ArchivDeutsches Ärzteblatt40/2013Börsebius: Knüppel aus dem Sack

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Börsebius: Knüppel aus dem Sack

Dtsch Arztebl 2013; 110(40): A-1874 / B-1654 / C-1622

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Was war das denn? Der erste Börsentag nach dem triumphalen Wahlsieg von Angela Merkel und der Unionsparteien wurde an der deutschen Aktienbörse eben nicht, wie vermutet werden könnte, mit einem Kursfeuerwerk beantwortet. Wie passt das zusammen? Auf der einen Seite gewinnen die Konservativen haushoch, und auf der anderen Seite rutscht der DAX ins Minus, dezent zwar, aber immerhin doch enttäuschend. Sichtlich verblüfft und teilweise ratlos reagierten die Marktteilnehmer auf diesen Handelsauftakt der Woche. Der weitere Verlauf des DAX war dann auch noch eher mau. Mehr Katzenjammer denn Euphorie.

Da die Börse immer recht hat, das behaupten zumindest etliche Finanzgurus, gilt es nun, nach den Gründen für dieses Unbehagen im Aktienbarometer DAX zu forschen. Bei genauem Hinsehen werden die Fakten schnell klar. Zwar hat Kanzlerin Merkel grandios gesiegt, aber eben nicht grandios genug. Sie braucht in jedem Fall einen Koalitionspartner. Bis der gefunden ist, wird vermutlich einige quälende Zeit ins Land gehen, und bis dahin werden die umworbenen Parteien üppige Geschenke (Steuererhöhungen, Schuldentilgungsfonds, Energiewende, Mindestlohn) einfordern, gilt es doch, bei der eigenen Klientel als knallharte Verhandler zu reüssieren. Sich bloß nicht als kleiner Partner über den Tisch ziehen lassen, sondern den Knüppel aus dem Sack holen und möglichst viel rausholen, lautet die Parole.

Dieses Säbelrasseln („viel rausholen“) kann sich durchaus negativ auf deutsche Aktien auswirken, zumal die Unionsparteien am Mittwoch nach der Wahl – völlig überraschend – signalisierten, sie schlössen Steuererhöhungen nicht mehr aus. Zum einen sind das für die Konjunktur garstige Töne, zum anderen wohl perfekt lancierte Liebesbotschaften an mögliche Koalitionspartner. So schnell kann sich Angie auf neue Situationen einstellen. Respekt.

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Allerdings dürfte die börsliche Großwetterlage auf lange Sicht eher oder zumindest zum größeren Teil vom Verhalten der US-amerikanischen Notenbank abhängen. Hält Fed-Chef Ben Bernanke die Geldzügel weiter so locker wie bisher, dürften die Aktienmärkte bei einer üppigen Kapitalversorgung weiter frohlocken. Es geht also nicht so sehr darum, ob ein möglicher Koalitionspartner eine Knüppel-aus-dem-Sack-Politik einfordert oder erzwingt, sondern darum, dass die Fed eben jenen im Sack lässt.

Kritiker befürchten gleichwohl als Folge einer solchen laxen Geldpolitik immense Inflationsgefahren. Was allerdings der Weisheit letzter Schluss ist, werden die Chronisten uns später berichten. Eine andere Wahl, so scheint es, hat die Finanzwelt – angesichts der nach wie vor kritischen Verschuldungslage etlicher Staaten – im Moment ohnehin nicht. Die Politik wohl auch nicht. Oder erst recht nicht.

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