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Aus dem Artikel von Rueegg et al. (1) können alle Probleme eines Screenings abgeleitet werden, die erst zu klären wären, bevor man ein Screening einführt.

Im ersten Screening-Schritt kommt es aufgrund zahlreicher einer Abklärung bedürfender Befunde zur psychologischen Belastung der Eltern. Hinzu kommen die nicht verhinderbaren, weil in der Natur der Sache begründeten wirklichen falschpositiven Befunde – mit dann faktisch unnötiger Therapie und konsekutiver Einschränkung der Lebensqualität (2, 3). Denn von einem Teil der sowohl im genetischen Test (CFTR-Varianten) als auch im Schweißtest positiven Befunde weiß man, dass die Betroffenen nicht oder erst spät in ihrem Leben von den, teilweise dann auch recht geringen, Auswirkungen betroffen sind (2, 3).

Das größte Problem der Einführung eines Screenings ist jedoch eines, das in Deutschland regelmäßig – trotz zögerlicher Priorisierungskommission der Bundes­ärzte­kammer – ausgespart wird: Es muss ökonomische Grenzen des Aufwandes medizinischer Interventionen, so auch von Screenings, geben.

Nach Rueegg und der Literatur (2, 3) liegt die Inzidenz bei 1 auf 3 500 Neugeborenen – also bei 200 Kindern in Deutschland mit seinen 700 000 Geburten. Wenn die 20-Jahres-Mortalität, wie zum Beispiel bei Dijk et al. (4) und Scott et al. (3), bei 25 % liegt, und diese aufgrund des Screenings gar um 50 % Sterblichkeit und Lungenersatz reduziert wird (nach [2]; aber nicht erreicht nach [1]), dann sprechen wir hier für Deutschland von maximal 25 Kindern pro Jahr, für die ein sehr großes, höchste Qualität (und Kosten) erforderliches Programm mit zudem unerwünschten Nebenwirkungen durchgeführt werden würde.

Dem Einwand, dass ich herzlos bin, setze ich entgegen, dass man priorisieren muss, will man ein allgemein zugängliches System der Versorgung erhalten.

DOI: 10.3238/arztebl.2013.0676a

em. Prof. Dr. med. Heinz-Harald Abholz

Institut Allgemeinmedizin, Universität Düsseldorf

Abholz@med.uni-duesseldorf.de

Interessenkonflikt

Der Autor erklärt, dass kein Interessenkonflikt besteht.

1.
Rueegg CS, Kuehni CE, Gallati S, Baumgartner M, Torresani T, Barben J: One-year evaluation of a neonatal screening program for cystic
fibrosis in Switzerland. Dtsch Arztebl Int 2013; 110(20): 356–63 VOLLTEXT
2.
Castellani C, Southern KW, Brownlee K, et al.: European best
practice guidelines for cystic fibrosis neonatal screening. Journal of Cystic Fibrosis 2009; 8: 153–73 CrossRef MEDLINE
3.
Scott D, Grosse SD, Boyle CA, et al.: Newborn screening for cystic fibrosis: evaluation of benefits and risks and recommendations for state newborn screening programs. MMWR 2004; 53: 1–36.
4.
Dijk N, McKay K, Barzi, F, et al.: Improved survival in cystic fibrosis patients diagnosed by newborn screening compared to a historical cohort from the same centre. Arch Dis Child 2011; 96: 1118–23 CrossRef MEDLINE
1.Rueegg CS, Kuehni CE, Gallati S, Baumgartner M, Torresani T, Barben J: One-year evaluation of a neonatal screening program for cystic
fibrosis in Switzerland. Dtsch Arztebl Int 2013; 110(20): 356–63 VOLLTEXT
2.Castellani C, Southern KW, Brownlee K, et al.: European best
practice guidelines for cystic fibrosis neonatal screening. Journal of Cystic Fibrosis 2009; 8: 153–73 CrossRef MEDLINE
3.Scott D, Grosse SD, Boyle CA, et al.: Newborn screening for cystic fibrosis: evaluation of benefits and risks and recommendations for state newborn screening programs. MMWR 2004; 53: 1–36.
4.Dijk N, McKay K, Barzi, F, et al.: Improved survival in cystic fibrosis patients diagnosed by newborn screening compared to a historical cohort from the same centre. Arch Dis Child 2011; 96: 1118–23 CrossRef MEDLINE

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