeiter mit den gelebten Abläufen im Operationssaal sicherzustellen.

Dr. Santamaria und Kollegen weisen auf die Bedeutung des OP-Managements bei der Umsetzung der Prozessplanung hin. Es ist ihnen vollkommen zuzustimmen, dass ein OP-Management nur dann erfolgreich sein kann, wenn es entsprechende Kompetenzen und Entscheidungsmöglichkeiten hat. Oft wird insbesondere von der Krankenhausleitung erwartet, dass der OP-Manager notwendige Veränderungen realisiert und eine gemeinsame Verpflichtung der Beteiligten auf den gemeinsamen Prozess sicherstellt. Zugleich werden aber durch die Krankenhausleitung hiervon differierende Absprachen mit einzelnen Prozessbeteiligten getroffen, beziehungsweise dem OP-Management die Möglichkeit genommen, auf die Verweigerung einer gemeinsamen Prozessplanung zu reagieren. Dies kann für die Organisation als ganzes zu keinem befriedigenden Ergebnis führen. Wie Verantwortlichkeiten und Kompetenzen in den einzelnen Häusern ausgestaltet werden, ist in der Tat stets eine lokale Herausforderung. Verantwortlichkeiten und Kompetenzen müssen aber stets kongruent sein: Das OP-Management kann nur für das verantwortlich sein, was es in letzter Konsequenz auch entscheiden kann.

DOI: 10.3238/arztebl.2013.0642

PD Dr. med. Martin Schuster, Prof. Dr. med. Martin Bauer

AG Prozess- und Kostenmanagement, Forum für Qualitätsmanagement und Ökonomie der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin und des Berufsverbandes Deutscher Anästhesisten

martin.schuster@kliniken-lk.de

Marco Pezzella BA, Dr. med. Enno Bialas

digmed Datenmanagement im Gesundheitswesen GmbH, Hamburg

Dr. med. Christian Taube, Matthias Diemer MBA

Verband für OP-Management e.V., Hannover

Interessenkonflikt

PD Dr. Schuster und Prof. Bauer sind als Vertreter des Berufsverbandes Deutscher Anästhesisten, Dr. Taube und Diemer MBA als Vertreter des Verbands für OP-Management Mitglieder des wissenschaftlichen Beirats des Benchmark-Programms.

Pezzella BA und Dr. Bialas sind Mitarbeiter der digmed GmbH.

1.
Unger J, Schuster M, Bauer K, Krieg H, Müller R, Spies C. Zeitverzögerungen beim morgendlichen OP-Beginn. Anästhesist 2009; 58: 293–300. CrossRef MEDLINE
2.
Schuster M, Wicha LL, Fiege M, Goetz AE. Auslastung und Wechselzeit als Kennzahlen der OP-Effizienz. Anästhesist 2007; 56: 1058–66.
3.
Schuster M, Pezzella M, Taube C, Bialas E, Diemer M, Bauer M: Delays in starting morning operating lists—an analysis of more than 20 000 cases in 22 German hospitals. Dtsch Arztebl Int 2013; 110(14): 237−43. VOLLTEXT
1.Unger J, Schuster M, Bauer K, Krieg H, Müller R, Spies C. Zeitverzögerungen beim morgendlichen OP-Beginn. Anästhesist 2009; 58: 293–300. CrossRef MEDLINE
2.Schuster M, Wicha LL, Fiege M, Goetz AE. Auslastung und Wechselzeit als Kennzahlen der OP-Effizienz. Anästhesist 2007; 56: 1058–66.
3.Schuster M, Pezzella M, Taube C, Bialas E, Diemer M, Bauer M: Delays in starting morning operating lists—an analysis of more than 20 000 cases in 22 German hospitals. Dtsch Arztebl Int 2013; 110(14): 237−43. VOLLTEXT

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