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Hartmannbund-Fakultätenranking 2013: Witten/Herdecke hat die Nase vorn

Deutsches Ärzteblatt Studieren.de, 4/2013: 12

Richter-Kuhlmann, Eva

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Das Ergebnis war überraschend eindeutig: Mit der Bestnote 1,58 siegte die Medizinische Fakultät der Universität Witten/Herdecke beim diesjährigen Fakultätenranking des Hartmannbundes vor den Medizinischen Fakultäten der Universitäten Greifswald (Gesamtnote 1,73) und Heidelberg (Gesamtnote 1,78). Damit hat nach der Universität Aachen, die beim letzten Ranking im Jahr 2009 siegte, zum zweiten Mal eine medizinische Fakultät die Nase vorn, die ihre Studierenden im Rahmen eines Modellstudienganges ausbildet.

Foto: Hartmannbund
Foto: Hartmannbund

Gevotet hatten im Rahmen einer bundesweiten Online-Umfrage von April bis Juni fast 2 400 Medizinstudierende. Im Ranking vertreten sind jedoch nur 19 der insgesamt 37 Fakultäten. Auch wenn es sich nicht um eine wissenschaftliche Studie handelt, versuchte der Hartmannbund ein repräsentatives Ergebnis zu erzielen und berücksichtigte nur die Fakultäten, für die jeweils mindestens 45 Medizinstudierende ihre Bewertung abgegeben hatten. Die neu gegründete Medizinische Fakultät der Universität Oldenburg wurde nicht erfasst, da das dortige Medizinstudium erst seit einem Jahr angeboten wird.

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„Die Nachricht des Hartmannbundes hat uns sehr gefreut. Der erste Platz beim Fakultätenpreis bestätigt uns darin, dass wir unseren Medizinstudierenden eine sehr gute theoretische und auch praktische Ausbildung anbieten“, kommentiert Prof. Dr. med. Stefan Wirth, Dekan der Fakultät Gesundheit der Universität Witten/Herdecke, den ersten Platz.

Der Hartmannbund hat seinen Fakultätenpreis nach 2005 (Sieger: Leipzig) und 2009 (Sieger: Aachen) bereits zum dritten Mal ausgeschrieben. „Ziel der Umfrage war es auch diesmal, herauszufinden, welche Fakultät im Jahr 2013 nach Einschätzung der Medizinstudierenden die beste ärztliche Ausbildung anbietet. Die Ergebnisse sollen den Fakultäten und den Medizinstudierenden aufzeigen, in welchen Bereichen die medizinischen Fakultäten eine gute Lehre anbieten und in welchen sie möglicherweise noch Nachholbedarf haben“, erklärt Dörthe Arnold, Leiterin des Referates Medizinstudium beim Hartmannbund, dem Deutschen Ärzteblatt Studieren.de.

Die Auswertung der einzelnen Themenkomplexe erfolgte mit Hilfe der Schulnoten von eins bis sechs. Im Mittelpunkt der Umfrage standen die Themenkomplexe Qualität der medizinischen Ausbildung allgemein, Qualität der Lehrveranstaltungen, erweitertes Lehrangebot, Lehrkräfte, Unterstützung bei der praktischen Ausbildung, Ausstattung, Verzahnung der Studienabschnitte, Patientenkontakt, Prüfungen/Promotion, Kursangebot zu beruflichen Perspektiven, Vereinbarkeit Studium und Familie, Dekanat, Zulassungsverfahren zum Studium, Abschlussnote als Empfehlung an am Medizinstudium Interessierte. „Die einzelnen Themenkomplexe erhielten nach Auswertung der etwa 40 Einzelfragen Durchschnittsnoten, die dann zu einer Gesamtnote zusammengefasst wurden. Am Ende stand die medizinische Fakultät ganz oben im Ranking, für die die beste Gesamtnote ermittelt wurde“, erläutert Arnold.

Fakultätenpreis des Hartmannbundes 2013
Fakultätenpreis des Hartmannbundes 2013
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Fakultätenpreis des Hartmannbundes 2013

Interessant sei für sie gewesen, dass die besonders wichtigen Themenkomplexe, wie die Qualität der Lehrveranstaltungen, die Bewertung der Lehrkräfte, die Unterstützung bei Praktika, Famulatur oder im praktischen Jahr sowie bei Prüfungen und Promotion, die Verzahnung der Studienabschnitte und der Patientenkontakt bei den Teilnehmern eher schlechter weggekommen seien. So hätten nur sechs der 19 Fakultäten eine bessere Note als 2,0 erhalten. Überdurchschnittlich gute Noten gab es hingegen bei den Fragen nach dem erweiterten Lehrangebot ( nach Skills Lab, Lehrmaterial, E-Learning-Angeboten, neuen Lehrmethoden) und der Ausstattung (Studienmaterial, Räumlichkeiten, Bibliothek, Onlinemedien). Hier erreichten mehr als die Hälfte der im Ranking vertretenen Fakultäten ein Ergebnis, das besser als 2,0 war. Im Durchschnitt eher schlecht war die Benotung bei den Fragen nach der Vereinbarkeit von Studium und Familie sowie zur Arbeit des Dekanats (Engagement, Austauschprogramme).

