ArchivDeutsches Ärzteblatt38/2013Weiterbildung: Schwangere benachteiligt
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Da wurde debattiert auf dem Deutschen Ärztetag, um neue Wege für die ambulante Weiterbildung für Assistenten zu finden – und das ist gut so!

Aber ein großer Missstand wird aus meiner Sicht bisher völlig außer Acht gelassen, der in der freien Wirtschaft undenkbar ist:

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Die von der KV gezahlte Weiterbildungsförderung ruht während des Mutterschutzes und ebenfalls dann, wenn während einer Schwangerschaft die Arbeit aus gesundheitlichen Gründen nicht fortgeführt werden kann – so steht es in den Verträgen! Die Weiterbildungsermächtigten sind also gezwungen, für eine Assistentin im Mutterschutz (knapp 14 Wochen) das komplette Gehalt zu zahlen (ca. min. 11 000 Euro) – wie soll da eine Chancengleichheit gegenüber männlichen Kollegen bestehen, verständlicherweise fällt dann eher die Wahl auf einen männlichen Mitbewerber oder eine Frau außerhalb des gebärfähigen Alters! Eine unzumutbare Situation für jede Schwangere, die sowieso schon mit genug Problemen zu kämpfen hat, im medizinischen Alltag zu bestehen.

Eine weitere Ungereimtheit: Die maximale Weiterbildungsförderdauer beträgt 24 Monate.

Je nach Weiterbildungsverlauf jedoch können laut Lan­des­ärz­te­kam­mer mehr als 24 Monate im ambulanten Bereich abgeleistet werden. . . . Nach einer Einarbeitung von 24 Monaten in einer Praxis ist es doch absolut sinnvoll, zur Vertiefung der Kenntnisse die restliche Zeit ebenfalls dort abzuleisten und kein Problem, wenn der Weiterbilder dazu die Ermächtigung hat!

Die Weiterbildungsermächtigten erhalten nach Ablauf der 24 Monate jedoch keine Förderung mehr, somit sind die Assistenten wirtschaftlich nicht tragbar, und die Verträge werden nicht verlängert. Damit ist man gezwungen, sich für zum Beispiel neun Monate noch mal eine neue Stelle zu suchen – ohne Förderung –, da bleiben nur große Praxen oder die Klinik übrig, die in der Lage sind, für das Gehalt aufzukommen – das macht doch keinen Sinn!

Sonja Jung, 35390 Gießen

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