ArchivDeutsches Ärzteblatt PP10/2013Psychoanalyse und Kunst: Einblick in lebenslange Krisen

BÜCHER

Psychoanalyse und Kunst: Einblick in lebenslange Krisen

PP 12, Ausgabe Oktober 2013, Seite 472

Barley, Ingrid

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Das Buch entstand aus einer 20-jährigen Freundschaft des Psychoanalytikers Tilmann Moser mit der Malerin Antje Stocker. Die im Zweiten Weltkrieg geborene, heute 80-Jährige bekam vom früh verstorbenen Vater als Vermächtnis: „Suche mit Malerei dein lebendiges Selbst.“

Der Autor erhielt über ihre Bilder Einblick in ihre lebenslangen Krisen, in Verzweiflung und Wachstum, einsames Durchhaltevermögen und in stille, glückliche Triumphe beim Malen in ihrer Klause. Auch löste sich die Künstlerin aus einer religiösen Indoktrination, geriet aber danach in „eine schwer auszuhaltende Verlorenheit, ja Trostlosigkeit“. Bis heute gebe es Phasen, in der sie eine nächtliche Panik überfällt.

Anzeige

Das Buch enthält 28 Bilder, die im Lauf des Lebens in verschiedenen Maltechniken entstanden sind. Der Autor führt den Leser und Betrachter der Werke durch die verschiedenen Phasen ihres krisenreichen Lebens. Zeitweise war das Malen für sie ein Prozess „zur Selbstrettung aus bedrohlichen Zuständen . . .“. Jedes Bild wird von dem Analytiker oder von der Künstlerin selbst kommentiert. Zum Beispiel sagt sie: „Dass ich Herrin über die Verteilung von Hell und Dunkel wurde, gab mir zunehmend Mut und vertrieb das elende Gefühl der Wehrlosigkeit.“

Besonders bewegend sind die einprägsamen Bilder in der Technik „Tusche und Ölkreide“ mit den Andeutungen menschlicher Gestalten aus der Lebenswelt der Künstlerin. Einen breiten Raum nehmen dabei die Themen Einsamkeit und Depression, die Beziehung zu Vater und Mutter sowie die kritischen Fragen zur Existenz Gottes ein.

Das Buch mit den eindrucksvollen Darstellungen der Künstlerin kann den Leser dazu anregen, die Phasen seines eigenen Lebens zu erinnern, zu reflektieren und vielleicht manches „Unerledigte“ sogar zu bearbeiten. Ingrid Barley

Tilmann Moser, Antje Stocker: Verlorene Nähe, Tragische Fremdheit. Das Spätwerk in psychoanalytischer Deutung. Modo, Freiburg i. Br. 2013, 92 Seiten, kartoniert, 22 Euro

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema