ArchivDeutsches Ärzteblatt PP10/2013Tele­ma­tik­infra­struk­tur: Testbeginn in einem Jahr

POLITIK

Tele­ma­tik­infra­struk­tur: Testbeginn in einem Jahr

PP 12, Ausgabe Oktober 2013, Seite 447

Osterloh, Falk

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Die KBV hat von der gematik Mehrwerte für die Praxen gefordert, zum Beispiel die qualifizierte elektronische Signatur. Sie soll kurz nach dem Beginn der Tests mit Echtdaten erprobt werden.

Foto: dap
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Ende Mai 2013 hatte die Ver­tre­ter­ver­samm­lung (VV) der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) klare Forderungen für die Zukunft der Tele­ma­tik­infra­struk­tur formuliert – und damit auch für die Zukunft der elektronischen Gesundheitskarte. Das Versichertenstammdatenmanagement, also das Aktualisieren der Versichertenstammdaten in der Praxis, müsse für Ärzte und Psychotherapeuten freiwillig sein. Stattdessen sollten die Krankenkassen die Daten selbst aktualisieren. Das sogenannte sichere Netz der Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) müsse künftig an die Tele­ma­tik­infra­struk­tur angebunden und uneingeschränkt nutzbar sein. Und es seien zeitnah medizinische Mehrwerte für die Praxen zu schaffen. Ein Jahr wollte die KBV der zuständigen Gesellschaft für Telematikanwendungen der Gesundheitskarte (gematik) Zeit geben, um auf die Forderungen einzugehen – um danach eventuell Konsequenzen zu ziehen.

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Etwa vier Monate sind nun vergangen. Ist seitdem schon etwas geschehen? „Die gematik fördert verstärkt Mehrwerte für Ärzte, zum Beispiel die qualifizierte elektronische Signatur“, befand der Dezernent der KBV für IT, Telematik und Telemedizin, Bernd Greve, auf dem 19. Anbietermeeting der Kassenärztlichen Bundesvereinigung am 19. September in Berlin. Insofern habe der Beschluss der VV bereits etwas bewirkt.

Ärzte nicht hineinzwingen

Greve stellte klar, dass die Tele­ma­tik­infra­struk­tur, also die Datenautobahn, über die die Patientendaten auf der elektronischen Gesundheitskarte zu den Akteuren im System gelangen sollen, so attraktiv sein müsse, dass Ärzte sie von sich aus nutzen wollten – und nicht hineingezwungen werden müssten.

Er betonte, dass die KBV der Tele­ma­tik­infra­struk­tur, die derzeit durch die gematik aufgebaut wird, vertraue. Deshalb sei es auch das Ziel, dass die Ärzte in Zukunft die Dienste der KBV über die Tele­ma­tik­infra­struk­tur nutzen könnten, sobald das Netz stabil laufe. Voraussichtlich im vierten Quartal 2014 werde die Anbindung des KV-SafeNets an die Tele­ma­tik­infra­struk­tur in den Testregionen erprobt werden; die Erprobung der qualifizierten elektronischen Signatur komme im dritten Quartal 2015 dazu.

KV-WebNet wird eingestellt

Der Leiter der Unterabteilung Haushalt, Recht und Telematik des Bundesministeriums für Gesundheit, Dr. Matthias von Schwanenflügel, begrüßte die Forderungen der KBV nach Anwendungen mit Mehrwert für Ärzte: „Es kann ja nicht sein, dass wir bei den Versichertenstammdaten stehenbleiben.“ Denn wenn es zu keinem Mehrwert komme, könne man sich die ganze Chose sparen.

Der Hauptgeschäftsführer der gematik, Prof. Dr. Arno Elmer, kündigte an, in ungefähr einem Jahr „das weiße Band der Bundes-IT-Autobahn“ durchschneiden zu wollen. „In einem Jahr wollen wir mit Echtdaten aus Arztpraxen und Krankenhäusern in die Erprobung gehen“, so Elmer. Der „Point of no Return“ sei dabei längst überschritten. Bei der Einführung der Tele­ma­tik­infra­struk­tur gehe es zudem nicht allein um die Vernetzung von Sektoren, sondern um die Vernetzung des gesamten Gesundheitswesens.

Der Rollout der elektronischen Gesundheitskarte sei mittlerweile flächendeckend erfolgt, sagte Elmer. Als nächster Schritt sollen in den Testregionen nun zunächst der Versichertenstammdatendienst und die qualifizierte elektronische Signatur erprobt werden, später das Notfalldatenmanagement und die Arznei­mittel­therapie­sicherheit.

KBV-IT-Experte Greve kündigte weiterhin an, dass das KV-WebNet aus Sicherheitsgründen eingestellt werden soll. „Wir wollen heraus aus dem Internet und hinein in ein geschütztes Netz, um weniger angreifbar zu sein“, so Greve. Während das KV-WebNet wegfalle, solle das KV-SafeNet, die Anbindungsmöglichkeit an das sichere Netz der KVen, daher gestärkt werden. An das KV-SafeNet seien bislang 25 000 Ärzte angebunden.

Falk Osterloh

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