ArchivDeutsches Ärzteblatt50/1998Kongreß „Schule und Neue Medien“ – Lernen mit dem Internet: Beispiel Umweltpädagogik

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Kongreß „Schule und Neue Medien“ – Lernen mit dem Internet: Beispiel Umweltpädagogik

Krüger-Brand, Heike E.

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LNSLNS Um den Einsatz neuer Medien flächendeckend im Schulalltag zu ermöglichen, sind die Schulen immer stärker auf privatwirtschaftliche Unterstützung angewiesen.
Die Schule steht mitten in einem tiefgreifenden Wandel: Computernetze und das Internet verändern traditionelle Unterrichtsformen und führen dazu, daß sich die Grenzen zwischen Klassen und Schulen auflösen. Die Rolle des Lehrers entwickelt sich vom Wissensvermittler hin zum "Datenmanager", dessen Aufgabe immer mehr darin gesehen wird, die Schüler als Mentor durch den Datendschungel zu begleiten und sie zu einem differenzierten, kritischen und konstruktiven Umgang mit neuen Medien und Technologien anzuleiten. Die Vermittlung beziehungsweise der Erwerb von informationstechnologischer Grundbildung und Medienkompetenz sind mittlerweile zentrale Themen der Bildungspolitik.
Seit 1996 ist eine Reihe von Initiativen ins Leben gerufen worden, um den Start der Schulen ins Informationszeitalter zu beschleunigen - so etwa das bundesweite Projekt "Schulen ans Netz", angestoßen vom Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft, Forschung und Technologie und der Deutschen Telekom, oder die Landesinitiative "NRW-Schulen ans Netz - Verständigung weltweit" vom Ministerium für Schule und Weiterbildung NRW in Zusammenarbeit mit Partnern aus Industrie, Handel und Rundfunk. Inzwischen sind rund 8 500 Schulen vernetzt. Bis Ende 1998 soll sich die Zahl auf 10 000 erhöhen, und bis zum Jahr 2001 sollen alle 44 000 deutschen Schulen am Netz hängen - so der ehemalige Bundesbildungsminister Dr. Jürgen Rüttgers bei einer Fachtagung im September 1998. (Zum Vergleich: In den USA haben 80 Prozent der Schulen Internet-Zugänge, darunter 89 Prozent der Sekundarschulen und 75 Prozent der Grundschulen. 85 Prozent der Schulen haben Multimedia-PC, und in 30 Prozent der Klassenräume ist bereits ein Internet-Anschluß vorhanden. Siehe auch "Computers and Classrooms" - Status of Technology in U.S. Schools: www.ets.org/
research/pic/cc-sum.html) Die Vernetzung der Schulen und ihre Ausstattung mit moderner Technologie gestaltet sich jedoch schwierig, denn wegen der angespannten finanziellen Lage der Kommunen können die erforderlichen Investitionen in Hard- und Software kaum noch aus eigenen Mitteln bestritten werden, sondern müssen durch Drittmittel aus der Wirtschaft finanziert werden. Die Frage der Chancen und Gefahren privatwirtschaftlichen Engagements an Schulen war auch ein zentrales Thema beim 2. Fachkongreß "Schule und Neue Medien" Ende Oktober in Hamburg. Auf dem Kongreß ging es darüber hinaus um die erweiterten Lehr- und Lernmöglichkeiten durch neue Medien und damit verbundene neue Bildungsanforderungen im Zeitalter weltweiter Daten- und Informationsnetze. Veranstalter war die Duales System Deutschland (DSD) AG, Köln, ein Unternehmen, das sich seit Jahren im Bereich der Umweltpädagogik und beim Einsatz neuer Medien für den Schulunterricht engagiert. Was in anderen Ländern an der Tagesordnung ist, trifft hierzulande immer noch auf Skepsis: SponsoringModelle und Kooperationen zwischen Schulen, Hochschulen