ArchivDeutsches Ärzteblatt40/2013Randnotiz: Dem Wahlhelfer stinkt’s

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Randnotiz: Dem Wahlhelfer stinkt’s

Dtsch Arztebl 2013; 110(40): A-1829 / B-1617 / C-1589

Schlitt, Reinhold

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Wahlhelfer? Sonntags kann man sich Angenehmeres vorstellen. Aber vor staatsbürgerlichen Pflichten kann man sich schlecht drücken. Also verschlägt es mich in ein Wahllokal im Berliner Stadtteil Wedding, eingerichtet in einer Oberschule.

Stunde um Stunde trennen wir Hunderte von Wahlbriefumschlägen auf, sortieren hier und zählen dort. Die Luft wird stickig. Gegen den Papierstaub hilft viel Sprudelwasser aus mitgebrachten Flaschen.

Irgendwann treibt es mich zur Toilette – und unverrichteter Dinge zurück. Dort stinkt’s nämlich gewaltig. Und an einer Kabinentür ist der Griff ganz ab, an der anderen hängt er auf halb sechs. Die dritte Kabine lässt sich gar nicht verriegeln. An der Verankerung der Toilettenbrille sieht man Dreckränder. Wenigstens der Seifenspender funktioniert.

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Doch der Abend wird lang. Weit mehr als 1 000 Briefwähler sind bei uns auszuzählen, viel mehr als erwartet. Noch vier Zehnerstapel mit roten Umschlägen, dann der zweite Anlauf zum „Jungen-Klo“ auf unserer Etage, das für die Wahlhelfer als Gemeinschaftstoilette dient. Drei Frauen empören sich ebenfalls über dessen Zustand. „Stellt euch nicht so an“, ruft eine vierte, „in der Schule meiner Tochter ist es noch viel schlimmer.“

Stimmt: In Berlin stinkt das Thema Schultoiletten immer mal wieder bis in die lokalen Medien hinein. Kaum auszudenken, welchen Aufstand es gäbe, wenn es auf der Patiententoilette einer Arztpraxis oder eines Krankenhauses so aussehen und riechen würde wie hier in der Schule.

Stellt euch nicht so an? Es sind ja nur unsere Kinder, denen wir das zumuten? Erkenntnisreich, so ein Tag im Wahllokal.

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