ArchivDeutsches Ärzteblatt39/2013Apothekertag 2013: Apotheker – ein Heilberuf

POLITIK

Apothekertag 2013: Apotheker – ein Heilberuf

Dtsch Arztebl 2013; 110(39): A-1775 / B-1567 / C-1543

Korzilius, Heike

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Die Pharmazeuten wollen ihr heilberufliches Profil schärfen. Angesichts wachsender Konkurrenz durch Internet und Einzelhandel will man damit die Frage beantworten, warum man auch in Zukunft die Apotheke um die Ecke braucht.

Daniel Bahr (FDP) hatte die Lacher auf seiner Seite. Das sei die „Woche der Wiederbelebung“, sagte der Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter bei der Eröffnung des Deutschen Apothekertages am 18. September in Düsseldorf. Und während die 300 Delegierten das katastrophale Wahlergebnis der Liberalen bei der Landtagswahl in Bayern vor Augen hatten, erklärte Bahr, er sei tatsächlich Schirmherr dieser Aktionswoche des Berufsverbands der Anästhesisten und ihrer Fachgesellschaft.

Der Apothekenbus ist keine Lösung: ABDA-Präsident Friedemann Schmidt bei der Eröffnung des Deutschen Apothekertags in Düsseldorf. Foto: ABDA
Der Apothekenbus ist keine Lösung: ABDA-Präsident Friedemann Schmidt bei der Eröffnung des Deutschen Apothekertags in Düsseldorf. Foto: ABDA
Anzeige

Damit es bei den Apothekern erst gar nicht so weit kommt, hatte sich der Berufsstand vorgenommen, in Düsseldorf insbesondere über ein neues Leitbild und neue Versorgungsstrukturen zu diskutieren. Man wolle mit Politik und Gesellschaft in eine Debatte darüber eintreten, welche Funktionen die Apotheken ausbauen und welche sie neu übernehmen sollen, erklärte der Präsident der ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände, Friedemann Schmidt. Der Beruf habe nur dann eine Zukunft, wenn die Apotheker ihr heilberufliches Profil schärften. Angesichts der demografischen Entwicklung müssten überall im Gesundheitswesen die Schwerpunkte anders gesetzt werden. Für die zunehmende Zahl chronisch kranker älterer Menschen seien Apotheker neben Ärzten die wichtigsten Partner.

Im Kern gehe es darum, neben den Leistungen, die auf das Produkt „Arzneimittel“ bezogen seien, auch apothekerliche Leistungen zu etablieren, die der Arzneimitteltherapie zum maximalen Erfolg verhelfen, ergänzte ABDA-Hauptgeschäftsführer Dr. Sebastian Schmitz und verwies auf vielversprechende Ansätze: Zurzeit erprobe die Pharm-CHF-Studie, ob sich Therapietreue und Arznei­mittel­therapie­sicherheit durch den regelmäßigen Austausch zwischen Arzt und Apotheker sowie zwischen Apotheker und Patient verbessern lassen. Das sogenannte Benzo-Projekt habe bereits erfolgreich belegen können, dass durch die Zusammenarbeit von Apotheker und Hausarzt der ambulante Entzug benzodiazepinabhängiger Patienten gelingen kann.

Arbeitsteilung mit den Ärzten

Viel verspricht man sich bei der ABDA noch immer vom ABDA-KBV-Modell, dessen Eckpunkte Apotheker und Kassenärztliche Bundesvereinigung bereits im Herbst 2010 vorgestellt hatten. Das Projekt komme zwar langsamer voran, als erhofft, räumte Schmitz ein. „Wir rechnen aber fest damit, dass das Modellprojekt nächstes Jahr starten kann.“ Testregionen sind Sachsen und Thüringen, wo derzeit über Verträge verhandelt wird. Das Modell sieht vor, dass Ärzte künftig nur noch Wirkstoff, Stärke, Menge und Darreichungsform verordnen und die Apotheker das geeignete Präparat auswählen. Zusätzlich soll ein Medikationsmanagement für chronisch kranke Patienten etabliert werden, die dauerhaft mehrere Arzneimittel einnehmen.

Rückhalt aus der Politik

ABDA-Präsident Schmidt sprach sich in Anwesenheit des Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ters erneut für den Erhalt der wohnortnahen inhabergeführten Apotheke aus. Obwohl die Zahl der Apotheken in den letzten Jahren gesunken sei, bestehe für eine „Videoapotheke“ oder einen „Apothekenbus“ keine Notwendigkeit. Wer solche Versorgungsformen propagiere, reduziere die Arzneimittelversorgung auf die Distribution von Produkten und das Versorgungsproblem der Menschen auf eine logistische Aufgabe. Alte und kranke Menschen brauchten aber verlässliche Ansprechpartner. „Wir, die Apothekerinnen und Apotheker in eigenverantwortlich geleiteten Apotheken, geben die bedarfsgerechte Antwort auf die Herausforderungen der Demografie und der Landflucht, und zwar vor Ort“, sagte Schmidt.

Den hohen Stellenwert der Apotheken für die Arzneimittelversorgung stellte auch Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Bahr heraus. Mit Blick auf das ABDA-KBV-Modell forderte er die Beteiligten auf, endlich mit der Erprobung zu beginnen. „Der Gesetzgeber hat das Medikationsmanagement ermöglicht. Wir sollten hier jetzt vorankommen und evaluieren, ob das Konzept gangbar ist“, sagte Bahr.

Heike Korzilius

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema