ArchivDeutsches Ärzteblatt38/2013Pertussis: Viel zu niedrige Impfquoten bei Erwachsenen

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Pertussis: Viel zu niedrige Impfquoten bei Erwachsenen

Dtsch Arztebl 2013; 110(38): A-1710 / B-1514 / C-1490

Hohlbaum, Katharina

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Seit 2009 empfiehlt die Ständige Impfkommission für Erwachsene die einmalige Impfung gegen Pertussis in Verbindung mit der Tetanus- und Diphtherie-Auffrischimpfung. Untersuchungen des Robert-Koch-Instituts und des Charité-Universitätsklinikums Berlin belegen nun erstmals, dass diese Empfehlung nicht nur in der Allgemeinbevölkerung, sondern auch in den Risikogruppen viel zu wenig umgesetzt wird (Dtsch Med Wochenschr 2013; 138: 1451–7).

Pertussis ist für Säuglinge eine hochkontagiöse bakterielle Infektionskrankheit mit meist schwerem klinischem Verlauf. Die häufigste Infektionsquelle stellen Erwachsene dar, bei denen die Krankheit weniger schwer, aber dennoch oft protrahiert verläuft und Komplikationen zur Folge hat. Daher zählen Erwachsene mit engem Kontakt zu Säuglingen, Frauen im gebärfähigem Alter und das Personal im Gesundheitsdienst zur Risikogruppe, für die seit 2001 eine Impfempfehlung besteht.

Böhmer und Koautoren konnten nachweisen, dass 2009 nur 5,1 Prozent und im darauffolgenden Jahr 5,9 Prozent der Erwachsenen in den letzten zehn Jahren eine Impfung gegen Pertussis erhalten hatten. In der Risikogruppe waren 2009 lediglich 9,0 Prozent und ein Jahr später 10,7 Prozent der Personen geimpft. Eine signifikant höhere Impfquote wurde in den neuen Bundesländern, bei Jüngeren (18 bis 39 Jahre) und bei Personen, die innerhalb der letzten zehn Jahre eine Tetanus-Impfung erhalten hatten, festgestellt.

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Krankenhausapotheker gaben 2007 mehr monovalente Tetanusimpfstoffe (in Notaufnahmen 76,3 Prozent; auf Stationen 68 Prozent) als Tetanus-Kombinationsimpfstoffe ab. Vermutlich aufgrund der staatlich organisierten Impfprävention der damaligen DDR wurde der Tetanus-Kombinationsimpfstoff in Krankenhäusern aus den neuen Bundesländern signifikant häufiger eingesetzt.

Da die Krankheitslast durch Pertussis in Deutschland beträchtlich ist, kann eine nachhaltige Eindämmung nur durch einen höheren Immunitätsgrad in der Gesamtbevölkerung erreicht werden. Die Autoren weisen daher darauf hin, dass Ärzte den Impfstatus ihrer Patienten regelmäßig kontrollieren sollten. Im Falle einer Tetanus- und Diphtherie-Auffrischimpfung sei auf ein Kombinationspräparat mit Pertussis-Komponente zurückzugreifen. Personen in Risikogruppen, die in den letzten zehn Jahren keine Impfung gegen Pertussis erhalten haben, sollten sofort geimpft werden. Katharina Hohlbaum

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