ArchivDÄ-TitelSupplement: PRAXiSSUPPLEMENT: PRAXiS 3/2013Geldvermögen in Deutschland: Immer wohlhabender

SUPPLEMENT: PRAXiS

Geldvermögen in Deutschland: Immer wohlhabender

Dtsch Arztebl 2013; 110(39): [26]

Fischer, Leo

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Selbst in der Wirtschaftskrise schrumpfte das Geldvermögen nur in einem einzigen Jahr.

Zum Ende des ersten Quartals 2013 erreichte das Geldvermögen der privaten Haushalte in Deutschland nach Berechnungen der Deutschen Bundesbank mit 4 992 Milliarden Euro fast fünf Billionen Euro. Das ist ein fünf mit zwölf Nullen. Zum Geldvermögen gehören Bargeld, Wertpapiere, Bankeinlagen oder Ansprüche gegenüber Versicherungen. Gegenüber dem ersten Quartal 2012 erhöhte sich das Geldvermögen um 184 Milliarden Euro. Kursgewinne spielten eine nur geringe Rolle; anders als im Jahr 2012, damals entfiel fast ein Drittel des Zuwachses auf Kursgewinne oder Wertzuwächse.

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Einen starken Mittelzufluss gab es im ersten Quartal 2013 bei den Investmentfonds. Per Saldo erwarben die Bundesbürger Investmentzertifikate im Umfang von elf Milliarden Euro. Das bedeutet den nominal höchsten Zufluss seit Anfang 2003. Gekauft wurden vor allem gemischte Wertpapierfonds (Aktien und Anleihen). Aktien wurden im ersten Quartal 2013 für gut drei Milliarden Euro erworben. Dabei dürften die niedrigen Zinsen für Bankeinlagen eine Rolle gespielt haben. Bei anhaltend negativen Realzinsen vieler Bankeinlagen suchen die Anleger einen Ausweg über Aktien. Die Ansprüche gegenüber Versicherungen sind um 22 Milliarden Euro am stärksten gestiegen und bildeten zusammen mit den Sichteinlagen (einschließlich Bargeld) den größten Anteil am Geldvermögen .

Der Trend zu liquideren Anlageformen setzte sich zwar fort, aber vor dem Hintergrund der niedrigen Zinsen nur in abgeschwächter Form. Die Bundesbürger haben Geld aus Termin- und Spareinlagen oder Sparbriefen abgezogen, die Liquiditätspräferenz ist also immer noch sehr ausgeprägt. Das könnte mit der nach wie vor schwelenden Eurokrise in Zusammenhang stehen.

Überraschend vor dem Hintergrund der nach wie vor niedrigen Zinsen ist, dass die privaten Haushalte Kredite (einschließlich sonstiger Verbindlichkeiten) von knapp vier Milliarden Euro getilgt haben, während sie im Vorquartal noch Kredite aufgenommen haben. Die gesamten Verbindlichkeiten der Bundesbürger sanken damit um knapp 0,2 Prozent auf gut 1 564 Milliarden Euro. Somit erhöhte sich das Nettogeldvermögen im Berichtszeitraum um knapp 55 Milliarden Euro auf 3 428 Milliarden Euro. Die Verschuldungsquote, die als Anteil der gesamten Verbindlichkeiten am Bruttoinlandsprodukt definiert wird, sank um 0,2 Prozentpunkte auf 59 Prozent.

Aufsehen erregte kürzlich eine andere Studie der Europäischen Zentralbank, die das Vermögen der Bundesbürger mit dem anderer europäischer Länder verglich. Die Schlussfolgerung, dass das Vermögen der privaten Haushalte auch in den Krisenländern wie Spanien, Italien und Zypern höher sei als in Deutschland, ist aber wohl voreilig. In der Studie wurde nicht mit Durchschnittswerten gearbeitet, sondern mit dem Median. Dieser ist zwar eine gängige Größe in der Statistik, führt aber bei gewissen Vergleichen zu verzerrenden Ergebnissen. Allerdings kommen Länder wie Frankreich, Spanien und Österreich auch nach der Durchschnittsmethode zu einem höheren Vermögen pro Kopf.

Eine mögliche Erklärung: In Deutschland seien für die Ansprüche an die gesetzliche Rentenversicherung und weitere Leistungen der gesetzlichen Sozialversicherung nicht berücksichtigt, die für die Bundesbürger weit stärker ins Gewicht fallen als in den meisten europäischen Nachbarländern. Zudem sei das Wohnungseigentum in den europäischen Ländern höher. In der reinen Geldvermögensstatistik der Deutschen Bundesbank wird der private Immobilienbesitz ebenso wenig berücksichtigt wie Gemälde oder Autos. Als Gründe für das vergleichsweise geringe Vermögen in Deutschland werden zudem die beiden Weltkriege angeführt – das gilt vor allem gegenüber der Schweiz – und die jahrzehntelange Teilung des Landes.

Auch wenn man nur die Geldvermögen berücksichtigt und den Immobilienbesitz beiseite lässt, werden die Deutschen immer wohlhabender. Vor 20 Jahren, errechnete der Spiegel, betrug das gesamte Geldvermögen der Deutschen erst gut zwei Billionen Euro. Und selbst in der Wirtschaftskrise schrumpfte das Geldvermögen nur in einem einzigen Jahr, nämlich 2008. Dr. Leo Fischer

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