ArchivDeutsches Ärzteblatt49/1998EBM-Reform: Auf der Kippe

SEITE EINS

EBM-Reform: Auf der Kippe

Dtsch Arztebl 1998; 95(49): A-3089 / B-2607 / C-2314

Maus, Josef

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS An diesem Wochenende (5. und 6. Dezember) tritt die Ver­tre­ter­ver­samm­lung der Kassenärztlichen Bundesvereinigung im Kölner Hotel Maritim zusammen. Eine Sitzung, die aus mehreren Gründen besondere Aufmerksamkeit verdient. Einerseits haben die Delegierten erstmals die Gelegenheit, den Kurswechsel in der Gesundheitspolitik nach der Bundestagswahl zu debattieren. Das Vorschaltgesetz der rot-grünen Koalition betrifft die ambulante Versorgung mit zahlreichen Einzelbestimmungen unmittelbar.
Andererseits steht (erneut) die Weiterentwicklung des EBM auf der Tagesordnung. Das überraschende Votum der Ver­tre­ter­ver­samm­lung vom Mai dieses Jahres gegen das Konzept des Vorstandes ist noch in frischer Erinnerung. Mit einer Stimme Mehrheit fiel die Reform damals durch.
Jetzt unternimmt der KBV-Vorstand einen neuen Anlauf, aber die Rahmenbedingungen haben sich geändert. Die Krankenkassen haben auf das "Fiasko" der letzten VV mit einer eigenen EBM-Konzeption reagiert. Wie die aussieht, wird Prof. Dr. med. Heinz-Harald Abholz, Lehrstuhlinhaber für Allgemeinmedizin an der Universität Düsseldorf und Berater der Spitzenverbände in Fragen der Gebührenordnung, den Delegierten der KBV erläutern.
Ein weiterer "Externer", der Betriebswirt Prof. Dr. Günter Sieben (Uni Köln), nimmt zur betriebswirtschaftlichen Kalkulation des EBM Stellung. Der KBV-Vorstand wird schließlich erläutern, welche Konsequenzen er selbst aus den Beschlüssen der VV gezogen hat: unter anderem die Einrichtung eines "Hausarztkapitels".
Nun sieht die Tagesordnung zwar keine Beschlußfassung über den EBM vor; beim "reinen Gedankenaustausch" kann es aber auch nicht bleiben. Zu viel steht auf dem Spiel. Wenn es wiederum nicht gelingen sollte, zumindest die Weichen für eine konsensfähige EBM-Reform zu stellen, steht die KBV definitiv im Abseits. SPD und Bündnisgrüne haben nämlich in ihrer Koalitionsvereinbarung ausdrücklich festgehalten, eine neue Gebührenordnung für die ambulante Versorgung schaffen zu wollen. Den Krankenkassen wiederum könnte dies nur recht sein, denn ihr Einfluß auf die Bonner Gesundheitspolitik ist mit dem Regierungswechsel eher gewachsen. Wer nicht handelt, wird behandelt, ist das Gebot der Stunde. Oder aus Sicht der KBV: "Gestern standen wir noch am Abgrund; heute sind wir schon einen Schritt weiter ..." Josef Maus
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema