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Open Access: Wissen ohne Kosten

Deutsches Ärzteblatt Studieren.de, 4/2013: 25

Hillienhof, Arne

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Medizinstudierende, Ärzte und grundsätzlich alle Interessierten sollten auf Forschungsergebnisse und wissenschaftliche Publikationen frei zugreifen können, fordert die Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland e.V. (bvmd).

Foto: Fotolia/bofotolux
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Die medizinische Forschung schreitet rasant voran. Im klinischen Alltag und in der Lehre sind Ärzte und Wissenschaftler auf aktuelle, möglicherweise therapieentscheidende Informationen angewiesen“, heißt es in einem neuen Positionspapier der bvmd. Noch habe sich in Deutschland Open Access jedoch nicht genügend durchgesetzt. „Hohe Kosten für akademische Fachzeitschriften verhindern den freien Zugang zu Wissen“, kritisiert Christopher Schürmann, stellvertretender Bundeskoordinator für die AG Public Health & Entwicklungszusammenarbeit der bvmd, gegenüber dem Deutschen Ärzteblatt Studieren.de.

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Die bvmd bemängelt die zweifachen Kosten, die der Allgemeinheit durch das traditionelle Publikationssystem entstehen: Zum einen finanziere der Steuerzahler die Forschungsinfrastruktur und konkrete Projekte und Arbeitsgruppen. Legen diese ihre Ergebnisse vor, müssten Universitäten und Bibliotheken die Daten und Publikationen nochmals durch das Abonnement teurer medizinischer Fachzeitschriften kaufen. Der Zugang zu Wissen dürfe jedoch nicht den Gesetzen der Marktwirtschaft unterliegen oder durch kostenpflichtige Zugangsrechte begrenzt sein, kritisiert Schürmann.

Die bvmd fordert daher unter anderem:

 dass Universitäten die beschäftigten Wissenschaftler verpflichten oder zumindest aktiv dazu auffordern, ihre Forschungsergebnisse in Open-Access-Journalen zu veröffentlichen oder von den bestehenden Möglichkeiten der Zweitveröffentlichung Gebrauch zu machen

 dass Open-Access-Zeitschriften unter Wissenschaftlern eine gesteigerte Akzeptanz erfahren

 dass besonders die Deutsche Forschungsgemeinschaft, das Bundesministerium für Bildung und Forschung und andere öffentliche Geldgeber Open Access für Forschungsvorhaben vorschreiben oder mindestens ausdrücklich empfehlen

 dass in der Ausbildung junger Wissenschaftler auf die Möglichkeiten und Vorteile von Open Access hingewiesen wird.

Unterstützung erhält die bvmd von der Forschungskommissarin der Europäischen Union (EU), Máire Geoghegan-Quinn. „Die Bereitstellung von Forschungsergebnissen für alle verbessert die Qualität der wissenschaftlichen Arbeit und stärkt unsere wissensbasierte Wirtschaft“, sagte sie Ende August bei der Vorstellung einer Studie, nach der mittlerweile etwa die Hälfte der 2011 erschienenen wissenschaftlichen Beiträge frei verfügbar sind. Ab 2014 müssen in der EU alle wissenschaftlichen Veröffentlichungen, die aus dem neuen EU-Forschungsprogramm „Horizont 2020“ finanziert werden, frei zugänglich sein. Außerdem hat die Europäische Kommission den EU-Mitgliedstaaten empfohlen, bei ihrer nationalen Forschungsförderung ähnlich vorzugehen und Open Access aktiv zu fördern. Dr. med. Arne Hillienhof

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