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Rhön-Klinikum AG: Leer gekauft

Dtsch Arztebl 2013; 110(38): A-1705 / B-1509 / C-1485

Flintrop, Jens

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Wenn diesmal alles glatt geht – und danach sieht es aus –, wird die Helios-Kliniken Gruppe ab 2014 als erster Anbieter ein nahezu flächendeckendes Kliniknetz in Deutschland betreiben. Für gut drei Milliarden Euro kauft deren Mutterkonzern Fresenius den Großteil der Kliniken des größten Konkurrenten Rhön, wodurch Helios mit 117 Krankenhäusern und einem Umsatz von knapp 5,5 Milliarden Euro mit Abstand zum Marktführer wird. Von der Rhön-Klinikum AG bleibt nur noch ein Rest übrig, bestehend aus dem Universitätsklinikum Gießen und Marburg (UKGM), dem Mutterkrankenhaus in Bad Neustadt/Saale sowie den Krankenhäusern in Bad Berka und Frankfurt/Oder.

2012 hatte Fresenius Rhön ganz übernehmen wollen, war aber mit seinem Angebot an die Aktionäre gescheitert – und das, obwohl Großaktionär und Aufsichtsratsvorsitzender Eugen Münch den Verkauf befürwortet hatte. Die Mindestannahmequote von 90 Prozent wurde damals knapp verfehlt, weil die Nr. 3 der Branche, Asklepios, im letzten Moment fünf Prozent der Aktien kaufte. Auch der Medizinproduktezulieferer B. Braun erwarb fünf Prozent an Rhön, um eine Fusion mit Helios verhindern zu können. Asklepios fürchtet einen zu starken Konkurrenten, und B. Braun hat Sorge, dass der Konzern auf Produkte von Fresenius Kabi umsteigt.

Jetzt aber haben Fresenius-Chef Ulf M. Schneider und Rhön-Gründer Münch einen Weg gefunden, die Blockade zu umgehen: Statt Rhön komplett zu kaufen, übernimmt Fresenius „nur“ 43 Krankenhäuser und alle 15 Medizinischen Versorgungszentren. Dieses Vorgehen ist wohl ohne Zustimmung der Haupt­ver­samm­lung möglich. Ausschlaggebend ist ein Grundsatzurteil des Bundesgerichtshofs von 2004, wonach Ausgliederungen von weniger als 80 Prozent keine Zustimmung der Aktionäre erfordern. Die Rhön-Aktionäre erfuhren erst von dem Deal, als die Tinte unter dem Vertrag bereits trocken war. Der Aufsichtsrat war natürlich eingebunden, aber dort haben die Großaktionäre Asklepios und B. Braun noch keinen Sitz, weil sie zu kurz dabei sind. Erst 2015 wird hier wieder neu gewählt.

Das Bundeskartellamt muss dem Geschäft noch zustimmen. Denkbar ist, dass die Behörde den Verkauf einzelner Krankenhäuser an einen dritten Klinikbetreiber zur Auflage macht, damit möglichst auf allen Märkten die Wahlfreiheit der Patienten zwischen mehreren Anbietern erhalten bleibt. Scheitern wird der Deal daran aber wohl nicht. Die Wettbewerbshüter werden künftig auch darauf achten, ob der neue Krankenhausriese seine Nachfragemacht ausnutzt, um die Medizinproduktzulieferer seiner 117 Krankenhäuser zu stark unter Preisdruck zu setzen. Dass Fresenius Helios selbst betont, das Konzernunternehmen Fresenius Kabi nicht bevorzugen zu wollen, beruhigt da wenig.

Jens Flintrop, Redakteur für Gesundheits- und Sozialpolitik
Jens Flintrop, Redakteur für Gesundheits- und Sozialpolitik

Doch wie geht es mit Rhön weiter? Der Konzern gehe „in die Offensive“ und werde sich in Zukunft vor allem auf Einrichtungen konzentrieren, die spitzenmedizinische Vollversorgung im wissenschaftlich-universitären und maximalversorgungsnahen Umfeld bieten, verkündete der Klinikbetreiber. Ausgerechnet das UKGM, dessen Privatisierung schon fast als gescheitert gilt, soll also im Zentrum des Verbunds mit immerhin noch einer Milliarde Euro Umsatz stehen? Realistischer ist, dass das Uniklinikum nur deshalb nicht veräußert wird, damit die 80-Prozent-Grenze für Ausgliederungen eingehalten wird. Die „neue Rhön“ ist kein Zukunftsmodell, sondern ein Schatten ihrer selbst.

Jens Flintrop
Redakteur für Gesundheits- und Sozialpolitik

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