ArchivDeutsches Ärzteblatt40/2013Medizinische Rehabilitation: Zahl der Anträge leicht rückläufig

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Medizinische Rehabilitation: Zahl der Anträge leicht rückläufig

Dtsch Arztebl 2013; 110(40): A-1846 / B-1631 / C-1601

Hibbeler, Birgit

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Die Rentenversicherung hat 2012 ihr Budget für Rehabilitation überschritten. Im ersten Halbjahr 2013 ist nun aber die Zahl der Anträge leicht zurückgegangen – entgegen der Prognose.

Die Deutsche Rentenversicherung (DRV) hat ihr Rehabudget im vergangenen Jahr um 13 Millionen Euro überschritten. 5,666 Milliarden Euro standen zur Verfügung, 5,679 Milliarden Euro wurden ausgegeben – davon 4,5 Milliarden für medizinische Rehabilitation. „Wir machen keine Reha nach Kassenlage“, betont Dr. med. Susanne Weinbrenner, Leiterin des Geschäftsbereiches Sozialmedizin und Rehabilitation der DRV Bund. Berechtigte Anträge auf Rehabilitation würden nicht aus Kostengründen abgelehnt. Die Rentenversicherung habe daher 2012 aus ihrem Gesamthaushalt mehr Geld für Rehabilitation zur Verfügung gestellt als eigentlich vorgesehen.

Entgegen der Prognose: 2013 könnte Rehabudget reichen

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Für 2013 rechnet die DRV nun allerdings damit, dass das Budget ausreichen wird. „Wir stellen schon das ganze Jahr über fest, dass die Antragszahlen rückläufig sind – entgegen unseren Prognosen“, berichtet Weinbrenner. Im Vergleich zum Vorjahr gibt es einen Rückgang von 1,6 Prozent. Zuvor war die Zahl der Rehaanträge seit 2005 kontinuierlich gestiegen – auf zuletzt etwa 1,69 Millionen Anträge im Jahr 2012.

Derzeit sei die Rentenversicherung mit der Ursachensuche beschäftigt. „Aus unseren Daten haben wir noch keine Hinweise darauf, woran es liegt“, sagt Weinbrenner. Es gebe in der DRV Überlegungen, ob Veränderungen im Bereich der Akutversorgung eine Rolle spielten. Im vergangenen Jahr sei auch in den Medien gehäuft über das Rehabudget berichtet worden. Möglicherweise sähen potenzielle Rehabilitanden deshalb schlechtere Chancen auf eine Genehmigung und verzichteten auf einen Antrag.

Das Rehabudget ist schon seit Jahren knapp. Zu einer Erhöhung kam es in der vergangenen Legislaturperiode unter der Koalition von Union und FDP nicht. Das umstrittene Rentenpaket von Ursula von der Leyen (CDU), das eine Anhebung von 50 Millionen für 2013 vorsah, wurde auf Eis gelegt. Die rückläufigen Antragszahlen dürften nun den Druck auf die Politik nicht gerade erhöhen. Für Thomas Bublitz, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Deutscher Privatkliniken, hat sich an der Sachlage jedoch nichts geändert. „Wir stellen das Budget gänzlich infrage“, sagt er. Dem Budget fehle die Steuerungsintelligenz. Außerdem dürfe es nicht sein, das wegen knapper Mittel notwendige Behandlungen nicht stattfänden. Dass sei auch angesichts des Fachkräftemangels unverantwortlich. Für die nächsten Jahre rechnet Bublitz mit einem steigenden Rehabedarf.

Das ist ebenfalls die Prognose der DRV. Stichworte sind: höheres Lebensalter bei Erwerbstätigen, längere Lebensarbeitszeit, geburtenstarke Jahrgänge und Zunahme chronischer Erkrankungen. „Wir gehen davon aus, dass diese Entwicklung in den nächsten Jahren noch anhalten wird“, erläutert Weinbrenner von der DRV. Einen Rückgang erwarte die Rentenversicherung erst, wenn die Gruppe der „Babyboomer“, also die geburtenstarken Jahrgänge, sukzessive aus dem Erwerbsleben ausscheide.

Psychische Erkrankungen weiter auf dem Vormarsch

Weiter gestiegen ist 2012 der Rehabedarf aufgrund psychischer Störungen. Bei den stationären Diagnosen liegt der Anteil mittlerweile bei 22 Prozent (mit Suchterkrankungen). Damit liegen die psychischen Störungen auf Platz zwei. Die meisten Rehabilitationsleistungen finden nach wie vor aufgrund orthopädischer Erkrankungen statt (Grafik). Bei den Erwerbsminderungsrenten sind psychische Erkrankungen unterdessen die häufigste Ursache.

Medizinische Rehabilitation der Deutschen Rentenversicherung: Häufige Diagnosen – stationär
Medizinische Rehabilitation der Deutschen Rentenversicherung: Häufige Diagnosen – stationär
Grafik
Medizinische Rehabilitation der Deutschen Rentenversicherung: Häufige Diagnosen – stationär

Dass die Rehabilitationsleistungen aufgrund psychischer Störungen zugenommen haben, führt Weinbrenner unter anderem auf eine höhere Sensibilität für diese Erkrankungen zurück. „Psychische Erkrankungen werden häufiger diagnostiziert als früher“, sagt Weinbrenner. Gleichwohl könnten auch andere Faktoren eine Rolle spielen: eine Arbeitswelt, die stärker als belastend empfunden werde, und zugleich ein soziales Umfeld, das weniger Rückhalt biete. „Es gibt außerdem eine höhere Aufmerksamkeit bei den behandelnden Ärztinnen und Ärzten sowie eine abnehmende Tabuisierung“, sagt Weinbrenner.

Dr. med. Birgit Hibbeler

Medizinische Rehabilitation der Deutschen Rentenversicherung: Häufige Diagnosen – stationär
Medizinische Rehabilitation der Deutschen Rentenversicherung: Häufige Diagnosen – stationär
Grafik
Medizinische Rehabilitation der Deutschen Rentenversicherung: Häufige Diagnosen – stationär

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