ArchivDeutsches Ärzteblatt PP10/2013Liebe: Johannes Hüppi – Kind der Liebe

KUNST + PSYCHE

Liebe: Johannes Hüppi – Kind der Liebe

PP 12, Ausgabe Oktober 2013, Seite 434

Kraft, Hartmut

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Die Personen auf den Gemälden von Johannes Hüppi sind den Betrachtern seiner Arbeiten wohlbekannt. Immer wieder steht eine sich nur leicht wandelnde junge Frauengestalt im Zentrum. Sie ist – wie es der Künstler selbst sagt – Mutter, Geliebte und Muse in einem. Und nun auf einmal „Maria“. Ein Kind taucht auf mehreren Bildern auf, so auch auf dem hier vorliegenden. „Ja, in jedem Fall sind die Bilder autobiografisch, aus der eigenen Erfahrung, dem eigenen Leben gegriffen“, sagt Hüppi in einem Interview mit Jean-Christoph Ammann. Nach Jahren an verschiedenen Orten in den USA und Mexiko hat der Künstler geheiratet, ist in Basel sesshaft geworden – und hat eine Tochter bekommen. Ein stolzer Vater malt nun die Einschlafszene seiner kleinen Tochter. Auf dem kleinformatigen Gemälde steht das fein ausmodellierte Gesicht des Mädchens in einem reizvollen Kontrast zu der skizzenhaften Darstellung der Bettwäsche. Ein vollkommen harmloses Kinderbild, könnten wir sagen – wären da nicht diese beiden kleinen Hunde im Bett des Kindes. Es sind Schmusetiere der besonderen Art, wie sie ebenfalls zum Bildinventar des Künstlers gehören: „Tiere sind Identifikationsfiguren . . . es handelt sich bei mir um Selbstporträts, allerdings in Gestalt eines Hundes oder Bären.“ Dabei geht die Figur des Hundes auf Kindheitserlebnisse des Künstlers mit einem Schweizer Sennenhund zurück. Hat hier also der Künstler-Vater in den kleinen Hunden sich selber als Schmusetier der Tochter dargestellt? Kuschelt er mit seiner Tochter, oder, besser gesagt, sie mit ihm?

Der besondere Reiz des Bildes liegt in der Verdoppelung dieses Schmusetiers. Die kleine Maria schmiegt ihre Wange nicht nur an einen kleinen Sennenhund – ein zweiter sitzt ihr im Nacken! Und dieser scheint mit einem leicht grimmigen Ausdruck zu ihr zurück zu schauen. Spätestens hier nun beginnt für den Betrachter eine Reaktion, wie sie durch die Bilder von Johannes Hüppi typischerweise ausgelöst wird. Der Betrachter beginnt eine Geschichte um das Bild zu spinnen, das Bild dient als Projektionsfläche für die Handlungen, die der Betrachter den dargestellten Figuren unterstellt. Ob der „Hund im Nacken“ auf das kleine Mädchen aufpasst, wie ein sorgsamer Vater sein Kind vor Gefahren schützen will, oder ob dieser Hund die stets lauernden Gefahren verkörpert, die auf uns alle im Leben lauern – das entscheidet sich im Kopf des Betrachters. Eine Entscheidung über diese oder eine andere „richtige“ Lesart des Bildes lässt sich nicht fällen. Wir bleiben unentschieden. Das kleine Gemälde fungiert wie eine Momentaufnahme, wie ein Filmstill für einen von uns selbst fertigzustellenden Film. Das macht den Reiz des Bildes aus. Und mit diesem Kind, das die Liebe mit all ihren Freuden und Gefahren weitergeben wird, endet die kleine Serie zum Thema Liebe. Sie macht Platz für die „Sieben Todsünden“, die von November 2013 bis Ende 2014 an dieser Stelle mit historischen und zeitgenössischen Beispielen besprochen werden sollen.

Dr. med. Hartmut Kraft

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Biografie Johannes Hüppi

Geboren 1965 in Baden-Baden. 1984–1990 Studium an der Kunstakademie Düsseldorf bei Fritz Schwegler und Dieter Krieg. Mehrjährige Aufenthalte in den USA und Mexiko. 2004–2007 Professur an der Hochschule für Bildende Künste in Braunschweig. Lebt und arbeitet in Basel.

1.
Ammann J-C (Hrsg.): Johannes Hüppi. Bielefeld: Kerber Verlag 2011.
2.
Bahnert M: Johannes Hüppi. Zeichnungen und Aquarelle. Nürnberg: Verlag für Moderne Kunst 2005.
3.
Hüppi J: Johannes Hüppi aus der Sammlung Großhaus. Passau:
Museum Moderner Kunst – Stiftung Wörlen und Museum Schloss Gottorf.
1.Ammann J-C (Hrsg.): Johannes Hüppi. Bielefeld: Kerber Verlag 2011.
2.Bahnert M: Johannes Hüppi. Zeichnungen und Aquarelle. Nürnberg: Verlag für Moderne Kunst 2005.
3.Hüppi J: Johannes Hüppi aus der Sammlung Großhaus. Passau:
Museum Moderner Kunst – Stiftung Wörlen und Museum Schloss Gottorf.

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