ArchivDeutsches Ärzteblatt PP10/2013Psychische Gesundheit in der Arbeitswelt: Wege gegen den Stress

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Psychische Gesundheit in der Arbeitswelt: Wege gegen den Stress

PP 12, Ausgabe Oktober 2013, Seite 440

Bühring, Petra

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Bundesregierung, Arbeitgeber und Gewerkschaften wollen psychischen Erkrankungen am Arbeitsplatz vorbeugen und die erfolgreiche Wiedereingliederung erkrankter Mitarbeiter stärker fördern.

Angesichts der Zunahme psychischer Erkrankungen in der Arbeitswelt wollen Politik, Arbeitgeber und Gewerkschaft gemeinsam gegen Stress und Burn-out am Arbeitsplatz vorgehen. In einer gemeinsamen Erklärung verständigten sich das Bundesarbeitsministerium, die Bundesvereinigung der deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) und der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) auf einen verbesserten Arbeits- und Gesundheitsschutz. Ziel sei es, Methoden und Wege zu erarbeiten, um „die Widerstandsfähigkeit gegen Stress und Burn-out zu stärken“, erklärte Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU).

Ständige Rufbereitschaft und zunehmender Leistungsdruck

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Bundesregierung und Sozialpartner wollen mehr zur Vorbeugung von psychischen Erkrankungen tun und die Wiedereingliederung von erkrankten Beschäftigten verbessern. So soll es für alle Betriebe und öffentlichen Verwaltungen künftig zur Pflicht werden, herauszufinden, wo eine Gesundheitsgefährdung besteht und wie der Schutz verbessert werden kann. Als Faktor für psychische Erkrankungen am Arbeitsplatz sehen Experten die Rufbereitschaft via Handy und E-Mail sowie den zunehmenden Leistungsdruck.

DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach sieht in der Vereinbarung „einen Handlungsauftrag und kein Ruhekissen“. Sie entlasse die nächste Bundesregierung „nicht aus der Pflicht, schnellstens mit einer Antistressverordnung und besseren Mitbestimmungsrechten für klare gesetzliche Regeln im Kampf gegen psychische Belastungen am Arbeitsplatz zu sorgen“.

Die BDA wies die Forderung nach einer Antistressverordnung zurück, verbunden mit dem Hinweis, „dass die Ursachen für psychische Erkrankungen vielfältig sind und arbeitsbezogene Faktoren nur eine mögliche Ursache neben anderen darstellen“. Wissenschaftlich sei kein Anstieg psychischer Erkrankungen nachgewiesen, es sei „nur die Zahl der Diagnosen in den letzten Jahren gewachsen“. Ausdrücklich wird in der Erklärung auch die Verantwortung der Beschäftigten für den Erhalt und die Stärkung ihrer psychischen Gesundheit hervorgehoben.

Die Bundes­psycho­therapeuten­kammer (BPtK) begrüßt das Engagement der Bundesregierung und der Sozialpartner. „Dieser Absichtserklärung sollten jetzt konkrete Taten folgen“, fordert Prof. Dr. Rainer Richter, Präsident der BPtK. Ebenso wichtig sei die rechtzeitige Behandlung von psychischen Erkrankungen. Auch die Sozialpartner halten es in ihrer Erklärung für notwendig, die psychotherapeutische Versorgung bedarfsgerecht auszubauen.

Die BPtK fordert deshalb, Akutsprechstunden in der psychotherapeutischen Versorgung verlässlich zu verankern, die gruppentherapeutische Versorgung breiter auszubauen und die regionale Vernetzung von Leistungserbringern zu unterstützen. Im Gegensatz zu Mitarbeiterberatungsprogrammen oder Kooperationsprojekten von Großbetrieben würden davon auch die Beschäftigten aus kleinen und mittleren Unternehmen profitieren. „Wir werden sehen, ob die Sozialpartner auch in den Selbstverwaltungen der Sozialversicherungen auf die notwendigen Änderungen drängen“, sagte Richter.

Petra Bühring

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