und Industrie. Dem Unbehagen vor etwaigen Abhängigkeiten durch privatwirtschaftliche Förderleistungen steht ein wachsender Bedarf an qualifiziertem Nachwuchs insbesondere in zukunftsträchtigen Berufszweigen wie beispielsweise dem Maschinen- und Anlagenbau gegenüber. Es gelte, einen gesunden Mittelweg zwischen der Unabhängigkeit der Schulen und den Interessen der Wirtschaft zu finden - so Herbert Reul, Vorsitzender des Bundesfachausschusses für Bildung, Forschung und Kultur. Seiner Ansicht nach hat die Wirtschaft ein elementares Interesse daran, die Schulen ohne unmittelbare Gegenleistung zu unterstützen, "weil den Unternehmen das Ergebnis ihres Engagements in Form von gut ausgebildeten Arbeitskräften langfristig wieder zugute kommt". Auch die Enquête-Kommission des Deutschen Bundestages "Deutschlands Weg in die Informationsgesellschaft" empfiehlt, die "positiven Erfahrungen anderer Länder mit Modellen von Public-Private-Partnerships auch in Deutschland zu nutzen". Beispiel USA: Dort müssen die Schulen die Hälfte ihres Etats in Eigeninitiative akquirieren. Schule als Dienstleister
Ein Beispiel für ein erfolgreiches Sponsoring- und Kooperationsmodell stellte Dr. Claus Rink vom Gymnasium Blücherstraße in Köln-Nippes vor: die Beratungsstelle Umwelt und Gesundheit (BUG), die dort vor dreieinhalb Jahren in Zusammenarbeit mit der Ärztekammer Niedersachsen und der DSD AG mit pädagogischer Unterstützung der Bezirksregierung Köln gegründet wurde. Die Beratungsstelle bietet umweltmedizinisch relevante Informationen für jedermann an. Die Arbeit der BUG konzentriert sich dabei auf die Themen Umweltschutz und Ressourcenschonung durch Recycling. Das Duale System stellt hierfür die Daten als Rohmaterial zur Verfügung, und die Mitarbeiter der BUG bereiten diese in verständlicher Form und unter Einbezug von Illustrationen und selbsterstellten Grafiken auf. Darüber hinaus werden Informationen zu den Bereichen Geowissenschaften und Umweltmedizin angeboten. Eine umfangreiche und ständig aktualisierte Linksammlung kann zur weiteren Recherche genutzt werden. Die BUG ist über ein schulinternes Intranet, das vom Fach Informatik des Gymnasiums unterhalten wird, mit sämtlichen Computern der Schule verbunden. Dadurch können Telekommunikationskosten begrenzt werden.
Daß selbst für sehr spezielle Bereiche Vermarktungschancen bestehen können, verdeutlichte Dr. Rink am internetgerecht aufbereiteten Thema "Ökologie eines Korallenriffs": Zwar hätten sämtliche Schulbuchverlage abgewunken, aber ein großer Reiseveranstalter wird möglicherweise eine Lizenz des Produktes erwerben. Hier sieht Rink im Ansatz abgebildet, was sich zukünftig verstärkt entwickeln kann: Die Schule als Dienstleister vermarktet selbständig Projekte in Kooperation mit der Industrie. Hierbei läßt sich die Interaktivität der neuen Medien als Chance für alle Beteiligten begreifen, selbstgesteuerte Lernprozesse in Gang zu setzen und selbstorganisiertes Informationsmanagement als Vorbereitung auf "das wirkliche Leben" zu betreiben. Heike E. Krüger-Brand


Internet-Adressen


n Beratungsstelle Umwelt und Gesundheit: www.bug-koeln.org
n Deutscher Bildungsserver: http://dbs.schule.de
n Offenes Deutsches Schulnetz: www.schule.de
n Schulen ans Netz e.V.: www.san-ev.de
n Duales System Deutschland AG: www.gruener-punkt.de
n Zentrale für Unterrichtsmedien im Internet: www.zum.de


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