ArchivDeutsches Ärzteblatt38/2013Blutungsrisiko nach Koronarstentimplantation: Jeder neunte Todesfall durch postoperative Blutungen

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Blutungsrisiko nach Koronarstentimplantation: Jeder neunte Todesfall durch postoperative Blutungen

Dtsch Arztebl 2013; 110(38): A-1738 / B-1534 / C-1510

Siegmund-Schultze, Nicola

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Seit längerem ist bekannt, dass periprozedurale Blutungen bei der Implantation von Koronarstents die Morbidität, die Dauer und die Kosten eines Klinikaufenthalts erhöhen. Methodisch schwierig ist es jedoch, das Mortalitätsrisiko durch postprozedurale Blutungen abzuschätzen: Prädiktive Faktoren, die das Risiko für Blutungen beeinflussen, überlappen sich mit solchen, die die Sterblichkeit nach Koronarstentimplantation erhöhen.

Forscher vom National Cardiovascular Data Register in den USA haben die Daten von 3 386 688 Interventionen zwischen 2004 und 2011 auf die Frage nach dem Sterblichkeitsrisiko durch postoperative Blutungen analysiert. Präprozedurale Faktoren, die die Sterblichkeit beeinflussen konnten, wurden berücksichtigt. Es traten bei 1,7 % der Interventionen Blutungen (n = 57 246) und 22 165 Todesfälle im Krankenhaus (0,65 %) auf. Die Krankenhaussterblichkeit war zu 12,1 % auf schwere Blutungen („major bleeding“) mit Transfusionsbedarf oder einem Absinken des Hämoglobinwerts um mehr als 3 g/dL Blut zurückzuführen. Die Assoziation zwischen Sterblichkeit im Krankenhaus und Blutungskomplikationen bestand in den verschiedenen, präoperativ festgelegten Risikogruppen für Blutungen, war jedoch bei bereits präoperativ höchsten Blutungs- und Sterblichkeitsrisiken am stärksten ausgeprägt, ebenso bei Blutungen außerhalb des Interventionsbereichs (gastrointestinale oder urogenitale Blutungen). Auf 21 schwere postoperative Blutungen kam bei hohem Blutungsrisiko ein Todesfall, bei Blutungen außerhalb des Interventionsgebiets betrug die Rate 16. Die Assoziation zwischen Mortalität und Blutungskomplikationen war unabhängig von den perioperativ angewandten Antikoagulanzien (Heparine, Glykoprotein-IIb/IIIa-Inhibitoren).

Fazit: Schwere Blutungen nach Koronarstentimplantation sind mit einem erhöhten Krankenhaussterblichkeitsrisiko assoziiert. Zu 12,1 % war es in einer großen Studie aus den USA auf postoperative Blutungen zurückzuführen: Komplikationen, die sich nach Meinung der Autoren durch Maßnahmen vor und während der Op vermeiden ließen.

Dr. rer. nat. Nicola Siegmund-Schultze

Chhatriwalla AK, Amin AP, Kennedy KF House JA, et al.: Association between bleeding events and in-hospital mortality after percutaneous coronary intervention. JAMA 2013; 309: 1022–9. MEDLINE

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Deutsches Ärzteblatt plus
zum Thema

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema