ArchivDeutsches Ärzteblatt39/2013Börsebius: Dumm gelaufen

GELDANLAGE

Börsebius: Dumm gelaufen

Dtsch Arztebl 2013; 110(39): A-1808 / B-1596 / C-1568

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Das große Grausen kommt immer dann mit voller Breitseite, wenn anderes erwartet wird. Viele Assekuranzkunden, die vor Jahren eine Lebensversicherung abgeschlossen hatten und nun aber plötzlich Geld brauchten, erstarrten fassungslos angesichts der vorliegenden Schlussrechnung. Teilweise erhielten sie – für die gekündigte Kapitallebensversicherung – deutlich weniger als die Hälfte ihrer eingezahlten Gelder, von einer Überschussbeteiligung oder auskömmlichen Verzinsung gar nicht zu sprechen.

Die schnöde Entlohnung wollten Kunden der HDI-Gerling und der Signal-Iduna nicht auf sich sitzen- lassen und zogen daher durch den Instanzenweg bis zum Bundesgerichtshof (BGH). Sie hatten jeweils im Jahr 2004 Lebensversicherungen abgeschlossen und waren fünf Jahre später wieder ausgestiegen. Die dann tatsächlich ausgezahlten Rückkaufswerte erschienen ihnen als viel zu schäbig. Da muss doch mehr drin sein, das kann doch gar nicht rechtens sein, so die Argumentation der Kläger. Sie hofften vor allem deswegen auf einen guten Ausgang ihrer Sache, weil der Gesetzgeber für Lebensversicherungen, die ab 2008 abgeschlossen wurden, die Kunden im Fall einer Kündigung deutlich besserstellt.

War aber nicht mehr drin. Eindeutig machte der BGH klar, dass die Assekuranzbranche (für gekündigte Lebensversicherungen, die zwischen 2001 und 2007 abgeschlossen wurden) bis zur Hälfte der eingezahlten Sparbeiträge behalten darf, pacta sunt servanda eben.

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Nun kann sich der geneigte Leser furchtbar über das Urteil aufregen und auch darüber, dass nach dem „neuen“ Recht ab 2008 die Versicherten immerhin einen gesetzlichen Mindestrückkaufswert erhalten. Der ist aber auch nur dazu da, damit die Sparer bei einer Kündigung nicht alles verlieren. Was wirklich bedenklich ist: Die Lebensversicherung hat als Geschäftsmodell (fast) völlig versagt, so bitter sich das anfühlt. Das Produkt ist offenbar eben nicht als ideale Altersvorsorge geeignet. Seit Jahrzehnten kollidieren die Werbeaussagen gnadenlos mit dem harten Alltag. Experten schätzen, dass bis zu 80 Prozent (!) aller Verträge vorzeitig gekündigt werden, aus welchen Gründen auch immer.

Von Lug und Trug zu sprechen, wäre sicher etwas zu hoch gesprungen. Von Zigtausenden zerplatzenden Assekuranz-Seifenblasen und havarierenden Versorgungsträumen aber wohl schon. Katzenjammer am Ende des Tages ist nie schön.

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