ArchivDeutsches Ärzteblatt41/2013Medizinstudium im Ausland: Eine Alternative zur Wartezeit

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Medizinstudium im Ausland: Eine Alternative zur Wartezeit

Dtsch Arztebl 2013; 110(41): A-1931 / B-1707 / C-1671

Brehm, Robert

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Wer an Numerus clausus und Medizinertest scheitert, kann es im Ausland versuchen. In der Regel ist der Umweg aber teuer.

Foto: Caro
Foto: Caro

Jedes Jahr warten Tausende Bewerber vergeblich auf ihre Zulassung zum Medizinstudium. Für das Wintersemester 2012/2013 haben sich laut hochschulstart.de, der Stiftung für Hochschulzulassung, 42 726 Anwärter auf 8 989 Medizinstudienplätze beworben – knapp fünf Bewerber auf einen Platz.

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Studieren im Ausland kann sich lohnen und gleichzeitig die Chancen auf einen Studienplatz im höheren Fachsemester mit anrechenbaren Studienleistungen verbessern:

  • In der Schweiz bewarben sich 2010 laut Schweizer Hochschulrektorenkonferenz etwa vier Kandidaten um jeden Medizinstudienplatz. Eine Bewerbung dort hat nur Sinn, wenn der Bewerber oder seine Eltern entweder Schweizer oder dort niedergelassen sind.
  • In Österreich darf nur jeder fünfte Medizinstudienplatz an Bewerber aus einem anderen EU-Land vergeben werden. Der starke Bewerberstrom aus Deutschland führte zu geringen Chancen für Österreicher. Das gleiche Problem hat Belgien mit Bewerbern aus Frankreich. Der EU-Gerichtshof erlaubte es Universitäten in Österreich und Belgien, den Zugang zum Medizinstudium für Ausländer zu begrenzen.

Außerhalb des deutschsprachigen Raums sind die Chancen auf einen Studienplatz größer.

  • In Ungarn bieten mehrere Hochschulen das Medizinstudium auf Deutsch und Englisch an. Die Kosten für ein Studienjahr belaufen sich auf circa 6 500 Euro pro Semester. Die Lebenshaltungskosten sind allerdings günstiger als in Deutschland. Die Unterrichtssprache für das Medizinstudium ist Englisch, doch kann in den ersten drei Jahren auf Deutsch studiert werden. Ein deutschsprachiges Medizinstudium bieten folgende ungarische Universitäten an: die Semmelweis-Universität in Budapest, die Szent-Györgyi-Universität in Szeged und die University of Pécs.
  • In Tschechien kann Medizin auf Englisch oder Tschechisch studiert werden. Der englische Studiengang dauert sechs Jahre und wird mit dem Master abgeschlossen.
  • Die Universität Luxemburg bietet ein erstes Studienjahr in Medizin im Rahmen des akademischen Bachelors in Biowissenschaften an. Der Unterricht entspricht den Anforderungen eines ersten Jahres in Medizin an den medizinischen Fakultäten der Universitäten. Die Weiterführung des Studiums ist in Frankreich, Belgien und Deutschland möglich.
  • An der Riga Stradins University in Litauen kostet das erste Fachsemester 8 000 Euro. Die Gebühren steigen nach dem Studienfortschritt auf bis zu 10 000 Euro. Unterrichtssprache ist Englisch.
  • Die Studiengebühren an der University of Zagreb in Kroatien liegen bei ungefähr 7 000 Euro im Jahr. Auch hier ist die Studiensprache Englisch.
  • An der Comenius University-Jessenius in Martin in der Slowakei liegen die Studiengebühr bei circa 9 000 Euro (Studiensprache: Englisch).

