ArchivDeutsches Ärzteblatt40/2013Gesundheitstelematik: Vom Brief zur Akte

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Gesundheitstelematik: Vom Brief zur Akte

Dtsch Arztebl 2013; 110(40): A-1842

Krüger-Brand, Heike E.

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In Düren ist neben dem elektronischen Arztbrief erstmals auch eine einrichtungsübergreifende elektronische Fallakte erfolgreich im Einsatz.

Mehr als 36 000 elektronische Arztbriefe mit qualifizierter elektronischer Signatur (QES) sind seit November 2011 bis August 2013 im Landkreis Düren erfolgreich versandt worden, und der Trend geht kräftig aufwärts. Das berichtete Dr. Erich Gehlen vom Softwarehaus Duria beim Kongress IT-Trends Medizin in Essen. 14 Versendepraxen und drei Krankenhäuser sowie mehr als 150 Empfänger – haus- und fachärztliche Arztpraxen – beteiligen sich an dem Projekt, das ein erster Baustein für die in Nordrhein-Westfalen angestrebte einrichtungsübergreifende elektronische Fallakte für Ärztenetze ist. Dabei dient der elektronische Arztausweis einerseits der Authentifizierung des Arztes für den Datenzugriff. Andererseits ermöglicht er die rechtsgültige elektronische Signatur. Das im Rahmen eines von der Europäischen Union und dem Land Nordrhein-Westfalen seit dem Jahr 2010 geförderte Projekt wurde jetzt bis Mitte 2014 verlängert.

PDF-Dokument trägt Signatur

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Das Prozedere: Der Arzt erstellt in der Textverarbeitung seiner Praxissoftware wie gewohnt den Arztbrief, technische Basis dafür ist der VHitG-Standard. Im Hintergrund erzeugt das System ein strukturiertes XML-Dokument, das in ein PDF/A-Format konvertiert wird. Das PDF-Dokument wird digital signiert, und beide Dokumente (XML- und PDF-Arztbrief) werden verschlüsselt an den D2D-Server der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein (KVNo) übermittelt. Patientenidentifizierende Merkmale im Header des Arztbriefes sorgen dafür, dass der Empfänger den Brief direkt einer bestimmten Akte zuordnen kann. Integriert wurde außerdem die Stapelsignatur, mit der der Arzt bis zu 100 Arztbriefe mit einer PIN signieren kann. Ebenso kann die Praxis auch Röntgenbilder versenden.

Als neuer Anwendungsfall ist zudem eine Netzakte für den Fall einer Urlaubsvertretung zwischen Arztpraxen erfolgreich im Einsatz. „Erstmals läuft damit in Düren auch eine einrichtungsübergreifende Fallakte im Echtbetrieb“, freute sich Gehlen. Dabei autorisieren Patienten über ein Ticketverfahren den Zugriff auf die über den Server der KVNo zugängliche Akte.

Unterschiedliche Wege

Für den Versand nutzt die Mehrzahl der Dürener Ärzte derzeit immer noch D2D per ISDN und nur etwa ein Drittel das KV-SafeNet. In einem weiteren Pilotprojekt in Bochum soll hingegen der elektronische Arztbrief mittels KV-Connect erprobt werden. Dieser Kommunikationsstandard der KVen auf Basis von E-Mail-Technologie setzt einen KV-SafeNet-Anschluss voraus.

Auch in der Tele­ma­tik­infra­struk­tur (TI) spielt der elektronische Arztbrief als „adressierte Kommunikation der Leistungserbringer“ (KOM-LE) eine Rolle. Darauf verwies der zuständige Projektleiter Herbert Blankenburg. Durch die Nutzung von Standard-E-Mail-Protokollen soll die Integration der gezielten Nachrichtenübermittlung in die Arzt- und Krankenhausinformationssysteme, etwa über einen gängigen E-Mail-Client (wie Outlook), ermöglicht werden. Auch werden QES und Verschlüsselung mittels elektronischem Heilberufsausweis und Institutionenkarte unterstützt. Zudem muss ein Teilnehmerverzeichnis für den Dienst aufgebaut werden. Da die adressierte Kommunikation an die künftige TI gebunden ist, gebe es noch keinen konkreten Zeitplan, erläuterte Blankenburg.

Heike E. Krüger-Brand

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