ArchivDeutsches Ärzteblatt39/2013Seltener Legionellenstamm Auslöser für Epidemie in Warstein

AKTUELL: Akut

Seltener Legionellenstamm Auslöser für Epidemie in Warstein

Dtsch Arztebl 2013; 110(39): A-1768 / B-1560 / C-1536

Siegmund-Schultze, Nicola

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Der Legionellenstamm, der im August den Ausbruch mit Erkrankungen an atypischen Pneumonien bei 165 Patienten in Warstein (Sauerland) verursacht hatte, ist sehr selten. Das teilte das Konsiliarlaboratorium für Legionellen an der TU Dresden dem Deutschen Ärzteblatt (DÄ) auf Anfrage mit. Es handele sich um Legionella pneumophila Serogruppe 1, Subtyp Knoxville. „Der DNA-Sequenztyp 345 dieses Subtyps ist erstmals in den USA isoliert und bislang international nur siebenmal beschrieben worden“, sagte der Leiter des Konsiliarlabors, Dr. rer. nat. Christian Lück, zum DÄ.

Lässt man Risiken des Menschen wie eine geschwächte Immunabwehr unberücksichtigt und betrachtet die erregerspezifischen Faktoren des Erkrankungsrisikos, so sind dies die Konzentration der Bakterien bei Exposition und ihre Virulenz. Primäre Verbreitungsquelle der Legionellen in Warstein war nach bisherigen Erkenntnissen eine Abwasservorkläranlage der Großbrauerei am Ort: Dort wurden Legionellen des Ausbruchsstamms in Millionenhöhe pro 100 Milliliter gefunden. Folge war eine hohe Belastung des kommunalen Abwassersystems und der Kläranlage, des nahen Flusses Wäster, der Möhne und von Rückkühlanlagen auf Gebäudedächern in Warstein, die die Legionellen über Aerosole in der Abluft verbreiteten.

„Der isolierte Legionellenstamm konnte sich unter den gegebenen Umweltbedingungen wie Temperatur, Nähr- und Sauerstoffangebot offenbar besonders gut vermehren“, erläuterte Prof. Dr. med. Martin Exner, Direktor des Instituts für Hygiene und Öffentliche Gesundheit der Universität Bonn. Exner hat Kommune und Kreis bei der Ursachensuche und dem Risikomanagement unterstützt und beraten. Möglicherweise sei der Stamm auch besonders gut aerosolgängig. Schließlich könne er Virulenzfaktoren haben, die die Adhärenz an alveoläre Makrophagen erhöhen, Wirtszellen für die fakultativ intrazellulären Bakterien im Menschen.

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Die Bedeutung der Legionellen als Verursacher von atypischen Pneumonien werde in Deutschland erheblich unterschätzt, kritisiert Exner. Statt der in den letzten Jahren am Robert-Koch-Institut registrierten 630 bis 650 Fälle pro Jahr gebe es vermutlich 15 000 bis 20 000 Legionellenpneumonien jährlich. Maßnahmen zur Prävention und Kontrolle seien unzureichend. Aber auch das Konsiliarlaboratorium ist nach Aussagen von Lück chronisch unterfinanziert: Es sei schwierig, bei Ausbrüchen die hohe Anzahl von Proben zeitnah zu typisieren. Das aber sei eine Voraussetzung, um Infektionsquellen korrekt zu identifizieren. nsi

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