ArchivDeutsches Ärzteblatt41/2013Börsebius: Moderne Raubritterei

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Börsebius: Moderne Raubritterei

Dtsch Arztebl 2013; 110(41): A-1928 / B-1704 / C-1668

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Es war einmal eine Verbraucherschutzministerin, der kam zu Ohren, dass manche Banken für Dispositionskredite horrende Überziehungszinsen verlangen sollen. Das war vor gut einem Jahr. Und was eine rechtschaffene Ministerin ist, haute sie dann auch, wie wir in Köln zu sagen pflegen, op de decke Trumm, um irgendwelche Verbandsoberen zu erschrecken.

Doch der Paukenschlag, den Ilse Aigner im Herbst vorigen Jahres losließ, verpuffte im politischen Nirwana. Nichts war es mit dem Versprechen, „erforderliche Maßnahmen zur größeren Transparenz“ zu prüfen. Geschehen ist bislang kaum Nennenswertes, und das wird ja wohl wegen des Aigner’schen Abgangs auch so bleiben.

Immerhin intervenierte die damalige Bundesverbraucherministerin noch vor gut drei Monaten bei den Verbänden der deutschen Kreditwirtschaft, etwas gegen die hohen Zinsen zu tun. Unisono empfahlen daraufhin sowohl der Bundesverband deutscher Banken als auch der Deutsche Sparkassen- und Giroverband und natürlich auch der Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken ihren Mitgliedsinstituten, die Dispositionszinsen im Internet zu veröffentlichen. Das ist, verglichen mit dem ursprünglichen ministeriellen Ansinnen, ein Hohn.

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Natürlich, so ermittelte die Stiftung Warentest, veröffentlichen jede Menge Banken auch weiterhin nicht die Sätze für ein Überschreiten der Dispositionslinien, was für sich genommen schon ein Skandal ist. Der weitaus größere ist aber, dass sich am eigentlichen Thema, dass die Banken ihre Kunden besonders dann schröpfen, wenn Sie ihr Konto überziehen, kein Jota geändert hat. Von den 1 538 von der Stiftung Warentest untersuchten Banken verlangen mehr als 100 Institute Dispozinsen von 13 Prozent und mehr. Aber auch der durchschnittliche Zinssatz für einen Überziehungskredit liegt immer noch bei 11,3 Prozent, und das ist blanker Horror.

Es gibt keinen vernünftigen Grund für diese immensen Zinskosten, vor allem nicht beim derzeitigen Kapitalmarktumfeld, wo die Geldbeschaffungskosten für die Kreditinstitute extrem niedrig sind. Ich habe im Studium gelernt, dass die Zinsspanne (Spread zwischen Kredit- und Einlagenzins) irgendwo zwischen zwei und drei Prozent liegen müsse, damit die Banken ein wirtschaftliches Auskommen haben. Aktuell liegt sie um Welten darüber und kann nur mit der Gewinngier der Branche erklärt werden.

Es wäre ein Leichtes, wenn es denn freiwillig nicht geht, Banken per Gesetz zu verpflichten, ihre Überziehungszinsen im Internet zu veröffentlichen und so für echten Wettbewerb zu sorgen. Wieso kann ein Verbraucherministerium seine Aufgabe, Verbraucher zu schützen, nicht wirksam durchsetzen? Diese Form der modernen Raubritterei muss jedenfalls ein Ende haben.

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