ArchivDeutsches Ärzteblatt39/2013Randnotiz: ISmed-3 – ein Millionengrab

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Randnotiz: ISmed-3 – ein Millionengrab

Dtsch Arztebl 2013; 110(39): A-1767 / B-1559 / C-1535

Ollenschläger, Philipp

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Wenn Krankenkassen an der Aufrichtigkeit der Ärzte zweifeln, kommt der für die jeweilige Region zuständige Medizinische Dienst der Kran­ken­ver­siche­rung (MDK) ins Spiel; der kontrolliert dann, ob die Abrechnung der Fallpauschale rechtens war. Wie der „Spiegel“ berichtete, überprüfte der MDK Im vergangenen Jahr etwa sechs Millionen Fälle. Bei einer derartigen Zahl ist es schön, wenn man eine zuverlässige Software hat, die dabei hilft, diese Datenmengen zu bewältigen. Das dachte man sich auch bei elf der 16 regionalen MDKen. Also suchte man nach einem Unternehmen, das diese Software entwickelt. Man entschied sich für eine Tochterfirma von Siemens. Nach sechs Jahren – inzwischen war der Besitzer nicht mehr Siemens, sondern eine Firma mit Sitz in Frankreich – war das Programm dann auch für den ambulanten Bereich einsatzfähig; so dachte man zumindest. Leider erwies sich das Programm als fehlerhaft – die Rede ist von Stabilitätsproblemen. Bis zu dieser Erkenntnis wurde bereits eine ordentliche Summe investiert: Eine Schätzung der MDK Nord ergab, dass bisher circa 23 Millionen Euro Beitragsgelder für die Software geflossen sind. Aufgrund der Instabilität des Programms greifen inzwischen mehrere MDKen wieder auf den Vorgänger ISmed-2 zurück, oder sie benutzen wie die MDK Nord eine eigens entwickelte Software.

Der MDK Rheinland-Pfalz muss sich nicht mit ISmed-3 herumärgern. Dort entschied man sich 2003 für eine eigens entwickelte Software namens Medikos, mit der man äußerst zufrieden ist. Ein Prüfauftrag dauert hier durchschnittlich anstelle von 147 Tagen nur 43 Tage. Medikos wurde von den anderen MDKen abgelehnt.

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