ArchivDeutsches Ärzteblatt40/2013Waldpiraten-Camp: Auf dem Weg zurück ins Leben

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Waldpiraten-Camp: Auf dem Weg zurück ins Leben

Dtsch Arztebl 2013; 110(40): A-1881 / B-1661 / C-1629

Krödel, Arndt

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Fotos: Archiv Deutsche Kinderkrebsstiftung
Fotos: Archiv Deutsche Kinderkrebsstiftung

Es ist eine Erfolgsgeschichte: Vor zehn Jahren wurde in Heidelberg die erlebnispädagogische Freizeiteinrichtung für krebskranke Kinder und Jugendliche eröffnet.

Etwas Stolz schwingt mit, wenn Bärbel Dütemeyer über das „Waldpiraten-Camp“ am Rand des Heidelberger Stadtwalds spricht: „Wir sind nach wie vor ein einzigartiges Projekt im deutschsprachigen Raum.“ Die Ergotherapeutin aus der Nähe von Hannover ist stellvertretende Vorsitzende der Deutschen Kinderkrebsstiftung, die das idyllische, etwa 14 000 Quadratmeter umfassende Areal hoch über der Universitätsstadt vor genau zehn Jahren erwarb, um krebskranken Kindern und Jugendlichen unbeschwerte Erholungstage direkt in der Natur zu ermöglichen – stets betreut von erfahrenen Fachkräften.

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Aus dem Projekt wurde eine Erfolgsgeschichte: Jahr für Jahr kamen an die 400 junge Patienten im Alter zwischen acht und 16 Jahren nach Heidelberg, wo sie in kleinen Gruppen jeweils neuntägige Freizeiten in einem geschützten Rahmen erlebten: „Hier werden sie ermutigt, zurück ins Leben zu finden“, umreißt Bärbel Dütemeyer das Konzept. Sie ist selbst betroffene Mutter eines ehemals krebskranken Sohnes, der inzwischen 29 Jahre alt ist und dem es gut geht. Meist sind die Kinder, die im Camp ankommen, in einem schlechten Allgemeinzustand, haben eine lange und aggressive Krebstherapie hinter sich. Bei den „Waldpiraten“ erhalten sie die Möglichkeit, unter erlebnispädagogischen Gesichtspunkten Kräfte zu sammeln und neues Selbstbewusstsein zu entwickeln.

Mut tut gut: Wer die Waldpiraten finanziell unterstützen möchte, spendet an die Deutsche Kinderkrebsstiftung bei der Commerzbank AG Köln: Konto: 00 555 66600, BLZ: 370 800 40
Mut tut gut: Wer die Waldpiraten finanziell unterstützen möchte, spendet an die Deutsche Kinderkrebsstiftung bei der Commerzbank AG Köln: Konto: 00 555 66600, BLZ: 370 800 40

Inmitten von Gleichaltrigen und Gleichbetroffenen können sie lernen, unter Umständen sogar mit einem Handicap dauerhaft klarzukommen. „Man kann auch mit einer Beinamputation durchaus im Hochseilgarten unterwegs sein“, spricht Bärbel Dütemeyer eines der Angebote an, sich selbst zu erproben. „Man entwickelt eine Kreativität, bei der vielleicht auch manches verarbeitet wird, was an Problemen übrig geblieben ist.“ Auf die Kinder und Jugendlichen, die auf dem weitläufigen Gelände in Blockhütten untergebracht sind, wartet ein Spektrum an Sport- und Freizeitmöglichkeiten – vom Reiten bis zum Bogenschießen, vom Schwimmen bis zum Kanufahren, vom Werken bis zum Theaterspielen.

Und noch etwas ist wichtig: „Hier sind die Kinder mal wieder ohne ihre Eltern unterwegs“, erläutert Dütemeyer. Denn gerade im Alter ab zwölf Jahren gehe man normalerweise ein bisschen auf Distanz zum Elternhaus, in das man durch die Krebserkrankung aber „mit großer Geschwindigkeit wieder zurückgespült“ werde, ob man wolle oder nicht.

Was mit einzelnen Zeltlagern begonnen hatte, wurde mit dem Waldpiraten-Camp zu einer festen Einrichtung, die 2009 bei der renommierten Standortinitiative „Deutschland – Land der Ideen“ als eines von 365 herausragenden Projekten in Deutschland ausgewählt wurde. Für dieses und auch schon das nächste Jahr ist das Camp wieder ausgebucht, erzählt Gabriele Geib, die die Einrichtung von Anfang an leitet und auch die Idee dazu hatte. Anderen Gruppen steht das Waldpiraten-Camp ebenfalls offen: Es finden Eltern- und Geschwisterfreizeiten statt, und verwaiste Eltern treffen sich dort, um gemeinsam Trauerarbeit zu leisten.

Die jährlichen Kosten von etwa einer Million Euro werden fast ausschließlich aus Spenden finanziert. Es sind viele Faktoren, die das Camp auszeichnen, wie Bärbel Dütemeyer bei der Geburtstagsfeier zum „Zehnjährigen“ festhielt: die gediegene Architektur der Gemeinschaftseinrichtungen, die „Rundum-wohlfühlatmosphäre“, die für jeden etwas bietenden Außenanlagen: „Man steigt aus dem Auto und landet in einem kleinen Paradies“, so die stellvertretende Vorsitzende. Das ist nicht zuletzt auch dem einfühlsamen Engagement der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie der Arbeit der vielen ehrenamtlichen Helfer zu verdanken. Das hölzerne „Piratenschiff“ auf der großen Wiese braucht sich keine Sorgen um die passende Besatzung zu machen – viele Kinder kommen gerne wieder nach Heidelberg. Informationen: www.kinderkrebsstiftung.de

Arndt Krödel

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