ArchivDeutsches Ärzteblatt41/2013Gesundheitswesen: Der „Rote Punkt“
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. . . Bei der Einführung der gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rung galten Krankheiten als Schicksal, dem man nicht ausweichen konnte, deren Folgen man aber gemeinsam schultern wollte. Inzwischen kennen wir aber die Ursache vieler Krankheiten und können ihnen mit Hygiene, Impfungen, Vorsicht und Verzicht begegnen. Heute gilt nicht mehr jede Krankheit als unausweichliches Schicksal. Wir wissen inzwischen: Das eigene Verhalten hat Einfluss auf die Gesundheit, weshalb alle Versicherungsträger inzwischen für ein gesundheitsbewusstes Verhalten verschiedene finanzielle Anreize setzen . . .

Und immer entsteht, wenn der Bürger seine Kran­ken­ver­siche­rungsbeiträge entrichten soll, auch ein Gerechtigkeitsproblem. Deshalb sollte man auch immer wieder neue Wege für die Finanzierung des Gesundheitswesens suchen. Deshalb sind die Analysen und Vorschläge von Dr. Drabinski auch so wertvoll. Ich danke Ihnen, dass sie sie abgedruckt haben.

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Die Beiträge von Bürgern und Arbeitgebern orientieren sich bisher vor allem am Einkommen beziehungsweise (bei der PKV) am Krankheitsrisiko des Alters. Ein Problem aber ist allen Systemen immanent: Wer mit seiner Gesundheit sorgfältig umgeht, zahlt für den, der seiner Gesundheit Gefahren aussetzt beziehungsweise der mit seiner Gesundheit sogar Schindluder treibt. Die eigene Gesundheit steht aber, wie wir inzwischen sicher wissen, in einem Zusammenhang mit dem Gebrauch bestimmter, die Gesundheit gefährdender Produkte.

Deshalb halte ich es für an der Zeit, ein gänzlich neues, zusätzliches System für die Finanzierung unseres Gesundheitswesens einzuführen:

Bereits beim Verkauf gesundheitsgefährdender Produkte ließen sich die Folgekosten als Krankheitkosten-Abgabe (keine Steuer!) erheben, die dem Preis aufgeschlagen werden und die allein dem Gesundheitswesen (GKV, PKV und Berufsgenossenschaften) zufließen. Die Höhe einer solchen Abgabe wäre bei jedem einzelnen Produkt nach seinem Preis, dem Gefährdungspotenzial und nach den Folgekosten zu kalkulieren. Einzelheiten zu dem System und zu den Produkten können nachgelesen werden: http://www.dr-guenterberg.de/content/publikationen/2008/01_der-ro

te-punkt.pdf

Weil diese Abgabe sich allein am Konsum bemisst, berücksichtigt das System die finanzielle Leistungsfähigkeit, ist daher sozial und gerecht. Es könnte – unabhängig von sonstigen Reformen – unser Gesundheitswesen langfristig stabilisieren. Was der „Grüne Punkt“ für die Umwelt ist, wäre der „Rote Punkt“ für die Gesundheit.

Niemand zahlt gern mehr, auch nicht für seine Gesundheit. Weil aber ein solches System Einfluss auf das Risiko- und Gesundheitsverhalten der Menschen hat, weil es auch dazu dient, die allgemeine Gesundheit der Bürger zu verbessern, wird es auf allgemeines Verständnis stoßen, wäre damit auch politisch durchzusetzen.

Dr. med. Klaus Günterberg, 12623 Berlin

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