ArchivDeutsches Ärzteblatt40/2013Hypertonie: Immer mehr Kinder betroffen

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Hypertonie: Immer mehr Kinder betroffen

Dtsch Arztebl 2013; 110(40): A-1830 / B-1618 / C-1590

EB

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Etwa 700 000 Kinder in Deutschland haben möglicherweise einen zu hohen Blutdruck. Die Deutsche Hochdruckliga e.V. DHL – Deutsche Gesellschaft für Hypertonie und Prävention geht davon aus, dass sich die Zahl in den kommenden Jahren erhöhen wird. Die DHL kritisiert, dass Politik und Forschung dieser Entwicklung weltweit zu wenig Beachtung schenken.

Ursache von zu hohem Blutdruck im Kindesalter ist häufig Übergewicht. Jedes fünfte Kind und jeder dritte Jugendliche in Deutschland sind übergewichtig, circa acht Prozent sogar adipös. Aber auch Schlafstörungen oder organische Schäden wie Nieren- und Stoffwechselerkrankungen können Bluthochdruck bei Kindern verursachen. „Eine frühe Diagnose beugt Schäden vor. Daher sollte bei allen Kindern ab drei Jahren regelmäßig der Blutdruck kontrolliert werden“, fordert Dr. med. Martin Hulpke-Wette, Göttingen. Hierbei seien jedoch mehrere Messungen oder eine 24-Stunden-Messung notwendig, da Kinder oft mit Stress auf die Untersuchung reagieren.

Bei jungen Menschen steigt der Blutdruck mit dem Alter und der Körpergröße an. „Das erschwert es, eine klare Grenze zwischen normalen und erhöhten Werten zu ziehen, wie es bei Erwachsenen möglich ist“, erläutert Prof. Dr. med. Hans-Georg Predel, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der DHL aus Köln. Um Diagnose und Therapie zu erleichtern, hat die DHL Grenzwerte festgelegt: für Zwölfjährige 125 zu 80 mmHg, für 16-Jährige 135 zu 85 mmHg und für über 18-Jährige 140 zu 90 mmHg.

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Auch die antihypertensive Therapie ist in diesem Lebensabschnitt nicht einfach: „Es gibt bislang weder Studien zur Medikamentenvergabe bei Kindern mit Bluthochdruck, noch sind für diese Patientengruppe Präparate zugelassen“, bedauert Predel. Obwohl die nicht medikamentösen Maßnahmen eindeutig im Vordergrund stehen, sei in Einzelfällen eine medikamentöse Therapie, die im Wesentlichen auf Erkenntnissen aus der „Erwachsenenforschung“ beruht, notwendig, um die Gesundheit des Kindes langfristig zu erhalten.

Um Vorbeugung, Therapie und Aufklärung bei Kindern mit Hypertonie zu stärken, gründet die DHL jetzt die Kommission für Hypertonie bei Kindern. „Das kranke Kind heute ist der chronisch kranke und potenziell arbeitsunfähige Erwachsene von morgen“, so Predel. Mit geeigneten Präventionsmaßnahmen könne man diese gefährliche Entwicklung stoppen. Hier sei ist auch die Politik gefordert. EB

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