ArchivDeutsches Ärzteblatt42/2013Cochrane-Analyse zu Betahistin fehlt
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Gleichgewichtsstörungen stellen eine fachübergreifende Herausforderung dar und so ist es verständlich, dass sich die Leitlinien erstellenden Neurologen auch dem M. Menière, einer Innenohrerkrankung, zuwenden. Ungünstigerweise verursacht der M. Menière nicht nur Schwindel bei den Betroffenen, sondern auch Unsicherheit bei den Behandlern, wobei schon die Ätiologie der Erkrankung – bis auf die organische Endstrecke – unsicher ist.

Verständlich ist, dass die Autoren dazu ihre Forschungsarbeiten vorstellen, auch wenn es sehr unwahrscheinlich scheint, dass eine ermittelte Durchblutungsverstärkung (im Tierohr) tatsächlich Einfluss auf den Verlauf eines M. Menière nehmen kann (2). Nicht verständlich ist, warum in dem zertifizierten Fortbildungsbeitrag, anders als in dem Bericht über die zuverlässig wirksame intratympanale Gentamycintherapie die Cochrane-Analyse zu Betahistin fehlt: Dort heißt es (übersetzt):

Während das Medikament bei denen, die es verschreiben, sehr beliebt ist, zeigt sich bei der Durchsicht der von der Untersuchergruppe akzeptierten sieben Studien mit 243 Patienten kein Beleg dafür, dass es hilft. Die meisten in Auftrag gegebenen Studien kommen zwar zu freundlichen Ergebnissen, sind aber nicht aussagekräftig (1).

Auch die von Strupp zitierte eigene Anwendungsbeobachtung hat, ebenso wie das Konzept der Folgestudie, zumindest bedeutende Schwächen, die zweifeln lassen müssen, welche Art von Schwindel für den Verlauf gewertet werden kann (3).

Auch wenn der reduzierte Platz eines Leserbriefs wenig Raum für eine substanzielle Diskussion lässt, liegt die Vermutung nahe, dass Betahistin mehr die Hoffnungen der Patienten und der Behandler beeinflusst als die Menière-Krankheit selbst.

Nicht immer bedacht wird dabei, dass enttäuschte Hoffnungen auch eine ernsthafte Nebenwirkung darstellen. Tragisch finden wir, dass darüber hinaus Betahistin inzwischen zu oft verschrieben wird, wenn ein M. Menière nur vermutet wird.

DOI: 10.3238/arztebl.2013.0716b

Dr. med. Helmut Schaaf

Prof. Dr. med. Gerhard Hesse

Gleichgewichtsambulanz Hessen
Tinnitus-Klinik im Krankenhaus Arolsen
hschaaf@tinnitus-klinik.net

Interessenkonflikt

Die Autoren erklären, dass kein Interessenkonflikt besteht.

1.
James A, Burton MJ: Betahistine for Menière’s disease or syndrome. Cochrane Database of Systematic Reviews 2001, Issue 1. Art. No.: CD001873. DOI: 10.1002/14651858.CD001873)
2.
Morgenstern C: Morbus Menière. In: Naumann HH, Helms J, Herberhold C, Kastenabuer C (eds.): Oto-Rhino-Laryngologie in Klinik und Praxis, Bd 1: Ohr. Stuttgart. Thieme 1994: 768–75.
3.
Schaaf H: M. Menière. Heidelberg. Springer 2012.
4.
Strupp M, Dieterich M, Brandt T: The treatment and natural course of peripheral and central vertigo. Dtsch Arztebl Int 2013; 110(29–30): 505–16 VOLLTEXT
1.James A, Burton MJ: Betahistine for Menière’s disease or syndrome. Cochrane Database of Systematic Reviews 2001, Issue 1. Art. No.: CD001873. DOI: 10.1002/14651858.CD001873)
2.Morgenstern C: Morbus Menière. In: Naumann HH, Helms J, Herberhold C, Kastenabuer C (eds.): Oto-Rhino-Laryngologie in Klinik und Praxis, Bd 1: Ohr. Stuttgart. Thieme 1994: 768–75.
3.Schaaf H: M. Menière. Heidelberg. Springer 2012.
4.Strupp M, Dieterich M, Brandt T: The treatment and natural course of peripheral and central vertigo. Dtsch Arztebl Int 2013; 110(29–30): 505–16 VOLLTEXT

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