ArchivDeutsches Ärzteblatt49/1998Handbuch der Salutogenese

SPEKTRUM: Bücher

Handbuch der Salutogenese

Dtsch Arztebl 1998; 95(49): A-3098 / B-2630 / C-2436

Schüffel, Wolfram; Brucks, Ursula; Johnen, Rolf; Köllner, Volker; Lambrecht, Friedhelm; Schnyder, Ulrich

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Wie entsteht Gesundheit?
Wolfram Schüffel, Ursula Brucks, Rolf Johnen, Volker Köllner, Friedhelm Lambrecht, Ulrich Schnyder (Hrsg.): Handbuch der Salutogenese. Konzept und Praxis, Ullstein Medical Verlagsgesellschaft, Wiesbaden, 1998, XXII, 398 Seiten, 88 DM
Das Handbuch richtet sich primär an Ärzte und allgemein an alle Angehörigen der Heil- und Pflegeberufe. Es beschäftigt sich mit dem hohen Anspruch, die Möglichkeiten und Fähigkeiten des Patienten zu erkennen und als Ressourcen zur Stärkung der Eigenaktivität einzusetzen. Das Konzept der Salutogenese des Medizinsoziologen Aaron Antonovsky (1923 bis 1994) steht hierbei im Mittelpunkt.
Das Buch gliedert sich in sechs Teile: Zunächst wird das Konzept der Salutogenese erläutert, das von der Frage ausgeht: Wie entsteht Gesundheit? Untersuchungen weisen darauf hin, daß langfristige Orientierungen des Patienten, die dessen Wahrnehmung und Überzeugung betreffen, sich und seine Umwelt zu verstehen, zu handhaben und ihnen einen Sinn zu geben, ausschlaggebend sind. Diese langfristigen Orientierungen werden als "Kohärenzsinn" bezeichnet. Hieraus erwachsen für den Arzt konkrete Konsequenzen, wie zum Beispiel die Wiedereinführung der biographischen Anamnese, die sowohl die Lebensgeschichte, den soziokulturellen Hintergrund als auch die Bewältigungsmöglichkeiten des Patienten einbezieht.
In Teil 2 werden von den jeweils behandelnden Ärzten Fallbeispiele berichtet - unter Anwendung des Salutogenese-Konzepts in der Praxis. Die Falldarstellungen betreffen Patienten mit unterschiedlichen Beschwerden und Erkrankungen: Tonsillenkarzinom, Endokarditis, chronisch posttraumatische Belastungsstörung, synkopaler Zustand und weitere.
Teil 3 behandelt Gesund­heits­förder­ungsprojekte in der Gemeinde, im Betrieb und im Krankenhaus sowie alternative Denksysteme. Die ärztliche Aus-, Weiter- und Fortbildung ist Thema in Teil 4. Neben einem völlig neuen Ablauf des Medizinstudiums werden die Techniken von problemorientierter Fallbearbeitung, Anamnese- und Balint-Gruppen unter dem Aspekt der Salutogenese beschrieben und diskutiert. Im Teil 5 wird der Forschungsstand beleuchtet. Trotz vieler Studien, die die Zuverlässigkeit des Fragebogens von Antonovsky zur Messung des Kohärenzsinnes darlegen, gibt es Zweifel, ob dieser Fragebogen auch valide ist und nicht etwa nur das
Fehlen von Depression und Angst mißt.
Das Handbuch bietet einen praktischen Zugang für die Fachberufe im Gesundheitswesen zum bisher oft theoretisch gebliebenen Konzept der Salutogenese. Es ist weitgehend gelungen, die Autoren in ein schlüssiges Gesamtkonzept einzubinden, das dem Leser erlaubt, für seinen Bereich Anregungen zur Realisierung dieser neuen und zugleich altbewährten Perspektive zu finden. Das Sachwortverzeichnis ist hilfreich, um auch in Auszügen speziell interessierende Inhalte zu lesen. Streckenweise sind Auflistungen verschiedener Publikationen ermüdend und nutzlos, zumal wenn ihre wissenschaftliche Qualität (zum Beispiel Studiendesign) dem Leser nicht transparent gemacht wird. Ebenso wird den nicht tiefenpsychologisch Ausgerichteten manche Interpretation wenig überzeugen. Trotzdem ist das Handbuch eine Grundlagenlektüre für jeden, der den Perspektivenwechsel hin zur Frage "Wie entsteht Gesundheit?" in seine tägliche Arbeit integrieren will.
Frank Lehmann, Köln
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