ArchivDeutsches Ärzteblatt40/2013Deutscher Hausärzteverband: Vielfältige Erwartungen

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Deutscher Hausärzteverband: Vielfältige Erwartungen

Dtsch Arztebl 2013; 110(40): A-1832 / B-1620 / C-1592

Rieser, Sabine

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Genügend Reformvorschläge für die nächste Bundesregierung haben die Hausärzte. Aktuell beschäftigt sie der neue Einheitliche Bewertungsmaßstab – und die taktischen Manöver dabei.

Brückenschlag zur Fachgesellschaft: Ulrich Weigeldt fordert mehr Lehrstühle für Allgemeinmedizin und ein Pflichtquartal im Fach während des praktischen Jahrs. Beides verlangt auch die Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin. Foto: Georg J. Lopata
Brückenschlag zur Fachgesellschaft: Ulrich Weigeldt fordert mehr Lehrstühle für Allgemeinmedizin und ein Pflichtquartal im Fach während des praktischen Jahrs. Beides verlangt auch die Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin. Foto: Georg J. Lopata

Auf einen kritischen Rückblick nach der Bundestagswahl verzichtete Ulrich Weigeldt, Bundesvorsitzender des Deutschen Hausärzteverbands (HÄV), in seiner Rede vor der Delegiertenversammlung am 25. September. „Für uns wird spannend, wie die Besetzung des Ge­sund­heits­mi­nis­teriums aussieht“, sagte er mit Blick auf die nächsten Wochen und listete auf, was der HÄV sich von der oder dem Neuen wünscht.

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„Wir fordern, für einen diskriminierungsfreien und fairen Wettbewerb um eine gute Versorgung unserer Bevölkerung zwischen Kollektiv- und Selektivvertrag, um Leistungen, Preise und Qualität zu sorgen“, sagte Weigeldt. Ärzte, die an der hausarztzentrierten Versorgung teilnehmen, dürften nicht im Kollektivvertrag benachteiligt werden. Damit spielte er auf die anhaltenden Diskussionen um die Bereinigung der Honorare und den ärztlichen Bereitschaftsdienst an.

Von der nächsten Bundesregierung erhofft sich der Verband eine Rücknahme der strengen Wirtschaftlichkeitsvorgaben für Hausarztverträge. Gleichwohl hat sich die Situation etwas entspannt, denn: „Was sich geändert hat, ist der Umgang mit der Wirtschaftlichkeitsvorschrift durch die Schiedspersonen“, berichtete Weigeldt. Um das Wirtschaftlichkeitsgebot zu erfüllen, legen die Schiedsämter bei der Streitschlichtung zwischen Krankenkassen und Verband offenbar immer häufiger fest, einen Teil des Honorars für die Verträge zur Sicherheit beim HÄV zurückzubehalten. Der Verband ist optimistisch, es am Ende verteilen zu können.

Votum für Hausarzt-MVZ

Ärgerlich ist aus seiner Sicht, dass immer noch keine hausärztlichen Medizinischen Versorgungszentren gegründet werden können. „Größere hausärztliche Kooperationen an Zentren sind auch ein Weg, Lebensplanungen der nachrückenden Medizinergeneration besser zu berücksichtigen“, betonte Weigeldt. Zum Forderungskatalog zählen ebenfalls eine Überarbeitung der Amtlichen Gebührenordnung für Ärzte und das Ende des „Bedrohungssystems von Richtgrößen und Regress“.

Die Hausärzte setzen sich zudem dafür ein, dass es an allen medizinischen Fakultäten Lehrstühle für Allgemeinmedizin gibt, „und zwar solche, die Forschung und Lehre ermöglichen, also vollwertige Institute“, verdeutlichte Weigeldt. Dem Antrag, ein Pflichtquartal für die Allgemeinmedizin im praktischen Jahr vorzuschreiben, stimmten die Delegierten mit wenigen Enthaltungen zu. Zwar hatte ein Hausarzt gewarnt: „Wir dürfen die Studenten nicht gegen uns aufbringen.“ Sein Vorschlag, die Verpflichtung an eine ausreichende Anzahl von Lehrstühlen zu knüpfen, fand jedoch keine Mehrheit: Hierauf habe man keinen Einfluss, hieß es.

Ärger um den neuen EBM

Lange und teilweise sehr emotional diskutierten die Delegierten mit ihrem Vorstand die Einführung des neuen Einheitlichen Bewertungsmaßstabs (EBM), der etliche Veränderungen im Hausarztkapitel vorsieht. Der Hausärzteverband ist in der Zwickmühle: Einerseits begrüßt er das Ziel, die hausärztliche Grundversorgung zu stärken. Andererseits kritisiert er zahlreiche Details und vor allem die Tatsache, dass nicht deutlich mehr Honorar zur Verfügung gestellt wird.

Ein weiterer Grund, warum die Kritik nicht noch lauter und deutlicher ausfällt: Offiziell verantwortlich ist für den neuen Hausarzt-EBM im Vorstand der Kassenärztlichen Bundesvereinigung die Allgemeinmedizinerin Dipl.-Med. Regina Feldmann, an deren Demontage Teile des KV-Systems interessiert sind. Das begreift wiederum der Hausärzteverband als Affront.

Ulrich Weigeldt bezeichnete die Auseinandersetzungen um den EBM denn auch als „nicht einfach“. Die Kolleginnen und Kollegen, die in den Kassenärztlichen Vereinigungen „das Schlimmste verhindern“, hätten es nicht leicht, und ihnen gebühre Dank, sagte er. „Allerdings erwarten wir, dass sie die Erwartungen und die Kritik ihres Verbandes ernst nehmen.“

Sabine Rieser

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