ArchivDeutsches Ärzteblatt PP10/2013Internetauftritte von Ärzten und Psychotherapeuten: Die Qualität schwankt beträchtlich

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Internetauftritte von Ärzten und Psychotherapeuten: Die Qualität schwankt beträchtlich

PP 12, Ausgabe Oktober 2013, Seite 450

Sonnenmoser, Marion

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Obwohl Patienten sich zunehmend über das Internet informieren, besitzen nur wenige Ärzte und Psychotherapeuten eine Praxiswebsite. Rechtliche Unsicherheiten und „keine Werbung nötig zu haben“, werden als Gründe genannt.

Patienten informieren sich zunehmend per Internet über Erkrankungen, Behandlungen, Kliniken und Praxen. Die Vorteile des Internets liegen auf der Hand: Es ist schnell, kostengünstig und ständig verfügbar, es hat eine hohe Aktualität und erlaubt umfassende Recherchen. Zudem bietet es die Möglichkeit, dass Patienten sich austauschen und zum Beispiel über ihre Erfahrungen mit einer Therapie oder Praxis berichten und sie eventuell auch bewerten.

Virtuelle Präsentation

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Ärzten und Psychotherapeuten, die eine Klinik oder Praxis betreiben, ermöglicht das Internet, dem zunehmend netzaffinen Informationsverhalten der Patienten entgegenzukommen. Auf ihrer Praxiswebsite können sie sich virtuell präsentieren, aktuell über Veränderungen oder Neuerungen informieren und ihre Angebote über die eigene Region hinaus bekanntmachen. Das Internet ist darüber hinaus eine relativ preiswerte Marketing-Maßnahme. Zudem können auf diesem Weg neue Patienten gewonnen werden, insbesondere jüngere, die sich viel eher als ältere Patienten mittels neuer Medien zum Beispiel über Praxisöffnungszeiten und Behandlungsangebote informieren.

Diese Möglichkeit nutzen nach Meinung einer Arbeitsgruppe um Dr. med. Olaf Kuhnigk vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf allerdings noch zu wenige Niedergelassene. Sie fanden anhand einer Befragung von 956 niedergelassenen Psychiatern und ärztlichen Psychotherapeuten im norddeutschen Raum heraus, dass nur knapp 18 Prozent der Befragten eine Praxishomepage besaßen. Männliche Befragte und solche, die in Städten eine Praxis betrieben, waren eher online als weibliche oder in ländlichen Regionen niedergelassene.

Außerdem analysierten die Autoren die Praxiswebsites der Befragungsteilnehmer. „Häufig beinhalteten die Websites allgemeine Praxisinformationen, Informationen zu medizinischen Leistungen und Erklärungen von Krankheitsbildern“, berichten die Autoren. Seltener waren hingegen Online-Angebote, persönliche Angaben, Hinweise auf behindertengerechte Zugänge, Notdienste und Urlaubsvertretungen auf den Praxiswebsites zu finden.

Die Qualität der Websites schwankte laut Kuhnigk und Kollegen zum Teil beträchtlich. Von 42 Kriterien für eine gelungene Praxiswebsite wurden im Durchschnitt 19 erreicht. Bei der Hälfte der Internetauftritte wurden erforderliche rechtliche Vorgaben nicht berücksichtigt, was leicht zu Abmahnungen und Rechtsstreitigkeiten führen kann. Auf dieses Problem wies auch schon die Stiftung Gesundheit in Hamburg 2008 hin. Sie stellte fest, dass das Impressum bei 45 Prozent der von ihr untersuchten Praxiswebsites nicht den Anforderungen des Telemediengesetzes genügte oder nicht existierte. Bei 19 Prozent der Websites fehlten zudem die vorgeschriebenen Angaben zum Datenschutz.

Chancen zunehmend erkannt

Der Feststellung von Kuhnigk und Kollegen, dass die Möglichkeit zur Präsentation im Internet trotz der genannten Vorteile und dem gestiegenen Informationsbedarf der Patienten von niedergelassenen Ärzten und Psychotherapeuten noch verhältnismäßig selten genutzt wird, schließt sich die Studie „Ärzte im Zukunftsmarkt Gesundheit 2012“ der Stiftung Gesundheit an. Mehr als die Hälfte der 1 168 für diese Studie befragten deutschen Ärzte und Psychologischen Psychotherapeuten begründeten ihre Zurückhaltung damit, dass sie keine Werbung nötig hätten. 22 Prozent meinten, dass das Betreiben einer Homepage zu teuer sei, und fast jeder vierte Befragte verzichtete wegen der vielen rechtlichen Unsicherheiten auf eine eigene Website.

