ArchivDeutsches Ärzteblatt38/2013Telekonsil: Sicherheit durch digitale Vernetzung

TECHNIK

Telekonsil: Sicherheit durch digitale Vernetzung

Dtsch Arztebl 2013; 110(38): A-1748 / B-1542 / C-1518

Motz, Reinald; Büsing, Heiko; Aden, Thomas

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Über ein Internetportal können Kinderkardiologen und Kinderärzte zur Verbesserung der integrativen Versorgung von herzkranken Kindern schnell und technisch unkompliziert Kollegen bei der Diagnose und Therapie hinzuziehen.

Was macht der Arzt in der Arztpraxis oder in der Kinderklinik, wenn er bei einem Kind einen Befund erhebt, den er nicht einsortieren kann? Er schickt das Kind samt Eltern zur Absicherung weiter, egal, ob die Eltern zu Hause dadurch organisatorische Probleme und zusätzliche Fahrtkosten haben oder ob die kleinen Patienten weiter belastet werden.

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Im Weser-Ems-Raum führte dieses Problem zur Zusammenarbeit zwischen dem Klinikum Oldenburg gGmbH, mehreren Stiftungen (federführend Inga-Köthe-Stiftung) und dem Softwarehaus ICSMED AG, einer Ausgründung aus dem Forschungsinstitut OFFIS an der Universität Oldenburg. Ziel war es, eine internetfähige, dem Datenschutz entsprechende Lösung zu entwickeln, um die Situation zu verbessern. Die Software sollte dabei für die Kinderärzte kostenfrei und ohne besondere Schulung einfach installierbar und anwendbar sein. Zudem sollten eine Hotline für die teilnehmenden Ärzte eingerichtet werden und die Neutralität des Server-Standortes gewährleistet sein. Sämtliche an der Behandlung beteiligten Ärzte sollten in einem sogenannten hierarchiefreien Netz untereinander Daten senden oder anzeigen können, um sich im Kollegengespräch per Telefon zu beraten.

Spezielle Software

Um dieses Ziel zu erreichen, müssen zunächst die Bilder oder Filme vom Ultraschallgerät des behandelnden Arztes für den Netzserver technisch aufbereitet (akquiriert) werden. Dies ist etwa über eine eventuell vorhandene Grabber-Karte oder per Ethernet-Verbindung im Dicom-Standard möglich. In diesem Fall wurde jedoch auf der Basis des bereits vorhandenen ICSMED-Programms „GoKard“ eine Bildakquirierungssoftware mit Befundungsmöglichkeit („GoDoKu“) entwickelt.

Die Software lässt eine Speicherung der Bilddaten sowohl im Dicom-Standard (dem Bildstandard der medizinischen Bildgebung) als auch im JPEG- und AVI-Format zu. Eine Befundung ist mit Textbausteinen unproblematisch und schnell möglich. Die kostenfreie Basisversion der Software lässt sich in das Praxis- oder Klinikverwaltungssystem integrieren oder zu einer Dicom-Worklist ausbauen.

www.kinderkardiologie-nordwest.de: Einstiegsseite der Plattform. Unten: Ansicht der Dokumentationssoftware mit der Möglichkeit, Bilddaten anzuzeigen und zu exportieren
www.kinderkardiologie-nordwest.de: Einstiegsseite der Plattform. Unten: Ansicht der Dokumentationssoftware mit der Möglichkeit, Bilddaten anzuzeigen und zu exportieren

Aus GoDoKu heraus kann man mit Hilfe eines Export-Knopfes die akquirierten Filme und Bilder auf den definierten Netzserver mittels FTP-Protokoll exportieren oder per rechter Maustaste zugeschnitten exportieren. So werden aus Gründen des Datenschutzes nur Bilddaten exportiert und keine personenbezogenen Daten. Auf den Netzserver kann jeder im Netzwerkportal angemeldete Arzt mit einem Passwort zugreifen, so dass er circa 30 Sekunden nach dem Export mit einem Kollegen die Bilddaten telefonisch besprechen kann. Die Plattform ist im Internet unter www.kinderkardiologie-nordwest.de erreichbar. Jeder Teilnehmer hat einen eigenen Kode-Namen, und die gesendeten Dateien erhalten mit dem Export eine Datei-Identifikation, die durch das Exportdatum und eine Zahlenextension definiert ist. Zum Betrachten der Filme und Bilder eignen sich nahezu jeder Browser und auch die bekannten Betriebssysteme (Linux, Mac-OS X, Windows); manchmal ist ein zusätzliches Plug-in erforderlich.

Regelmäßige Besprechung

Die Software ist seit zwei Jahren im Einsatz und dient zur regelmäßigen Besprechung von Befunden zwischen Kinderkliniken in Oldenburg, Groningen, Kiel, Papenburg und einigen Arztpraxen im Raum Weser-Ems. Vielen Kindern ist seither der unnötige Transport zum anderen Kinderkardiologen oder in ein Kinderherzzentrum erspart geblieben. So wurden von Oldenburg aus 50 Kinder in Kinderherzzentren zur Operation angemeldet, 20 Fälle wurden für Herzkatheter-Interventionen vorbereitend besprochen, neun Kinder konnten in den Geburtskliniken verbleiben. Insgesamt konnte so 79 Kindern ein unnötiger Transport erspart bleiben. GoDoKu ist für Kinderärzte im Weser-Ems-Raum kostenfrei; alle anderen können es über das Softwarehaus beziehen.

Dr. med. Reinald Motz, Abteilung für Kinderkardiologie, motzrhfc@t-online.de

Heiko Büsing, Köthe Stiftung

Thomas Aden, ICSMED

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