Wer sein Studium komplett in einem EU-Land abschließt, hat in Deutschland dank des Gleichbehandlungsgebots keine Probleme. Der Weg nach Deutschland führt über das Landesprüfungsamt des Bundeslandes, in dem der Hauptwohnsitz liegt. Obwohl der Wechsel im gleichen Studiengang von einer Hochschule an eine andere innerhalb der EU ein „Ortswechsel“ ist, spricht man bei dem Versuch, nach einem ausländischen Beginn sein Studium in Deutschland fortzusetzen, immer noch vom „Quereinstieg“: Es geht aber darum, das gleiche Studium an einem anderen Studienort fortzusetzen. Der „Quereinstieg“ beginnt mit der Bewerbung an den Universitäten direkt in ein höheres Fachsemester. Während hochschulstart.de für die Vergabe von Studienplätzen im ersten Fachsemester zuständig ist, erfolgt die Vergabe von Studienplätzen in höheren Fachsemestern durch die Hochschulen selbst. Der Nachweis der Qualifikation für ein höheres Fachsemester erfolgt durch einen Anrechnungsbescheid, mit dem die Studienzeiten und Studienleistungen des Auslandsstudiums auf das Studienfach angerechnet werden. In den Fächern Medizin, Zahnmedizin und Pharmazie sind für die Erteilung der Anrechnungsbescheide die Landesprüfungsämter der einzelnen Bundesländer zuständig. Die regionale Zuständigkeit richtet sich in der Medizin nach dem Geburtsort des Bewerbers, in der Zahnmedizin und der Pharmazie nach dem ersten Wohnsitz. Die Bewerbung muss innerhalb bestimmter Fristen bei den Universitäten eingegangen sein (der Poststempel genügt nicht). Die Unterlagen können gegebenenfalls nachgereicht werden.

Die Hochschulen haben für die Bewerbung im höheren Fachsemester besondere Formulare, die man aus dem Internetauftritt der Universitäten herunterladen kann. Der Bewerbungsantrag sollte sechs bis vier Wochen vor Ablauf der Bewerbungsfrist an den Hochschulen gestellt werden. Dies gilt auch dann, wenn man die Scheine noch fertig machen muss oder wenn eine Wiederholungsklausur erst in der vorlesungsfreien Zeit geschrieben wird. Nachreichen kann man die Anrechnung immer. Universitäten, die behaupten, man könne die Anrechnung nicht nachholen, sind damit stets gescheitert.

Um die eigenen Rechte optimal wahren zu können, ist es notwendig, jeder Bewerbung einen Zusatzantrag beizufügen. Dafür gibt es kein amtliches Formular. Der Bewerber sollte unter Angabe seines Namens und seiner Adresse folgenden Text unter den Antrag setzen: „Zugleich beantrage ich, außerhalb der Zulassungszahl im Fach (. . .) zum (. . .) Semester zugelassen zu werden.“

Die Termine für den schriftlichen Teil des Ersten Abschnitts der Ärztlichen Prüfung liegen jeweils im März und August, und dann folgen noch die mündlichen Prüfungen. Damit sind die Bewerbungsfristen an den Hochschulen bereits verstrichen, wenn das Zeugnis über das Bestehen des Ersten Studienabschnitts eintrifft. Auch die Anrechnungsbescheide für Studienleistungen aus dem Ausland liegen dem Bewerber in der Regel erst nach den Bewerbungsfristen der Hochschulen vor, denn sie werden erst im August oder September erteilt; je nachdem, wann die letzte Prüfung abgelegt und die Anrechnung beantragt wurde.

Nicht jeder, der das vorklinische Studium im Ausland abgeschlossen hat, erhält direkt einen klinischen Platz in Deutschland. Die Zahl der Klagen auf Zulassung zum Zweiten Studienabschnitt hat in den letzten Jahren stark zugenommen. Hier konkurrieren die Bewerber mit zwei Jahren Auslandsstudium mit den Bewerbern, die in Deutschland über hochschulstart.de einen Teilstudienplatz erhalten haben. Während früher die Teilzugelassenen Vorrang hatten, haben zwischenzeitlich zahlreiche Bundesländer Bewerber mit ausländischen Studienleistungen und Teilzugelassene gleichgestellt – nachdem es bei der EU-Kommission gegen die Bevorzugung eine Beschwerde gegeben hatte.

RA Dr. Robert Brehm, Frankfurt am Main

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Avatar #728672
Medizinstudium im Ausland
am Montag, 19. Juni 2017, 09:36

Medizinstudium im Ausland

Wenn Sie möchten, Medizin im Ausland besuchen studieren – http://www.studium-sofia.de
Avatar #579927
G.S.
am Mittwoch, 6. November 2013, 09:49

Geografischer Irrtum

Die Riga Stradins University befindet sich in der Hauptstadt Lettlands, dem baltischen Staat zwischen Litauen und Estland!