Trotz aller Skepsis bezeichneten 71 Prozent der Befragten das Internet als wichtigste Marketing-Maßnahme; ein Jahr zuvor (2011) waren es noch 65 Prozent. Hier zeichnet sich die Tendenz ab, dass die Chancen und Möglichkeiten, die das Internet bietet, zunehmend erkannt werden. Somit wird ein Internetauftritt künftig nicht mehr aus der Präsentation und dem Management von Arzt- und Psychotherapeutenpraxen wegzudenken sein.

Auf dem Weg zu einer gelungenen Praxiswebsite sind jedoch einige Hindernisse zu überwinden, denn eine solche zu gestalten, ist ein komplexes Unterfangen, das nicht nebenbei zu bewerkstelligen ist. Es gibt jedoch mittlerweile zahlreiche Möglichkeiten, sich zu informieren und bei der Erstellung einer Homepage unterstützen zu lassen, zum Beispiel von Lan­des­ärz­te­kam­mern, Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen), spezialisierten Anwälten und Web-Agenturen oder mit Hilfe von Baukastensystemen. Die Stiftung Gesundheit informiert unter anderem über die Prüfung und Zertifizierung gesundheitsbezogener Websites. Zudem bietet der NAV-Virchow-Bund die „Checkliste für eine rechtssichere Praxis-Homepage“ an, die Ärztekammer und die KV Niedersachsen stellen die „Checkliste für die gute medizinische Website“ kostenfrei zur Verfügung, die auch „Goldene Regeln für die gelungene Praxishomepage“ beinhaltet (Kasten). Die Checkliste erläutert unter anderem die Aspekte „Konzept“ (unter anderem Zielgruppen, Philosophie, Design, Domainname), „Technik“ (Browser, Navigation, Metadaten) und „Inhalte“ (Absichtserklärung, Datenschutz) und informiert über die aktuelle Rechtslage (Telemediengesetz, Berufsordnung). Sie ist ein Ergebnis des Wettbewerbs „Beste medizinische Website“, den die Ärztekammer und die KV Niedersachsen gemeinsam durchgeführt haben. Die Ärztekammer Niedersachsen veröffentlicht darüber hin- aus auf ihrer Website (www.aekn.de) in der Rubrik „Arzt spezial – Neue Medien“ fortlaufend Meldungen und Beiträge rund um das Thema. Hier finden Ärzte und Psychotherapeuten, die eine Praxiswebsite betreiben oder ihre bestehende erweitern möchten, ebenfalls Tipps und Ratschläge.

Dr. phil. Marion Sonnenmoser

@Checkliste für die gute medizinische Website: www.aerzteblatt.de/131854

Goldene Regeln

  • Navigation und Design: Der Seitenaufruf ist ohne Zusatzsoftware möglich.
  • Vertraulichkeit: In einer Datenschutzerklärung wird der Umgang mit personenbezogenen Daten erläutert.
  • Recht: Die laut Telemediengesetz erforderlichen Mindestangaben über den Diensteanbieter sind im Impressum aufgeführt. Die Seite ist berufsrechtlich einwandfrei.
  • Medizinische Informationen: Die Informationen sind sachlich richtig, Quellen werden genannt.
  • Praxisorganisation: Sprechstundenzeiten, Telefon-, Telefaxnummer und E-Mail-Adresse werden genannt.

Auszug aus „Goldene Regeln für die gelungene Praxishomepage“
(Ärztekammer Niedersachsen, 2013)

1.
Krüger T: Psychotherapeuten ins Internet. Psychotherapeut 2003; 48: 267–71 CrossRef
2.
Kuhnigk O, Ramuschkat M, Schreiner J, Schäfer I, Reimer J: Internetauftritte niedergelassener Psychiater. Nervenarzt 2013; 84: 596–602 CrossRef MEDLINE
3.
Stiftung Gesundheit (Hrsg.): Ärzte im Zukunftsmarkt Gesundheit 2012. Online-Publikation. Hamburg: Stiftung Gesundheit 2012.
1.Krüger T: Psychotherapeuten ins Internet. Psychotherapeut 2003; 48: 267–71 CrossRef
2.Kuhnigk O, Ramuschkat M, Schreiner J, Schäfer I, Reimer J: Internetauftritte niedergelassener Psychiater. Nervenarzt 2013; 84: 596–602 CrossRef MEDLINE
3.Stiftung Gesundheit (Hrsg.): Ärzte im Zukunftsmarkt Gesundheit 2012. Online-Publikation. Hamburg: Stiftung Gesundheit 2012.

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