ArchivDeutsches Ärzteblatt41/2013Spätfolgen von Doping: Entschädigungsrente für DDR-Dopingopfer

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Spätfolgen von Doping: Entschädigungsrente für DDR-Dopingopfer

Dtsch Arztebl 2013; 110(41): A-1887 / B-1667 / C-1635

Siegmund-Schultze, Nicola

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Sportler aus der ehemaligen DDR, die ohne ihr Wissen Dopingmittel erhalten haben, können für Gesundheitsschäden Anspruch auf Opferentschädigungsrente geltend machen. Das hat das Sozialgericht Berlin entschieden (Az.: S 181 VG 167/07). Es gab einer Kanutin aus der DDR-Nationalmannschaft Recht. Sie hatte von 1982 bis 1988 in einer Kinder- und Jugendsportschule trainiert und seit dem 16. Lebensjahr vom Trainer „blaue Pillen“ erhalten. Diese enthielten offenbar das Anabolikum Oral-Turinabol. Außerdem bekam das Mädchen vom Trainer Gestationshemmer.

Im Alter von 32 Jahren erkrankte die Sportlerin an Brust-, später auch an Hautkrebs. Weitere Krankheiten und Beschwerden folgten. Die gesundheitlichen Probleme führte sie auf die Dopingmittel zurück. Sie beantragte beim Berliner Landesamt für Gesundheit und Soziales eine Rente nach dem Opferentschädigungsgesetz. Ihr Trainer habe ihr die Arzneien als „Vitamin“-Tabletten gegeben. Die Anabolika seien letztlich ursächlich für ihre schweren Erkrankungen gewesen.

Die Behörde lehnte den Antrag ab. Es sei davon auszugehen, dass die Klägerin in den Dopinggebrauch eingewilligt habe. Anders sieht es das Sozialgericht: Die Jugendliche sei bewusst im Unklaren über die Substanzen und mögliche Spätfolgen gelassen worden. Daher stehe ihr eine Opferentschädigungsrente zu, allerdings nur für den Zeitraum, seit dem die Schädigungsfolgen einen Grad von 50 Prozent ausmachten. nsi

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