ArchivDeutsches Ärzteblatt39/2013Systemischer Lupus Erythematodes: Diagnostik auf Retinavenenverschlüsse notwendig

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Systemischer Lupus Erythematodes: Diagnostik auf Retinavenenverschlüsse notwendig

Dtsch Arztebl 2013; 110(39): A-1791 / B-1582 / C-1557

Gerste, Ronald D.

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Der systemische Lupus erythematodes (SLE) ist eine der häufigeren Autoimmunkrankheiten. Charakteristisch sind unter anderem Mikroangiopathien, die zu einer Thrombosierung kleiner Gefäße führen können. Ein möglicher Manifestationsort für einen solchen Gefäßverschluss sind die Netzhautvenen. Wie hoch das Risiko eines retinalen Venenverschlusses (RVO = retinal vein occlusion) bei Menschen mit SLE ist, hat jetzt eine Autorengruppe aus Taiwan in einer populationsbasierten Kohortenstudie ermittelt. Bei dem Projekt wurde auf Daten des nationalen Kran­ken­ver­siche­rungssystems zurückgegriffen, welches 99 % der 23,3 Millionen Einwohner Taiwans erfasst. In diesem Datenpool befanden sich 6 756 Patienten mit SLE, deren demografische und medizinische Charakteristika mit einer aus mehr als 40 000 altersentsprechenden Individuen (Durchschnittsalter 35 Jahre) bestehenden Kontrollgruppe ohne die Autoimmunkrankheit verglichen wurden.

Die Inzidenz eines retinalen Venenverschlusses war bei Lupus-Patienten dreieinhalbmal so hoch wie in der Kontrollgruppe (5,61 vs. 1,62 pro 10 000 Personenjahre). Der Gefäßverschluss trat bei zwei Drittel der Betroffenen innerhalb von vier Jahren nach Diagnose des SLE auf. Besonders jüngere SLE-Patienten (49 Jahre und jünger) waren stark gefährdet: Bei ihnen war die RVO-Inzidenz um den Faktor 7,92 erhöht. Bei der Regressionsanalyse der Daten nach Cox wurde eine Komorbidität als signifikanter Risikofaktor für einen Netzhautvenenverschluss bei SLE ermittelt: der Hypertonus mit einer Hazard Ratio von 2,91.

Fazit: Patienten mit systemischem Lupus erythematodes sind in signifikantem Maße von retinalen Gefäßverschlüssen bedroht, diese führen typischerweise zur deutlichen, oft irreversiblen Visuseinbuße. Eine regelmäßige ophthalmologische Untersuchung auf diese mögliche Komplikation mit einer frühen Behandlung sei notwendig, so die Autoren, und bei Hinweisen auf die Entwicklung einer RVO eine optimale medikamentöse Therapie des SLE zu intiieren. Dr. med. Ronald D. Gerste

Yen YC, Weng SF, Chen HA, et al.: Risk of retinal vein occlusion in patients with systemic lupus erythematosus. Br J Ophthalmol 2013; 97: 1192–6.

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Deutsches Ärzteblatt plus
zum Thema

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema