THEMEN DER ZEIT: Kommentar

Big Data: Big Problem?

Dtsch Arztebl 2013; 110(38): A-1728 / B-1527 / C-1503

Krüger-Brand, Heike E.

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Heike E. Krüger-Brand, DÄ-Redakteurin
Heike E. Krüger-Brand, DÄ-Redakteurin

Das mit dem Begriff „Big Data“ bezeichnete massenhafte Sammeln und Auswerten von Daten ist derzeit ein beherrschendes Thema in den Medien. Datenschutzskandale wie die weitreichende Ausspähung durch US-amerikanische und britische Geheimdienste oder der Missbrauch personenbezogener Daten beim Handel mit Rezeptdaten haben daran einen großen Anteil. Auch die Gegner der elektronischen Gesundheitskarte sehen sich durch diese Ereignisse in ihrer Kritik bestätigt und befürchten „eine neue Dimension der zentralisierten Überwachung“, in der die Karte als „Zugangsschlüssel für einen bundesweiten Krankheitsdatenberg“ fungiert.

Naiv wäre jedoch die Annahme, dass sich Big Data stoppen ließe, denn zu groß sind die wirtschaftlichen Potenziale, wie der Erfolg großer IT-Konzerne wie Google, Apple, Facebook oder Amazon belegt. Ebenso interessieren sich beispielsweise Krankenkassen, Versicherungen, Banken und Versandhandelsunternehmen für Massendaten.

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Profitieren können aber auch Wissenschaft und Forschung. So bieten sich beispielsweise im Gesundheitsbereich mit entsprechenden Analysewerkzeugen neue vielversprechende Ansätze zur Bekämpfung von Krankheiten und gefährlichen Epidemien.

Das Ausmalen von Katastrophen und diffuser Bedrohungsszenarien hilft somit nicht weiter. Vielmehr geht es um die Frage, wie sich die informationstechnischen Chancen nutzen lassen, ohne dass der Datenschutz und die informationelle Selbstbestimmung dabei auf der Strecke bleiben. „Big Data ist verfassungskonform möglich“, meinte dazu Schleswig-Holsteins oberster Datenschützer und Leiter des Unabhängigen Landeszentrums für Datenschutz (ULD), Dr. Thilo Weichert bei der diesjährigen Sommerakademie des ULD in Kiel. Er beruft sich dabei auf die differenzierte Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts, das dem Datenschutz und dem Recht auf informationelle Selbstbestimmung in vielen Entscheidungen einen grundlegenden Stellenwert für Rechtstaatlichkeit und Demokratie beigemessen hat.

Zwar stehen Datenschutzprinzipien wie Datensparsamkeit und Zweckbindung in einem Spannungsverhältnis zu Big-Data-Anwendungen. Durch hohe Transparenz- und Verfahrensanforderungen und den Einsatz datenschutzfreundlicher Technik etwa zur Anonymisierung lässt sich dieses Spannungsverhältnis Weichert zufolge jedoch auflösen.

Aus Sicht des Datenschützers steht Deutschland – im Vergleich etwa mit den USA – gar nicht mal so schlecht da, weil das deutsche Datenschutzrecht besonders klar und die Datenschutzaufsicht flächendeckend wie kaum irgendwo sonst sei. Vor diesem Hintergrund empfiehlt Weichert, deutsche oder europäische E-Mail- und Internetdienstleister zu nutzen, da etwa die Nutzer von Google oder Facebook in undurchschaubare Datenschutzbestimmungen einwilligen müssen, wenn sie diese Dienste nutzen wollen.

Transparenz ist auch im Zusammenhang mit dem Projekt der elektronischen Gesundheitskarte (eGK) oberstes Gebot: Sie kann dazu beitragen, dass Deutschland eine sichere Kommunikationsinfrastruktur für das Gesundheitswesen erhält. Denn die Patientendaten werden so verschlüsselt, dass sie nur mittels des Schlüssels des Patienten, der eGK, wieder entschlüsselt werden können, und für den Zugriff auf die Daten ist zudem ein Heilberufsausweis erforderlich.

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