ArchivMedizin studieren4/2013Global Health: „Nicht nur Tropenmedizin“

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Global Health: „Nicht nur Tropenmedizin“

Deutsches Ärzteblatt Studieren.de, 4/2013: 24

Hillienhof, Arne

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Die gesundheitlichen Herausforderungen der Globalisierung sollen im Studium mehr Raum bekommen. Über eine entsprechende Forderung der Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland e.V. (bvmd) sprach das Deutsche Ärzteblatt Studieren.de mit Romy Langhammer.

Die bvmd fordert mehr Global Health im Studium. Genügt es nicht, das Thema in der Mikrobiologie und gegebenenfalls in einigen Wahlfächern zu behandeln?

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Romy Langhammer aus der AG Public Health und Entwicklungsarbeit der bvmd, 8. Semester, Würzburg Foto: privat
Romy Langhammer aus der AG Public Health und Entwicklungsarbeit der bvmd, 8. Semester, Würzburg Foto: privat

Langhammer: An einigen Fakultäten gibt es tatsächlich recht gute Wahlfächer zu dem Thema. Trotzdem ist Global Health im Studium unterrepräsentiert. Oft liegt dem ein Missverständnis zu Grunde – nämlich, dass „Global Health“ eigentlich nur ein anderer Begriff für Tropenmedizin sei. Das stimmt aber nicht. Eigentlich ist das ein politischer Begriff, welcher sich mit Gesundheit und deren weltweiten sozialen, ökonomischen, politischen und kulturellen Einflüssen beschäftigt. Global Health betrifft alle Ärzte, das ist kein Spezialgebiet.

Wie könnte eine Fakultät ihre Forderung nach mehr Global Health umsetzen?

Langhammer: Die Globalisation-and-Health-Initiative der bvmd arbeitet schon seit 2006 an Seminarvorlagen zum Thema und hat auch ein Curriculum abgestimmt, an dem Kurse und Angebote sich orientieren können. Studierende können mit dem Material auch zu Dozenten oder ins Dekanat gehen und auf Basis der Vorschläge diskutieren, welche Möglichkeiten es gibt, das Thema stärker zu behandeln.

Welche Themen interessieren die Studierenden denn besonders bei Global Health?

Langhammer: Die bvmd hat genau dazu im Rahmen des Projektes „Global Medicine“ eine Umfrage gestartet. Es zeichnet sich ab, dass drei Themen besonders wichtig sind: Einführungen in die Gesundheitssysteme anderer Länder, aktuelle Aktionen in Bezug auf Global Health, zum Beispiel Impfaktionen, Initiativen für bessere Hygiene oder auch die Verbreitung von Gesundheitsinformationen. Zudem interessieren sich die Studierenden dafür, welche konkreten Möglichkeiten bestehen, in Global-Health-Projekten im Ausland zu arbeiten.

Gibt es nur in Entwicklungsländern Global-Health-Projekte?

Langhammer: Ganz und gar nicht. Ein Beispiel ist unsere Climate-Health-Initiative, die sich mit dem Zusammenhang zwischen Klimawandel und Gesundheit befasst. Die Initiative hat sich zum Ziel gesetzt, über die gesundheitlichen Folgen des Klimawandels aufzuklären, dadurch das Bewusstsein unter den Studierenden und in der Öffentlichkeit zu stärken und aktiv gegen den Klimawandel vorzugehen.

Was haben Sie konkret unternommen?

Langhammer: Die bvmd-Initiative besteht seit 2011. Wir haben zuerst unsere eigenen Strukturen angeschaut und zum Beispiel unsere Bundestreffen und weitere Veranstaltung so umorganisiert, dass wir möglichst CO2-neutral dabei sind. Danach hat die Initiative an diversen Klimaverhandlungen der Vereinten Nationen – zum Beispiel in Bonn – über den Zusammenhang von Klimaveränderung und Gesundheit informiert und so versucht, Entscheidungen zu beeinflussen.

Wenn sich Studierende für das Thema Global Health engagieren wollen – wie können sie am besten bei der bvmd einsteigen?

Langhammer: Indem sie sich bei den Leitern der AG Public Health melden, damit wir uns vernetzen können. Am besten ist es aber, einfach zu der nächsten Medizinstudierendenversammlung (MV) zu kommen und dort an den Veranstaltungen der AG Public Health mitzuarbeiten. Zu den MVs kann ja jeder Medizinstudierende kommen – die nächste findet vom 1. bis 3. November in Münster statt.

Die Fragen stellte: Dr. med. Arne Hillienhof.

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