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Zur Klärung des primären Anliegens dieser Untersuchung, nämlich der Frage, ob Medikamente der PRISCUS-Liste häufiger mit unerwünschten Arzneimittelereignissen (UAE) assoziiert sind als mit anderen Medikamenten, bleiben trotz positiver Beantwortung durch die Autoren einige Wünsche offen. Diese betreffen die Fragestellung, den Untersuchungsansatz und die Klassifizierungen.

Zur Fragestellung: Wollte man die primäre Fragestellung klären, dann hätte es gereicht, Häufigkeit und Schwere von UAWs nach Gabe von PRISCUS-Medikamenten (PM) versus NICHT-PRISCUS-Medikamenten (NPM) bei über 65-Jährigen und bei identischer Indikation zu untersuchen. Neben den über 65-Jährigen (n = 351) wurden jedoch auch 401 unter 65-Jährige eingeschlossen. Sollte die Frage geklärt werden, ob PM von Älteren schlechter vertragen werden als von Jüngeren, dann wäre dieser Vergleich der richtige für die gewünschte Bestätigung der Aussage, dass Ältere sensibler auf PM reagieren als Jüngere – selbstverständlich bei gleicher Indikation.

Zum Untersuchungsansatz: Es wurde auf eine prospektive randomisierte kontrollierte Vergleichsuntersuchung zugunsten zufällig gesammelter Daten eines Notaufnahmeklientels verzichtet. Die Vergleichspopulationen waren unterschiedlich groß und inhomogen: Bei ≥ 65-Jährigen wurden Kreislauferkrankungen mit 35 % und Erkrankungen des Verdauungssystems mit 10,5 % am häufigsten beobachtet, bei den unter 65-Jährigen kamen Kreislauferkrankungen nur in 17,7 % der Fälle vor und psychische beziehungsweise Verhaltensstörungen in 10,2 %. Damit dürfte sich auch die medikamentöse Behandlung in beiden Vergleichsgruppen unterscheiden, wozu in der Publikation keine Aussage getroffen wurde. Insgesamt wurden nur 149 Patienten mit UAW ausgewertet.

Zur Klassifizierung: Medikationsfehler (verursacht durch Therapeuten oder Non-Compliance) können nicht mit UAWs summiert werden. Zur Klassifizierung von UAWs werden auch Angaben zur Schwere/Gefährlichkeit benötigt, insbesondere für den Vergleich PM versus NPM. Es fehlt die Kategorie „unerwartete UAW“. Gab es diese nicht? Interessant und unkommentiert ist der Befund, dass in der untersuchten Patientenpopulation bei mehr Patienten Medikationsfehler (n = 166) auftraten als unerwünschte Arzneimittelwirkungen (n = 149). Ein weiterer beunruhigender Aspekt ist die drastische Zunahme von Medikationsfehlern in der Altersklasse ab 70 bis 89 Jahre, nämlich bei circa 90 Patienten.

Fazit: Die Arzneimitteltherapie muss insbesondere für gefährdete Patientenpopulationen verbessert werden.

DOI: 10.3238/arztebl.2013.0674a

Dr. med. Karla Lehmann

Kottmar OT Walddorf

Karla.Lehmann@t-online.de

1.
Dormann H, Sonst A, Müller F, et al.: Adverse drug events in older patients admitted as an emergency—the role of potentially inappropriate medication in elderly people (PRISCUS). Dtsch Arztebl Int 2013; 110(13): 213–9 VOLLTEXT
1.Dormann H, Sonst A, Müller F, et al.: Adverse drug events in older patients admitted as an emergency—the role of potentially inappropriate medication in elderly people (PRISCUS). Dtsch Arztebl Int 2013; 110(13): 213–9 VOLLTEXT

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