ArchivDeutsches Ärzteblatt41/2013Edvard Munch: „Der Schrei“ hinter weißem Wandfries

KULTUR

Edvard Munch: „Der Schrei“ hinter weißem Wandfries

Dtsch Arztebl 2013; 110(41): A-1923 / B-1699 / C-1663

Schimanke, Wilfried

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Auf der Jahrhundertausstellung in Oslo, „Munch150“, sind mehr als 220 Gemälde und 50 Zeichnungen des norwegischen Künstlers zu bewundern.

Foto: Børre Høstland, Nasjonalmuseet
Foto: Børre Høstland, Nasjonalmuseet

Ganz Norwegen feiert den 150. Geburtstag des expressionistischen Malers, Grafikers und Fotografen Edvard Munch. Aus diesem Grund sind derzeit in Oslo auf der wohl weltweit größten Munch-Ausstellung mehr als 220 Gemälde und circa 50 Zeichnungen des norwegischen Avantgardisten der bildenden Kunst zu bewundern. Dieses bereits als „Jahrhundertausstellung“ gefeierte Ereignis verteilt sich auf mehrere Orte: Die Werke von 1882 bis 1903 werden in der Nationalgallerie gezeigt; Munchs Schaffen von 1904 bis zu seinem Tod 1944 ist im Munch-Museum zu sehen. Die Aula der Universität Oslo ist mit den monumentalen Wandgemälden „Die Sonne“, „Geschichte“ und „Alma mater“ geschmückt.

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Ein, wenn nicht der Höhepunkt der Ausstellung ist die Rekonstruktion des „Fries des Lebens“, wie er erstmals 1902 in Berlin gezeigt wurde. Dazu wurden so berühmte Gemälde wie „Angst“, „Madonna“, „Der Schrei“ und viele andere ihrer Rahmen entkleidet und hinter einem weißen Wandfries angeordnet. In diesem Zyklus findet sich auch das Gemälde „Tod im Krankenzimmer“, in dem Munch den frühen Tod seiner Schwester Sophie verarbeitete und seine gesamte Familie abbildete. Der ungewöhnlichste Ort, an dem Munchs Werke ausgestellt werden, ist die Freia Schokoladenfabrik in Oslo. Als Auftragswerk zur Dekoration der Cafeteria hat Munch in den frühen 20er Jahren des vorigen Jahrhunderts 18 Gemälde angefertigt, die heute noch dort zu betrachten sind. Die Motive dazu hat er in der Umgebung seines Sommerhauses in Åsgårdstrand am Oslo-Fjord eingefangen.

Edvard Munch verbrachte immer wieder längere Lebensphasen in Deutschland. Die erste Ausstellung in Berlin 1892 endete allerdings mit einem Skandal und wurde bereits nach einer Woche geschlossen. Dennoch empfand Munch die Stadt als inspirierend und lebte fortan immer wieder einmal dort. Von 1902 bis 1908 hielt er sich fast ausschließlich in Deutschland auf und wohnte unter anderem in Berlin, Lübeck, Weimar und Bad Kösen. Seine vielleicht produktivste Phase in Deutschland hatte er in Warnemünde, wo er 1907 und 1908 beim Lotsen Carl Nielsen Am Strom 53 Quartier bezog. Dort vollendete Edvard Munch die in Berlin entstandene erste Version von „Marat´s Tod“. Mit dem Zyklus „Das grüne Zimmer“ stellte er Abgründe des Lebens und der Liebe („Eifersucht“, „Begierde“, „Die Mörderin“, „Zum süßen Mädel“) dar. Das Motiv der „Badenden Männer“ wird nicht nur als Gemälde dargestellt, sondern ist auch eines der fotografischen Versuche, mit denen sich Munch in Warnemünde beschäftigt hat. Dabei experimentierte er mit Doppelbelichtungen und fertigte zahlreiche Porträtaufnahmen an. 1908 verließ Munch nach einem Nervenzusammenbruch Deutschland endgültig. Das Haus Am Strom 53 ist heute als Sitz des Edvard-Munch-Hauses eine Begegnungsstätte junger skandinavischer und deutscher Künstler.

Dr. med. Wilfried Schimanke

Informationen

Die Ausstellung im Munch-Museum und in der Nationalgallerie in Oslo ist bis 13. Oktober täglich von 10 bis 17 Uhr, donnerstags bis 19 Uhr geöffnet. Die Aula der Universität ist (mit einzelnen Ausnahmen) freitags bis sonntags von 13 bis 17 Uhr geöffnet. Die Cafeteria der Freia Schokoladenfabrik ist samstags und sonntags von 13 bis 17 Uhr zugänglich. Neben der Jahrhundertausstellung Munch150 finden in Norwegen und weltweit zahlreiche weitere Veranstaltungen statt, zum Beispiel die Ausstellung „Munch auf Papier“ im Munch-Museum Oslo (1. November bis 2. Februar 2014), die „Master Prints“ im Kunsthaus Zürich (4. Oktober bis 4. Januar 2014) und das „Treffen der Meister: Ibsen – Munch“ (bis Februar 2014) im Ibsen-Museum Oslo. Weitere Veranstaltungen: www.munch150.no/en.

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