ArchivDeutsches Ärzteblatt41/2013Metastasiertes Nierenzellkarzinom: Pazopanib ist besser verträglich als Sunitinib

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Metastasiertes Nierenzellkarzinom: Pazopanib ist besser verträglich als Sunitinib

Dtsch Arztebl 2013; 110(41): A-1913 / B-1690 / C-1656

Siegmund-Schultze, Nicola

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Das klarzellige Nierenzellkarzinom macht mit 70 bis 85 % der Nierenzellkarzinome (RCC) den häufigsten histologischen Subtyp aus und ist mit hohem Metastasierungsrisiko assoziiert. Jährlich werden in Deutschland circa 15 000 RCC-Neuerkrankungen diagnostiziert. Für die systemische Erstlinientherapie des metastasierten RCC mit günstigem oder mittlerem Risikoprofil ist derzeit Sunitinib Standard und Referenzsubstanz für klinische Studien. Zu den vergleichsweise häufigen, schwergradigen Nebenwirkungen gehören Hypertonus, Fatigue, Diarrhö und Hand-Fuß-Syndrom. In einer randomisierten, open-label Phase-III-Studie ist Sunitinib mit dem Tyrosinkinaseinhibitor (TKI) Pazopanib als Erstlinienbehandlung verglichen worden. Primärer Endpunkt war die Nicht-Unterlegenheit von Pazopanib gegenüber dem Standard im progressionsfreien Überleben (PFS), sekundäre Endpunkte waren Gesamtüberleben (OS), Toxizität und die Lebensqualität.

Es wurden 1 110 Patienten mit neu diagnostiziertem, fortgeschrittenem oder metastasiertem klarzelligem RCC randomisiert: Eine Gruppe (n = 557) erhielt 800 mg Pazopanib oral ein Mal pro Tag, die zweite Gruppe bekam 50 mg Sunitinib ein Mal täglich für vier Wochen, gefolgt von zwei Wochen Pause (n = 553). In beiden Studienarmen wurde bis zum Progress der Erkrankung, dem Auftreten inakzeptabler unerwünschter Effekte oder der Unterbrechung der Therapie auf Patientenwunsch behandelt. Die durchschnittliche Therapiedauer war mit 8,0 Monaten unter Pazopanib und 7,6 Monaten unter Sunitinib vergleichbar. Das mediane PFS unterschied sich mit 8,4 Monaten unter Pazopanib (95-%-Konfidenzintervall [KI] 8,3–10,9) nicht signifikant von dem unter Sunitinib (9,5 Monate; 95-%-KI 8,3–11,1). Das mediane OS betrug 28,4 Monate unter Pazopanib (95-%-KI 26,2–35,6) und 29,3 Monate unter dem Referenz-TKI, ein Unterschied ohne statistische Signifikanz (Hazard Ratio für krankheitsbedingten Tod unter Pazopanib vs. Sunitinib: 0,91). Unter Sunitinib trat häufiger ein Hand-Fuß-Syndrom auf (50 %) als unter Pazopanib (29 %), ebenso Thrombozytopenie (78 vs. 41 %) und Fatigue (63 vs. 55 %), die Pazopanib-Therapie war häufiger mit einer Erhöhung der Alanin-Aminotransferase assoziiert als Sunitinib (60 vs. 43 %). Die mit mehreren Scores erhobenen Lebensqualitäts-Parameter ergaben eine höhere Zufriedenheit mit Pazopanib durch weniger Hand-Fuß-Syndrome, Fatigue und Stomatitis und weniger stationäre Notaufnahmen.

Fazit: Sunitinib und Pazopanib sind in der Erstlinientherapie des fortgeschrittenen oder metastasierten Nierenzellkarzinoms vergleichbar effektiv, Pazopanib aber besser verträglich. „Die mit Pazopanib behandelten Patienten profitierten im Vergleich zu Sunitinib-behandelten im Sinne einer besseren Lebensqualität (FACIT-Fatigue, Fragebogen zu Stomatitis und Hand-Fuß-Syndrom)“, kommentiert Priv.-Doz. Dr. med. Marcus Schenck, Leitender Oberarzt in der Sektion Uro-Onkologie am Universitätsklinikum Essen. „Im Vergleich waren Grad 3/4 Nebenwirkungen wie Hand-Fuß-Syndrom und Asthenie in der Sunitinibgruppe signifikant stärker ausgeprägt. Generell sollten bei der oralen TKI-Applikation regelmäßig Laborkontrollen zur Leberfunktion, Blutdruckmessungen und Befragungen zur Befindlichkeit und Lebensqualität erfolgen.“

Dr. rer. nat. Nicola Siegmund-Schultze

Motzer RJ, Hutson TE, Cella D, Reeves J, et al.: Pazopanib versus Sunitinib in metastatic renal-cell carcinoma. NEJM 2013; 369: 722–31. MEDLINE

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