ArchivDeutsches Ärzteblatt38/2013Giessen/Marburg: Differenzierte Betrachtung nötig
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Ihr Artikel über die Situation am Universitätsklinikum Gießen und Marburg verficht einmal mehr die Grundaussage, dass die Konstruktion der mittelhessischen Universitätsmedizin unter Beteiligung eines privaten Mehrheitsgesellschafters vollständig gescheitert sei – so wie es die AG Hochschulmedizin in ihrer Stellungnahme am 16. Juli 2013 bereits behauptet. Durch Wiederholung wird diese Generalkritik aber nicht haltbarer. Es wäre angemessen gewesen, wenn Sie die Hochschulmedizin in Mittelhessen differenzierter betrachtet hätten.

Neben den unbestreitbaren Problemen und Herausforderungen, die es weiterhin zu meistern gilt (etwa mit Blick auf bisherige unrealistische Refinanzierungserwartungen der Rhön-Klinikum AG an die Universitätsklinik), gibt es zweifelsohne auch positive Entwicklungen, so unter anderem die Absicherung der Universitätsmedizin in Gießen durch den vor zwei Jahren bezogenen Neubau, die im aktuellen DFG-Förderatlas dokumentierte sehr erfolgreiche Entwicklung der mittelhessischen Medizinforschung und die bundesweit einmalig hohe Kostentransparenz bei der Leistungsverrechnung zwischen den Universitäten und ihren Fachbereichen einerseits und dem Universitätsklinikum andererseits. Besonders ärgerlich ist es, wenn vor dem Hintergrund, dass bundesweit mehr und mehr Universitätsklinika in staatlicher Trägerschaft zunehmend hohe Defizite erwirtschaften (die aus Steuermitteln ausgeglichen werden müssen!), alle grundsätzlichen Fragen nach der künftigen Finanzierung der Universitätsmedizin in Deutschland mit Hilfe eines Mittelhessen-bashings ausgeblendet werden. Nur mit dem Hinweis darauf, dass „Hochschulmedizin . . . Teil der öffentlichen Daseinsfürsorge sein und bleiben (muss)“, macht sich die AG Hochschulmedizin die Bewertung der Situation in Mittelhessen zu einfach – oder ist das jetzige, systemimmanent auf Defizite ausgelegte Finanzierungssystem in staatlicher Trägerschaft mit dem Steuerzahler als stets benevolent einspringendem Gewährsträger das Erfolgsmodell?

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Prof. Dr. Joybrato Mukherjee, Präsident,
Prof. Dr. Trinad Chakraborty, Medizin-Dekan,
Dr. Michael Breitbach, Kanzler
Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU),
35390 Gießen

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