ArchivDeutsches Ärzteblatt39/2013Qualitätssicherung: Es gibt auch Nebenwirkungen
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Den Kollegen ist Dank geschuldet, dass sie die vielfältigen Begriffe und Instrumente der kollegialen Qualitätsförderung einmal in einer Übersicht darstellen. Peer Reviews sind ohne Frage von allen Qualitätssicherungsinstrumenten die besten, da sie zum einen von Experten durchgeführt werden, die aus eigener Betroffenheit wissen, wovon die Rede ist, und da sie zum zweiten ermöglichen, auch die Komplexität medizinischer Entscheidungen adäquat zu erfassen.

Der Artikel lässt jedoch zwei Aspekte vermissen:

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  • Qualitätssicherung und Risikovermeidung sind seit Hippokrates ein Thema in der Medizin. Chef- und Oberarztvisiten, Teambesprechungen, Kurvenführung, Apothekenlisten und Apothekenbegehungen, Konsiliardienste, Mitbehandlung durch Kollegen, begleitendes Monitoring durch MFA oder Krankenschwestern, Leistungsmonitoring durch KV und MDK, Rückmeldungen durch Patienten und Angehörige und vieles mehr sind alles auch Instrumente der kollegialen Qualitätsförderung. Sie werden in dem Artikel aber nicht erwähnt. Statt ständig neue „Instrumente“ zu erfinden und zu propagieren, wäre eine Bestandsaufnahme und gegebenenfalls Optimierung der etablierten und erprobten Verfahren angezeigt, damit sich die Qualitätssicherungsdiskussion nicht zu weit von der klinischen Wirklichkeit abhebt.
  • Instrumente des Qualitätsmanagements müssen als Interventionsverfahren verstanden werden, da sie darauf abzielen, ärztliches Handeln zu verändern. Empirische Studien deuten darauf hin, dass QM-Interventionen erhebliche unerwünschte Wirkungen haben können. Gut gemeinte Intentionen schützen nicht vor Negativfolgen. Dieses Problem wird nicht erwähnt. Zu fordern ist, dass eine, sich auf Evidenz berufende Qualitätssicherung in empirischen Studien prüft, ob empfohlene Interventionen tatsächlich die erhofften positiven Wirkungen oder nicht auch oder sogar mehr Nebenwirkungen als Hauptwirkungen haben. Die Methodik, um zu solchen Daten zu kommen, liegt in Form „interventiver Anwendungsbeobachtungen“ vor. Die Prüfung der „Anwendbarkeit im ambulanten Sektor“ alleine ist nicht hinreichend. Ungeprüfte Verfahren sollten mit mehr kritischer Vorsicht kommentiert werden.

Prof. Dr. med. Michael Linden, 12209 Berlin

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