ArchivDÄ-TitelSupplement: PRAXiSSUPPLEMENT: PRAXiS 3/2013Alternative Investments: Kein Zaubermittel

SUPPLEMENT: PRAXiS

Alternative Investments: Kein Zaubermittel

Dtsch Arztebl 2013; 110(39): [30]

Fischer, Leo

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Von ihrem Anspruch, jederzeit Gewinne erzielen zu können, ist die Branche der Hedgefonds inzwischen abgerückt.

Als Alternative Investments bezeichnet man insbesondere Kapitalanlagen, die anders als die klassischen Geldanlagen (Aktien, verzinsliche Wertpapiere, Geldmarktpapiere) versuchen, bei jeder Marktentwicklung, also auch bei fallenden oder stagnierenden Märkten, Gewinne zu erzielen. Nicht wenige Anleger betrachten Alternative Investments als eine gute Möglichkeit, trotz immer größer werdenden Schwankungen an den Weltkapitalmärkten, Verluste zu vermeiden. Allerdings: Wer die Gefahr von möglichen Verlusten – auch kurzfristiger Art – vermeiden will, muss offensichtlich auf Rendite verzichten. Denn Alternative Investments sind kein Zaubermittel. Das zeigt der jüngste Alternative Investments Report der Analysefirma Finance & Ethik Research. In der Zeit von 2008 bis Ende Juli 2013 erreichten die erfolgreichsten Strategien (Trendfolgemethode und Aktien Hedge) gerade einmal einen Zuwachs von jeweils 4,4 Prozent. Die mit Rohstoffen spekulierenden Hedgefonds mussten sogar einen Wertverlust von 28,2 Prozent hinnehmen (Kasten).

Während der Boomzeiten, in den Jahren 2006 und 2007, hatten die Hedgefonds Anleger mit dem Versprechen gelockt, mit ihren Strategien in jeder Marktlage Rendite zu erwirtschaften. Damals war der Markt für Hedgefonds rasant gewachsen. Doch offenbar konnten sich die Hedgefonds den Turbulenzen an den Märkten nicht entziehen. Von diesem Anspruch, jederzeit Gewinne erzielen zu können, ist die Branche der Hedgefonds inzwischen abgerückt. Kapitalerhalt wird heute als Hauptziel ausgegeben. Aber das haben verantwortungsvolle Vermögensverwalter schon immer gewusst: Um einen Kursverlust von zehn Prozent wieder aufzuholen, ist ein Wertzuwachs von 20 Prozent erforderlich. Die Grundlage für eine gute Performance ist also die Vermeidung von Verlusten.

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Allerdings haben Aktienfonds im Durchschnitt trotz der volatilen Entwicklung seit 2008 per Saldo besser performt als der Durchschnitt der alternativen Investmentprodukte. Experten halten es für möglich, dass die weite Verbreitung der Hedgefonds nun auf deren Performance zurückschlägt. Weil Hedgefonds mittlerweile die Kapitalmärkte dominieren, so heißt es, sei es für sie schwerer geworden, den Markt zu schlagen. Andere meinen, dass die Hedgefonds selbst inzwischen zu risikoavers operieren, statt wie früher die Risiken zu suchen, um überdurchschnittliche Anlageerfolge zu erzielen. Aus Angst vor den Risiken, so wird argumentiert, werden oft die Gewinnchancen übersehen.

Den Hedgefonds wird immer wieder der Vorwurf gemacht, gerade auch während der Attacken auf den Euro, dass sie nicht nur die Kursschwankungen an den Finanzmärkten ausnutzen, sondern durch ihre Transaktionen diese auslösen. Neu sind solche Vorwürfe allerdings nicht. George Soros, der Vater der Hedgefonds-Branche und deren bekanntester Vertreter, soll im September 1992 durch seine Leerverkäufe von Pfund die Briten zur Abwertung ihrer Währung gezwungen haben. Jedenfalls scheinen die Hedgefonds heute vorsichtiger zu operieren.

In Deutschland spielen Hedgefonds praktisch keine Rolle. Für kleine Privatanleger dürfen Hedgefonds hierzulande nicht aufgelegt werden. Auch ausländische Hedgefonds dürften in Deutschland nur noch an professionelle oder semi-professionelle Anleger verkauft werden. In den USA verwalten die 823 größten Hedgefonds ein Vermögen von 1,06 Billionen US-Dollar. 45 Prozent der US-Hedgefonds domizilieren auf den Cayman Islands, 41 Prozent in den USA selbst. Dr. Leo Fischer

Die Strategien und ihre Performance von 2008 bis 2013

  • Trendfolgestrategie (4,4 Prozent): Bei der Trendfolgestrategie, auch als Managed Futures Strategie bezeichnet, setzt der Hedgefonds auf steigende oder fallende Notierungen an den Terminmärkten für Metalle, Devisen oder Agrarprodukte. In der Regel ist diese computergesteuert. Solange die Notierungen einen bestehenden Trend bestätigen, bleibt der Hedgefonds engagiert, werden gewisse Untergrenzen der Kursformation unterschritten, wird das Engagement beendet.
  • Equity Hedge (4,4 Prozent): Das ist die am weitest verbreitete Strategie. Dabei werden als unterbewertet angesehene Aktien gekauft und überbewertete im Rahmen von Short-Sells (also leer) verkauft. Die Strategie heißt deshalb auch Long/Short Equity.
  • Arbitrage-Strategie (3,2 Prozent): Sie wird zum Beispiel angewandt, um starke Kursdifferenzen zwischen Industrieanleihen und öffentlichen Anleihen auszunutzen.
  • Der Multi-Strategien-Ansatz (minus 5,1 Prozent) kombiniert verschiedene der genannten Hedgefonds-Strategien.
  • Commodity Hedgefonds (minus 28,2 Prozent) investieren direkt oder über Derivate (Futures, Optionen) in Rohstoffe. Infrage kommen Rohöl, Erdgas, Gold, Kupfer, Nickel, Zink, Zinn, Baumwolle, Kaffee oder Kakao.

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