ArchivDeutsches Ärzteblatt38/2013Reanimation: Aus Laien kundige Ersthelfer machen

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Reanimation: Aus Laien kundige Ersthelfer machen

Dtsch Arztebl 2013; 110(38): A-1718 / B-1520 / C-1496

Böttiger, Bernd W.; Geldner, Götz; Aken, Hugo Van

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Mehr als 5 000 Menschen sterben in Deutschland jährlich, weil Anwesende nicht helfen können oder sich nicht trauen. Die „Woche der Wiederbelebung“ soll die Fähigkeiten der Bürger als Ersthelfer stärken.

Reanimationsübungen in der Schule sind ein Teil des Projekts, das auch auf europäischer Ebene unterstützt wird. Foto: Your Photo Today
Reanimationsübungen in der Schule sind ein Teil des Projekts, das auch auf europäischer Ebene unterstützt wird. Foto: Your Photo Today

Der plötzliche Herztod ist mit bis zu 100 000 Betroffenen pro Jahr eine der häufigsten Todesursachen in Deutschland. In 70 Prozent ereignet sich der Kollaps zu Hause. Obwohl jeder mit einfachen Mitteln helfen könnte, tun es die wenigsten. Nach der aktuellen Bilanz des Deutschen Reanimationsregisters (www.reanimationsregister.de) sind nur 15 Prozent der Bevölkerung bereit, im Ernstfall Wiederbelebungsmaßnahmen einzuleiten. In den Niederlanden und skandinavischen Ländern hingegen liegt die Rate bei mehr als 60 Prozent. Dabei ist belegt, dass ein Beginn der Wiederbelebung durch Laien die Überlebensrate des Patienten um das Zwei- bis Dreifache verbessert.

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Mit der „Woche der Wiederbelebung“ unter der Schirmherrschaft des Bundesministeriums für Gesundheit, der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin sowie des Berufsverbands Deutsche Anästhesisten starten der German Resuscitation Council und die Stiftung Deutsche Anästhesiologie am 16. September eine breit angelegte Medienkampagne zum Thema Laienreanimation. Damit soll das Selbstvertrauen der Bürger in ihre eigenen Fähigkeiten als Ersthelfer gestärkt werden.

Vorurteile ausräumen

Warum fehlt den Deutschen hier der Mut? Viele Menschen fühlen sich überfordert und/oder ekeln sich vor der Mund-zu-Mund-Beatmung. Dass eine alleinige Herzdruckmassage besser ist, als nichts zu tun, ist den meisten Laien unbekannt. Auch gilt es, die Angst zu nehmen, dass man etwas falsch machen könnte.

Die „Woche der Wiederbelebung“ ist Teil eines fünfjährigen interprofessionellen Projekts. Dazu gehört unter anderem, die Wiederbelebung in allen Schulen ab dem zwölften Lebensjahr zu lehren. Zwei Unterrichtsstunden jährlich (aus Biologie und Sport), erteilt von Ärzten oder geschulten Lehrern, reichen dafür bereits aus, wie Erfahrungen unter anderem in Aachen, Münster und Rostock zeigen. Unterstützung findet das Projekt auf europäischer Ebene: EU-Gesundheitskommissar Tonio Borg wird am 16. Oktober in Brüssel das Motto des diesjährigen „European Restart a Heart Day“ verkünden: „School Children Save Lifes.“

Auch die „Telefonreanimation“, das Anleiten der Laien zur Herzdruckmassage durch die Rettungsleitstelle, ist eine sehr wichtige Maßnahme: Sie ist einfach und effektiv, die „Number needed to treat“ liegt hier bei 40. Das heißt: ein Leitstellendisponent kann in 300 bis 400 Minuten ein Leben retten.

Die „Woche der Wiederbelebung“ wird thematisch von Publikumsmedien und Social-Media-Kanälen (Facebook, Twitter) aufgegriffen. Menschen und Organisationen aus Kliniken, Rettungsdienst, Schulen und Betrieben entwickeln Ideen, wie man das Thema im eigenen Umfeld gestalten kann. Über die zentrale Plattform www.einlebenretten.de* wurden mehr als 400 lokale Aktivitäten von Projekten zur Schülerausbildung über Aktionen in Einkaufszentren und Flashmobs angekündigt.

Prof. Dr. med. Bernd W. Böttiger

German Resuscitation Council (GRC),

Prof. Dr. med. Götz Geldner

Berufsverband Deutscher Anästhesisten (BDA),

Prof. Dr. med. Hugo Van Aken

Deutsche Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin (DGAI)

*Unter www.einlebenretten.de stehen Mustervorträge, Kurzanleitungen, Videos und weitere Materialien kostenfrei zur Verfügung.
Trailer zur Kampagne unter: www.youtube.com/watch?v=rj7xC8E6Tlo.
Ein TV-Spot kann (http://shares.diefernsehagentur.de/index.php?w=3066_efen1) ebenfalls ohne Einschränkungen verbreitet werden.

1.
Gräsner JT, Meybohm P, Lefering R, Wnent J, Bahr J, Messelken M, Jantzen T, Franz R, Scholz J, Schleppers A, Böttiger BW, Bein B, Fischer M, GRR group: ROSC After Cardiac Arrest – the RACA score to predict outcome after out-of-hospital cardiac arrest. Eur Heart Journal 2011, 13: 1649–56 CrossRef MEDLINE
2.
Böttiger BW, Grabner C, Bauer H, Bode C, Weber T, Motsch J, Martin E: Long term outcome after out-of-hospital cardiac arrest with physician staffed emergency medical services: the Utstein style applied to a midsized urban/suburban area. Heart 1999, 82: 674–9 MEDLINE PubMed Central
3.
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4.
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5.
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6.
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