ArchivDeutsches Ärzteblatt41/2013Deutsche Exzellenzforschung wird zu selten sichtbar

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Deutsche Exzellenzforschung wird zu selten sichtbar

Dtsch Arztebl 2013; 110(41): A-1888 / B-1668 / C-1636

Siegmund-Schultze, Nicola

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Den diesjährigen Nobelpreis für Medizin oder Physiologie haben drei Wissenschaftler für die Erforschung grundlegender Mechanismen von Transportsystemen in Zellen erhalten (siehe nebenstehenden Bericht). Einer von ihnen, Prof. Dr. med. Thomas C. Südhof, 57 Jahre alt, stammt aus Göttingen. Er hat an der RWTH Aachen Medizin studiert, am Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie promoviert und ist 1983 als Postdoc an die University of Texas in Dallas gegangen. Schon zehn Jahre später erschien eine der herausragenden Arbeiten, die das Nobelpreiskomitee nun besonders heraushob (Nature 1993; 366: 347–51). 1995 wird Südhof Direktor am Max-Planck-Institut (MPI) für experimentelle Medizin in Göttingen, kehrt aber nach drei Jahren in die USA zurück.

Es ist der Beginn von Südhofs Karriere in Deutschland und die kontinuierliche Zusammenarbeit aus den USA mit deutschen Kollegen wie dem Neurobiologen Prof. Dr. rer. nat. Reinhard Jahn vom MPI für biophysikalische Chemie in Göttingen, die unter anderem die Gratulation von Bundeswissenschaftsministerin Prof. Dr. rer. nat. Johanna Wanka ausgelöst haben dürften: „Diese große Auszeichnung ist Anerkennung und Ansporn für alle deutschen Wissenschaftler, die sich in der Gesundheitsforschung engagieren“, schreibt Wanka.

Von 204 Nobelpreisen für Medizin oder Physiologie (seit 1901) gingen 98 in die USA, inklusive der diesjährigen, 17 nach Deutschland. „Die Verteilung bildet natürlich auch das Volumen der Forschungsinvestitionen in den Ländern ab“, sagte Prof. Dr. rer. nat. Helmut Schwarz, Präsident der Alexander-von-Humboldt-Stiftung in Berlin und ehemaliger Vizepräsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft, zum Deutschen Ärzteblatt. Darüber hinaus habe sich durch das Vorschlagsrecht ehemaliger Nobelpreisträger ein Schneeballsystem entwickelt, das Länder mit vielen Laureaten begünstige. Schwarz ist in der Vergangenheit selbst regelmäßig nach Kandidaten für den Chemienobelpreis gefragt worden und hat zum Beispiel den Preisträger von 2007, Gerhard Ertl, vorgeschlagen. „Ich glaube, Deutschland wird mit seiner exzellenten Forschung auf vielen naturwissenschaftlichen Gebieten nicht genug wahrgenommen“, sagt Schwarz. „Es wäre gut, wenn die großen Forschungsgesellschaften und die Universitäten, initiiert zum Beispiel über die Hochschulrektorenkonferenz, mehr dazubeitragen würden, die deutsche Forschung international auf den Radarschirmen der Wissenschaft sichtbar zu machen.

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Dr. rer. nat. Nicola Siegmund-Schultze

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