ArchivDeutsches Ärzteblatt38/2013Frage der Woche an . . . Dr. med. Henrik Räwer, Personalberater bei der Rochus Mummert Healthcare Consulting GmbH in Hannover

ÄRZTESTELLEN: Frage der Woche

Frage der Woche an . . . Dr. med. Henrik Räwer, Personalberater bei der Rochus Mummert Healthcare Consulting GmbH in Hannover

Welche Einsparpotenziale können Kliniken heute noch nutzen, ohne sich kaputtzusparen?

Dtsch Arztebl 2013; 110(38): [4]

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Die Krankenhäuser stehen unter Druck: Einerseits müssen immer mehr Patienten in immer kürzerer Zeit bei wachsenden Qualitätsansprüchen behandelt werden. Andererseits steigen die Kosten allein schon wegen der Tarifabschlüsse seit Jahren schneller als die Preise für Krankenhausleistungen, die ja gedeckelt sind.

Welche Einsparpotenziale können Kliniken heute noch nutzen, ohne sich kaputtzusparen?

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Räwer: Wenn Unternehmen sparen wollen, drehen sie traditionell zuerst an der Personalschraube. Zwar schaffen Einstellungsstopp, Probezeitkündigungen und Entlassungen kurzfristig finanzielle Spielräume. Doch sollten Klinikverantwortliche wissen, dass dies unweigerlich in eine Abwärtsspirale führt.

Um wettbewerbsfähig zu bleiben, sollten Krankenhäuser besser ihr Profil schärfen. Das bedeutet vor allem, das Leistungsportfolio zu prüfen und Medizingebiete mit „Strahlkraft“ für ihre Region auszubauen – das ist aber unmöglich, wenn spezialisierte Ärzte und Pflegekräfte fehlen. Vor allem die Leistungsträger suchen sich Alternativen, wenn die ohnehin enorme Arbeitsverdichtung durch Stellenstreichungen Überhand nimmt. Die verbleibenden Mitarbeiter sind erst recht überlastet und beginnen, sich aus Frust bei der Konkurrenz umzusehen, wo sie dann dankbar eingestellt werden.

Statt ihr Haus so kaputtzusparen, sollten Klinikchefs zuvorderst prüfen, ob alle Einsparungen in patientenfernen Geschäftsbereichen realisiert sind, etwa im Einkauf, im Facility Management oder in der Logistik. Auch im Verwaltungsapparat sind die Potenziale oft nicht ausgeschöpft. In den genannten Bereichen müssen Aufgabenkataloge überprüft und delegierbare Tätigkeiten an anders – nicht unbedingt geringer – Qualifizierte oder möglicherweise auch Dienstleister ausgelagert werden. Übergeordnetes Ziel muss also immer sein, dass die medizinisch-pflegerische Kernleistung gegenüber dem Patienten nicht leidet.

Die Optimierungen in Konsolidierungsphasen sollten einhergehen mit einer Personalentwicklung, die darauf abzielt, Leistungsträger zu halten und zu gewinnen. So können Kliniken ihr Angebot mit Blick auf den regionalen Wettbewerb ausweiten und den nötigen Umsatz erzeugen, um weiter steigende Kosten zu finanzieren. Manche Krankenhäuser haben diesen Weg bereits erfolgreich eingeschlagen, aber in der Summe sind es noch zu wenige.

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