„Insgesamt muss man festhalten, dass Noten unter 1,5 von den Teilnehmern sehr selten vergeben wurden“, sagte Kristian Otte, Vorsitzender des Ausschusses der Medizinstudierenden im Hartmannbund. „Es gibt für die Fakultäten eine Menge Luft nach oben, die Qualität ihrer Ausbildung weiter zu verbessern.“ Dass bereits zum zweiten Mal eine Fakultät mit einem Modellstudiengang den Hartmannbund-Fakultätenpreis gewonnen hat, wertet Kristian Otte als ein positives Zeichen. „Dies bedeutet, dass die neben dem ursprünglichen Regelstudiengang beschrittenen Wege von den angehenden Medizinern nicht mehr nur als Alternativen angesehen werden, sondern mit dem herkömmlichen Medizinstudium gleichzusetzen sind.“ Dies zeigt auch der Blick auf die ersten fünf Fakultäten im Ranking 2013. Mit Ausnahme von Greifswald bieten alle Universitäten Modellstudiengänge (Witten/Herdecke, Mannheim, Aachen) beziehungsweise einen Reformstudiengang (Heidelberg) an.

Da die Resonanz auf den Fakultätenpreis des Hartmannbundes hoch ist, denkt der Ausschuss der Medizinstudierenden im Hartmannbund bereits über eine vierte Ausschreibung nach. Dr. med. Eva Richter-Kuhlmann

Wie die Teilnehmer im Detail die Ausbildung an ihren Fakultäten benotet haben, erfahren Sie unter www.hartmannbund.de. Dort können Sie auch die Struktur der Teilnehmer nachlesen, die Teilnehmerzahl aller Fakultäten sowie weitere Informationen rund um den Fakultätenpreis des Hartmannbundes und den diesjährigen Sieger, die Universität Witten/Herdecke (ausführliche Interviews mit dem Dekan und der Fachschaft).

Interview: Eng verzahnt zum Erfolg

Prof. Dr. med. Stefan Wirth, Dekan der Fakultät für Gesundheit der Universität Witten/Herdecke, freut sich über Platz 1.

Hat Sie das Ergebnis der Umfrage des Hartmannbundes überrascht?

Foto: privat
Foto: privat

Wirth: Die Mitteilung, die wir vom Hartmannbund erhalten haben, war eine große Überraschung und natürlich auch Freude. Wir sind zwar der Meinung, dass unsere Studierenden eine sehr gute theoretische und praktische Ausbildung im Medizinstudium erhalten. Es ist aber schön, wenn das auch „von außen“ Bestätigung findet. Es gibt allerdings keine Lehre, die nicht noch attraktiver gestaltet werden kann . . .

In zehn von insgesamt 14 abgefragten Themenkomplexen hat Ihre Fakultät Bestnoten erhalten. Wie erklären Sie sich dieses Ergebnis?

Wirth: Für mich stellt dies ein überzeugendes Votum dar, was uns auch mit Stolz erfüllt. Wir werden uns diese Bereiche genau ansehen und daran arbeiten, dass wir dieses Niveau halten und ausbauen können.

Liegt in der Ausrichtung der universitären Ausbildung auf die aktuelle Versorgungslage ein Ausbildungsschwerpunkt Ihrer Fakultät?

Wirth: Die praktische Ausbildung wird bereits in den ersten Studiensemestern im Rahmen der Allgemeinmedizin und des problemorientierten Lernens geschult. Auch hatte die Allgemeinmedizin von Anfang an einen großen Stellenwert. Nach Übungen mit Simulationspatienten wird bei uns sehr früh der direkte Patientenkontakt hergestellt.

Was unterscheidet ein Medizinstudium an der Privatuniversität Witten/Herdecke von der medizinischen Ausbildung der staatlichen Universitäten?

Wirth: Eine wesentliche Prägung in der Ausbildung unserer Medizinstudierenden ist die Motivationslage von Lehrenden und Lernenden mit viel Fantasie und Interesse an den gegenseitigen Persönlichkeiten. Es kommt zu vielen bilateralen konstruktiven Mentorenschaften, die sich auf das gesamte Ausbildungsklima positiv auswirken.

Was ist die Besonderheit Ihrer Fakultät für Gesundheit?

Wirth: Anders als an staatlichen Universitäten besteht unsere Fakultät für Gesundheit aus vier Departments: Medizin, Zahnmedizin, Pflegewissenschaft und Psychologie und Psychotherapie. Durch diese enge Verzahnung können gemeinsame Projekte in Forschung und Lehre realisiert werden.

Die Fragen stellte Dörthe Arnold.

Fakultätenpreis des Hartmannbundes 2013
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