ArchivDeutsches Ärzteblatt PP10/2013Sexueller Kindesmissbrauch: Guter Überblick mit neuen Aspekten

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Sexueller Kindesmissbrauch: Guter Überblick mit neuen Aspekten

PP 12, Ausgabe Oktober 2013, Seite 475

Fegert, Jörg M.

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Die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Kindesmissbrauch stellt aufgrund der starken emotionalen Besetzung des Themas immer auch eine Herausforderung dar. In Deutschland ist die Thematik in den letzten Jahren in Zusammenhang mit der Aufarbeitung des Missbrauchs an Heimkindern wieder verstärkt in den Blickpunkt der Öffentlichkeit geraten, und so ist es erfreulich, dass sich die Herausgeber und Autoren der Herausforderung stellen, die aktuelle Forschung zum Thema Kindesmissbrauch und Pädophilie darzustellen.

Mit diesem dritten Band der Wiener Schriftenreihe für Forensische Psychiatrie ist es den Herausgebern gelungen, das Thema sexueller Kindesmissbrauch und Pädophilie aus zahlreichen Perspektiven zu beleuchten. Die Beiträge basieren überwiegend auf Vorträgen, die auf der fünften Wiener Frühjahrstagung für Forensische Psychiatrie gehalten wurden. Die einzelnen Beiträge der namhaften, überwiegend aus Österreich stammenden Autoren spannen einen weiten Bogen. Nach Aufsätzen zur Epidemiologie und Phänomenologie sowie einer historischen Betrachtung von Kindesmissbrauch folgen Beiträge über Entstehungsbedingungen, Folgen, Interventionsmöglichkeiten und Präventionsprogramme sowie über österreichische strafrechtliche und zivilrechtliche Aspekte. Den Abschluss bilden Arbeiten zur Glaubhaftigkeitsbegutachtung sowie zum Umgang mit Erinnerungen an Missbrauch in der Psychotherapie. Dabei werden auch aktuelle Themen wie Kinderpornografie im Internet, computerforensische Untersuchungen oder Missbrauch in Institutionen berücksichtigt.

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Der Band bietet aufgrund der differenzierten Beiträge dem mit dem Thema noch wenig vertrauten Leser einen guten ersten Überblick, aber auch dem mit dem Thema vertrauten Leser viele neue Aspekte. Interessant für den deutschen Leser ist der Blick in das österreichische Straf- und Zivilrecht. Natürlich kann eine Aufsatzsammlung keine umfassende Darstellung des Themas sexueller Kindesmissbrauch im Sinne eines Lehrbuchs ermöglichen. Dafür sind die einzelnen Kapitel zu unabhängig voneinander, was einerseits zu Überschneidungen führt, gleichzeitig aber auch eine Integration von Befunden verschiedener Fachdisziplinen erschwert.

Insgesamt ist das lesenswerte Buch aufgrund der vielen Anregungen und gut lesbaren Kapitel daher jedem interessierten Leser zu empfehlen. Jörg M. Fegert

Thomas Stompe, Werner Laubichler, Hans Schanda (Hrsg.): Sexueller Kindesmissbrauch und Pädophilie. Medizinisch Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Berlin 2013, 330 Seiten, kartoniert, 49,95 Euro

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